merken
PLUS Weißwasser

Mit Geschichten hin zum Heiligabend

Wie der Kirchenkreis Schlesische Oberlausitz mit dem digitalen Adventskalender „Aufgemacht“ auf Weihnachten einstimmt.

Ludwig Hetzel leitet die Arbeitsstelle für Kinder- und Jugendarbeit im Kirchenkreis Schlesische Oberlausitz zwischen Hoyerswerda, Weißwasser und Görlitz. Er ist Mitinitiator des digitalen Adventskalenders „Aufgemacht“ und der Pfarrer-Frage-Runde.
Ludwig Hetzel leitet die Arbeitsstelle für Kinder- und Jugendarbeit im Kirchenkreis Schlesische Oberlausitz zwischen Hoyerswerda, Weißwasser und Görlitz. Er ist Mitinitiator des digitalen Adventskalenders „Aufgemacht“ und der Pfarrer-Frage-Runde. © Andreas Kirschke

Ein Motorrad-Fahrer reist unbeirrt durch den Regen. Immer wieder stoppt er unterwegs und hält inne. Ungewiss ist sein Ziel. „Im Video geht es ums Thema Warten. Humorvoll nähern wir uns dem an. Die Auflösung ist überraschend“, meint Ludwig Hetzel. Seit 2005 ist er Regionaljugendwart im Evangelischen Kirchenkreis Schlesische Oberlausitz zwischen Hoyerswerda, Weißwasser und Görlitz.

Gemeinsam mit Christin Noack (Grafikdesignerin), Jonas Naumann (Video- und Veranstaltungstechniker) sowie Tobias Hoffmann (Musikdesigner) von der Dresdner Firma „Voll gerne“ erstellte er erstmals einen digitalen Adventskalender. Das Thema Warten kommt mit darin vor. Mit dem Titel „Aufgemacht“ ist es ein rein virtueller Kalender geworden. Finanziert wird er durch den Kirchenkreis Schlesische Oberlausitz, die Stiftung Kirche im Dorf und durch Spenden.

Anzeige
Hier wird die Zukunft entwickelt
Hier wird die Zukunft entwickelt

Spitzenforschung und Lehre auf hohem Niveau gibt es auch außerhalb von Großstädten und Ballungszentrum: nämlich an der Hochschule Zittau/Görlitz.

Die Dresdnerin Christin Noack, die die Grafiken des Adventskalenders gestaltet hat, stammt aus Mühlrose. Inzwischen gehört sie zwar zur Freien Evangelischen Gemeinde Dresden, fühlt sich aber mit dem Kirchenkreis ihrer Heimat nach wie vor verbunden. „Der Kirchenkreis Schlesische Oberlausitz gab uns viel Freiraum bei der inhaltlichen Umsetzung und Illustrierung des Kalenders“, erzählt die Grafikdesignerin. „Wichtig ist mir, vor allem die Verbindung zwischen Alt und Jung zu zeigen. Dieser Kalender kann Generationen zusammenführen“, sagt sie. Deshalb sei es ein lohnenswertes Projekt, das Menschen in ihrer Sinnsuche begleitet.

„Wir wollen nicht nur Christen damit ansprechen. Wir wollen auch kirchenferne Menschen erreichen, Menschen, die zweifeln und der Kirche kritisch gegenüberstehen“, sagt Ludwig Hetzel. Der Kalender reagiert auf die jetzige Zeitenwende, die durch Corona aufgezwungen sei. Immer schneller, immer höher, immer weiter, das sei vorbei, findet der Regionaljugendwart.

Pfarrer stehen Rede und Antwort

Dem digitalen Adventskalender ging bereits seit 1. Oktober eine besondere Aktion voraus: „Frag‘ die Pfarrerin. Frag‘ den Pfarrer“ heißt es auf der Internetseite Aufgemacht.net. Dort geben Pfarrer Einblick in ihre Erfahrungen, stehen schriftlich Rede und Antwort – zu Sinnfragen des Lebens, der Zukunft, nach dem Warum oder nach dem Miteinander im Alltag. Es sind religiöse, aber auch politische, gesundheitliche und sehr persönliche Themen. „Jede Frage wird selbstverständlich vertraulich und anonym beantwortet“, so Ludwig Hetzel.

Superintendent Dr. Thomas Koppehl sieht den Adventskalender und die vorausgehende Frage-Antwort-Runde als Brücke zwischen Christen und Nicht-Christen. So könne ein willkommener Meinungsaustausch in Bewegung kommen. Der Adventskalender, so betont er in seiner Video-Botschaft, zeige Kirche von einer ganz anderen Seite. „Er kann eine Brücke bilden zwischen uns Christen und denen draußen, die Kirche und Glaube kennenlernen wollen.“

Regional, authentisch, zeitgemäß, generationsübergreifend und überraschend soll der Kalender sein. Die Themen sind vielfältig. Es geht um das Warten und Erwarten, um Kunst in der Kirche, um Lebensbrüche und -aufbrüche.

Wieder auf Werte besinnen

Auch Humor und Erinnerungen kommen vor. „Wichtig ist mir die Botschaft: Jeder Mensch ist wertvoll“, betont Ludwig Hetzel. Gerade in Krisenzeiten entdecke er sie jeden Tag neu. Den Hauptinitiator des Kalenders bewegt aber noch ein anderer Grundgedanke. Kirche dürfe nicht als „starre Institution“, als „Betrieb“ wahrgenommen werden. Vielmehr sei sie ein lebendiger Verbund der Menschen mit Gott. Dabei gibt der Glaube Menschen Lebensfreude, Beistand und Trost. „Wir Christen stehen dafür ein“, so der Regionaljugendwart.

Von Geschichte zu Geschichte tastet sich der Kalender vor bis zu Heiligabend. „Gerade in der Corona-Zeit kann er Aufwind geben“, findet Janette Gisa, Mitarbeiterin der Arbeitsstelle für Kinder- und Jugendarbeit im Evangelischen Kirchenkreis Schlesische Oberlausitz. Der Kalender könne mithelfen, „dass sich die Menschen zurückbesinnen – auf Werte, auf die es im Leben wirklich ankommt: Barmherzigkeit, Vertrauen, Nächstenliebe, Rücksicht.“

Die Frage eines Ausländers, warum in Deutschland so wenige Menschen in die Kirche gehen, habe sie nachdenklich gemacht. Womöglich gehe es Vielen einfach zu gut und sie wissen die Freiheit, in der wir leben, zu wenig dankbar zu schätzen, so Janette Gisa.

Mehr Nachrichten aus Weißwasser und Umland lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Weißwasser