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Linke Ideen für den Bärwalder See

Caren Lay, für die Linken im Bundestag, besucht auf ihrer Sommertour den Hafen Klitten. Das sind ihre Forderungen.

Caren Lay mit den Teilnehmern der Gesprächsrunde auf dem Wellenbrecher im Hafen von Klitten. Im Hintergrund ist der erste Leuchtturm am größten sächsischen Gewässer zu erkennen.
Caren Lay mit den Teilnehmern der Gesprächsrunde auf dem Wellenbrecher im Hafen von Klitten. Im Hintergrund ist der erste Leuchtturm am größten sächsischen Gewässer zu erkennen. © Rolf Ullmann

Caren Lay, Mitglied des Deutschen Bundestages für Die Linke und im September Direktkandidatin im Bautzener Wahlkreis, genießt mit ihren Begleitern am Freitagnachmittag das Panorama, das sich ihnen von der Marina am Hafen von Klitten auf den größten sächsische See bietet, zumal das Wetter mit angenehmen Temperaturen zum Verweilen einlädt. Doch zum Innehalten auf ihrer diesjährigen Sommertour ist die Bundestagsabgeordnete nicht in erster Linie an den See gekommen. Ihr Anliegen besteht vielmehr darin, sich selbst ein Bild von den Gegebenheiten vor Ort zu verschaffen. Dabei will sie von den Politikern und von Verantwortlichen vor Ort erfahren, was in den letzten Jahren hier erreicht wurde, welche Erfolge es gibt, aber auch, wo der Schuh drückt, was es in den nächsten Jahren zu verbessern gilt.

Gerhard Stübner, der Hafenmeister, gibt zum Auftakt des Gesprächs einen kurzen Überblick zur Geschichte und zu den wichtigsten Fakten zum Bärwalder See, insbesondere zum Hafen Klitten. Seit seiner Schaffung im Jahr 2008 habe dieser eine kontinuierliche Aufwärtsentwicklung genommen. So liegen jetzt, statt der 80 Boote zu Beginn, seit einigen Jahren zumeist etwa 180 Boote an den Liegeplätzen. „Mit dem Projekt Hausboote auf dem Bärwalder See wurde eine Erfolgsgeschichte geschrieben. Derzeit befinden sich 22 dieser komfortablen Unterkünfte im Hafen, die alle vergeben und bis Ende Oktober ausgebucht sind“, erläutert der Hafenmeister. Weitere vier sollen in naher Zukunft noch dazukommen.

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Hafenmeister kritisiert Regelungen

Für den Hafenmeister sind die Divergenzen, die sich aus den Festlegungen der Nutzung des Sees für die Bootsbesitzer und für die Angler ergeben, mitunter nur schwer nachvollziehbar. Während die Bootsbesitzer in der Saison (vom 1. März bis zum 31. Oktober) den See bis 21 Uhr verlassen müssen, sind die Angler von den zeitlichen Beschränkungen nicht betroffen. Dafür ist aber die Leistung der Motoren an ihren Booten auf 15 PS beschränkt. Dieser Fakt kann sehr schnell zu einem Nachteil werden, wenn ein heraufziehendes Gewitter zum Beispiel die Angler zum schnellen Verlassen der Wasserfläche zwingt.

Auch die Einrichtung des sogenannten Trapezes auf dem See sieht er mit gemischten Gefühlen. Die etwa vier Quadratkilometer große, durch gelbe Bojen gekennzeichnete Fläche, ist als Vogelschutzgebiet ausgewiesen und darf deshalb nicht befahren werden. Mit der Gesprächsrunde ist er sich darüber einig, dass es andere Möglichkeiten gäbe, zum Beispiel die Nutzung des Speicherbeckens 2 bei Lohsa, um den Wasservögeln den entsprechenden Lebensraum zu bieten.

Der Klittener Bürgermeister Achim Junker verweist darauf, dass die Gemeinde nun mit großen Erwartungen auf den ersten Spatenstich für ein Hotel mit 120 Betten am Boxberger Ufer hofft. Der Investor aus Oberwiesenthal will hier die Grundlagen für ein Familienressort schaffen.

Strukturwandelgeld hier verwenden

Caren Lay bringt als Grundlage für das Gespräch ein Thesenpapier für mögliche künftige Entscheidungen zum See mit. Darin enthalten sind unter anderem ihre Vorstellungen und Gedanken zur künftigen Zusammenarbeit zwischen Sachsen und Brandenburg zur weiteren Entwicklung des Lausitzer Seenlandes, das als eine Einheit und nicht, wie so oft bisher, getrennt in einem sächsischen und einem brandenburgischen Teil gesehen werden sollte. Sie regt in diesem Bereich auch an, die personelle Situation für die Arbeit an den Seen zu verbessern. Denn den 40 Mitarbeitern im Brandenburgischen stehen gerade einmal vier Beschäftigte für die sächsischen Seen gegenüber.

Ein großes Thema im Gespräch bilden die Finanzierung und die damit einhergehenden Probleme des Struckturwandels. Lay ist sich mit Torsten Pötzsch, der als Oberbürgermeister der Stadt Weißwasser am Gespräch teilnimmt, einig, dass die Gelder für den Strukturwandel auch hier verwendet werden müssen. „Die Menschen in den Kerngebieten brauchen die Unterstützung, wenn es darum geht, hier nachhaltige Arbeitsplätze zu schaffen,“ sagt die Linken-Abgeordnete. Dabei hat sie insbesondere – vom Klittener Hafen aus im wahrsten Sinne des Wortes – das Kraftwerk Boxberg im Blick. Allein hier fallen mit dem Kohleausstieg rund 600 Arbeitsplätze weg – in den beiden Tagebauen Nochten und Reichwalde weitere über 1.000 Arbeitsplätze, sowie in den Servicebereichen nochmals etwa so viele. Beide Politiker sehen die Gefahr, dass mit Mitteln, die jetzt durch den Strukturwandel zur Verfügung stehen, Projekte verwirklicht werden, die als Aufgabe sowieso vor der Region, den Städten und Gemeinden stehen.

Bahn-Haltepunkt direkt am See?

Um an den Bärwalder See zu gelangen, benötigen die Erholungssuchenden eine Infrastruktur, die es ihnen ermöglicht, dies in möglichst kurzer Zeit zu schaffen. So hält der mangelhafte Ausbau der Bundesstraße B156 im Bereich Niedergurig viele Besucher aus dem Raum Bautzen davon ab, den von ihnen bevorzugten Strand bei Uhyst zu nutzen. Stattdessen fährt ein Teil zu den von ihnen besser zu erreichenden Seen bei Hoyerswerda. Für potenzielle Besucher aus dem Raum Niesky und Görlitz stellt der relativ lange Anfahrtsweg auf der Straße einen ernsthaften Hinderungsgrund dar. Abhilfe könnte hier die Anreise mit dem Zug schaffen. Statt der rund einstündigen Fahrt von Görlitz auf der Straße, schafft es die Bahn in etwas über die Hälfte der Zeit

.Eine Seenlandbahn, wie sie auf Initiative von Kommunalpolitikern in Sachsen angeschoben wurde und in Richtung der Lausitzer Seen auch im Brandenburgischen in den Sommerferien an den Wochenenden funktioniert, sollte auch anderswo im Sächsischen möglich sein. Voraussetzung dafür wäre allerdings die Einrichtung eines Haltepunktes auf der Strecke Niesky–Hoyerswerda in Höhe des Klittener Hafens. Caren Lay versprach, diese Anregung aufzugreifen und sich mit den Verantwortlichen der Bahn ins Benehmen zu setzen.

Als Fazit des fast zweistündigen Gespräches stellten die Teilnehmer fest, dass am Bärwalder See schon vieles erreicht wurde und sich zum Besseren gewandelt hat, aber auch noch genügend zu tun bleibt.

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