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„Mister Breitband“ freut sich über Spatenstich

Lars Stechemesser hat hinter den Kulissen den Internetausbau im Kirchspiel Schleife vorbereitet. Und jetzt geht’s los.

„Mister Breitband“, wie er vom Schleifer Bürgermeister Jörg Funda bezeichnet wurde. Lars Stechemesser hatte als Mitarbeiter im Hauptamt der Verwaltungsgemeinschaft Schleife unzählige vorbereitende Arbeiten auf dem Tisch. Auch seinem Einsatz ist es zu
„Mister Breitband“, wie er vom Schleifer Bürgermeister Jörg Funda bezeichnet wurde. Lars Stechemesser hatte als Mitarbeiter im Hauptamt der Verwaltungsgemeinschaft Schleife unzählige vorbereitende Arbeiten auf dem Tisch. Auch seinem Einsatz ist es zu © Constanze Knappe

Bis Ende 2022 soll in den sieben Ortschaften des Kirchspiels Schleife das schnelle Internet für jedermann verfügbar sein. Bis dahin werden 1.384 unterversorgte Haushalte und 139 Unternehmen, aber beispielsweise auch drei Schulen, Kindergärten und andere Einrichtungen mit der neuesten Breitbandtechnik erschlossen. Dafür werden 356 Kilometer Glasfaserkabel und 98 Kilometer Leerrohre verlegt sowie 35 Verteiler gebaut. Am Mittwoch wurde im neuen Dorfzentrum Groß Düben am Gerätehaus der Feuerwehr der symbolische Spatenstich vollzogen. Ein für die Bürger der Verwaltungsgemeinschaft Schleife lange herbeigesehnter und vor allem für Lars Stechemesser besonderer Augenblick. Der Mitarbeiter der Gemeindeverwaltung Schleife hatte hinter den Kulissen den Baubeginn intensiv vorbereitet. Den Umfang der Arbeiten im bürokratisierten Deutschland können sich Außenstehende vermutlich nicht mal ansatzweise vorstellen.

Die Welt in die Dörfer bringen

Dieser symbolische erste Spatenstich leitete nun den Teil der sichtbaren Arbeiten ein, wie es Staatssekretärin Ines Fröhlich aus dem Wirtschaftsministerium betonte. Das beauftragte Boxberger Unternehmen, die Schubert Kanal- und Tiefbau GmbH, wird mit Baggern zu Werke gehen. Dies sei eine der größten Herausforderungen, bemerkte Telekom-Regiomanager Kai Gärtner. „Der Markt an Tiefbaufirmen ist leergefegt. Wir arbeiten an der Kapazitätsgrenze dessen, was man an Leistungen einkaufen kann“, erläuterte der Beauftragte für Infrastrukturvertrieb Region Süd-Ost. Wie hart umkämpft der Markt ist, das bekämen auch Kommunen bei ihren Ausschreibungen für Wasser- und Abwasserbau zu spüren. Über derlei Probleme wollte am Mittwoch bei allerschönstem Sonnenschein verständlicherweise niemand reden. Viel zu sehr habe man dem feierlichen Moment entgegengefiebert – und darauf hingearbeitet.

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Groß Dübens Bürgermeister Helmut Krautz (SPD) erinnerte an die Wende, als man in eine neue Zeit gestartet sei. Telefon habe es da nur punktuell gegeben. Um ein Kabel für Telefon nach Groß Düben zu kriegen, seien etliche Fahrten nach Dresden und Bautzen nötig gewesen. 1993/94 war es dann endlich so weit. 27 Jahre später soll nun Breitband kommen. „Es ist einer von vielen ersten Spatenstichen, die wir seit der Wende gemacht haben, aber einer der sicherlich mit Lichtgeschwindigkeit die Welt noch besser in unsere Dörfer bringen wird“, erklärte Helmut Krautz.

Ein langer Atem war nötig

Mit insgesamt 6,1 Millionen Euro finanzieren Bund (3,7 Millionen) und Freistaat Sachsen (2,4 Millionen) die Breitbandoffensive im Kirschspiel Schleife. Grund für Staatssekretärin Ines Fröhlich (SPD) aus dem Sächsischen Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr, in Groß Düben selber einen Spaten in die Hand zu nehmen. Wenn auch nur symbolisch. „Wir sind die Generation, die durch maßgebliche technische Entwicklung geprägt ist“, betonte sie. Die drei Gemeinden im Kirchspiel Schleife hätten rechtzeitig erkannt, was zu tun ist. „So idyllisch das Leben hinterm Berg auch ist, digitale Versorgung gehört zum Lebensstandard heute dazu“, erklärte die Politikerin, die das nicht bloß auf diverse Streamingdienste bezogen wissen wollte. Gerade auf dem Lande, wo es Geschäfte nicht flächendeckend gibt, sei das schnelle Internet auch wichtig, um Versorgungslücken auszugleichen. Und es sei „ein essenzieller Bestandteil des Lebens für die Verfügbarkeit von Wissen und Lernen.“

Im Dezember 2017 hatte der Groß Dübener Bürgermeister Helmut Krautz zusammen mit seinen Amtskollegen aus Schleife und Trebendorf in Berlin den Fördermittelbescheid abgeholt. Nach Aussage von Ines Fröhlich gehöre zur Wahrheit aber auch dazu, dass die Vorarbeiten bereits 2014 begannen. Es sei vom Vorentwurf bis zur Bewilligung des Förderantrags ein sehr mühevoller Weg gewesen. „Danke für den langen Atem“, wandte sich die Staatssekretärin an die drei Bürgermeister.

Diesen Dank gab der Schleifer Gemeinde-Chef Jörg Funda (CDU) postwendend weiter – an „Mister Breitband“. Als solchen bezeichnete er Lars Stechemesser. Bei dem Mitarbeiter der Gemeindeverwaltung liefen alle Fäden zur Vorbereitung der Breitband-Erschließung zusammen. „Die Bürgermeister stehen im Vordergrund, aber die Arbeit wird meist woanders gemacht“, betonte Funda. Noch sei im Kirchspiel die Internetversorgung nicht befriedigend. Entsprechend groß war seine Freude über den symbolischen Spatenstich. „Meine Söhne warten schon zu Hause, dass endlich die Dose in den Keller kommt“, sagte er.

Sein Trebendorfer Amtskollege Waldemar Locke (CDU) fasste das bisherige Geschehen so zusammen: „Wir waren die Ersten auf dem digitalen Weg und wurden ausgebremst.“ Dass es mit dem Breitbandausbau nun endlich losgeht, darin sieht er auch ein gutes Zeichen für die Jugend.

Im September 2018 war die Telekom zum Bietergespräch in Schleife. Ein Jahr später erhielt sie den Zuschlag für den Breitbandausbau im Kirchspiel. Regiomanager Kai Gärtner erzählte, dass Mitarbeiter zunächst anhand der Zahl der Klingeln die Kabel dimensioniert hätten. In mühevoller Kleinarbeit war dann in der Gemeindeverwaltung zum Beispiel für jedes Grundstück die Wegelast einzutragen.

Ein Spatenstich symbolischer Natur: Telekom-Regiomanager Kai Gärtner, die Bürgermeister Waldemar Locke (Trebendorf) und Jörg Funda (Schleife), Staatssekretärin Ines Fröhlich sowie der Groß Dübener Bürgermeister Helmut Krautz (v.li.). Die eigentliche Ersch
Ein Spatenstich symbolischer Natur: Telekom-Regiomanager Kai Gärtner, die Bürgermeister Waldemar Locke (Trebendorf) und Jörg Funda (Schleife), Staatssekretärin Ines Fröhlich sowie der Groß Dübener Bürgermeister Helmut Krautz (v.li.). Die eigentliche Ersch © Joachim Rehle

Mit der Breitbandoffensive sollen alle Haushalte mit einer Bandbreite von weniger als 30 MBit Zugang zum schnellen Internet erhalten. Das Glasfaserkabel wird bis in die Häuser hinein verlegt und die Anschlussdose im Hauswirtschaftsraum oder Keller montiert. Kai Gärtner nannte eine Auftragsquote von 80 Prozent. Auch die übrigen Haushalte könnten noch einen Auftrag auslösen. Wo dies nicht geschieht, wird das Glasfaserkabel nur bis zur Grundstücksgrenze verlegt. In jedes Einfamilienhaus werden sechs Fasern gebracht. Fünf dienen als Reserve für einen später womöglich erhöhten Bedarf, hieß es.

Nach den Worten von Telekom-Projektleiter Eric Fritsch sind 2021 Schleife nördlich der Bahn und Groß Düben dran, wobei die Kabel in Groß Düben zusammen mit dem Stromversorger MitNetz unter die Erde gebracht werden. 2022 wird in Schleife südlich der Bahn und Trebendorf gebaut. Nach jetzigem Stand der Dinge auch in Mühlrose. Dort aber werde das Glasfaserkabel nur bis zu einem Verteiler verlegt und von da aus die Häuser über Kupferkabel versorgt. Rohne und Mulkwitz sind ebenfalls 2022 dran. Halbendorf ist bereits erschlossen – auf die gleiche Weise, wie es für Mühlrose vorgesehen ist.

Man gehe mit überschaubaren Bauabschnitten vor, um die Beeinträchtigung der Anwohner so gering wie möglich zu halten. Ende 2022 gibt es überall im Kirchspiel Schleife schnelles Internet mit einer Bandbreite bis zu einem Gigabit pro Sekunde.

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