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„Mit mehr Geld wär’ schneller ein Haushalt gebastelt“

Ein neues Ärztehaus steht ganz oben auf der Agenda in Boxberg. Nicht das einzige, was ohne Strukturhilfe nicht geht.

Ideen gibt es in Boxberg viele, sagt Bürgermeister Achim Junker. Doch bei angespannter Haushaltslage ist Sparen angesagt
Ideen gibt es in Boxberg viele, sagt Bürgermeister Achim Junker. Doch bei angespannter Haushaltslage ist Sparen angesagt © Constanze Knappe

Boxberg hat schon bessere Zeiten erlebt. Doch damit ist es spätestens vorbei, seit die Gemeinde 15 Millionen Euro Steuern zurückzahlen musste. Der sich entwickelnde Tourismus kann die Löcher bei weitem nicht schließen. TAGEBLATT hakt bei Bürgermeister Achim Junker (CDU) nach.

Herr Junker, wegen Corona musste auch in der Gemeinde Boxberg viel ausfallen. Was bedauern Sie am meisten?

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Es ist schade, dass viele Sachen nicht stattfinden konnten, die in den Vereinen mit viel Hingabe vorbereitet wurden. Das 30-jährige Jubiläum unserer Partnerschaft mit Boxberg in Baden haben wir trotzdem begangen, aber in kleinem Rahmen. Natürlich wäre es schöner gewesen, wenn wir mit vielen Bürgern hätten hinfahren können, denn über die Jahre sind ja auch viele persönliche Freundschaften entstanden.

Wie beeinflusst Corona die Arbeit der Verwaltung?

Wir waren durch zwei Corona-Fälle betroffen. Trotz Krankenstand konnten wir aber durchgehend arbeiten. Die meiste Zeit war das Gemeindeamt für den Besucherverkehr geschlossen. In dringenden Angelegenheiten sind nach vorheriger Terminvereinbarung aber persönliche Gespräche möglich. Corona hat uns viel beschäftigt, aber nicht in den Projekten behindert.

Welche Vorhaben sind geschafft?

Die Erschließung des neuen Wohngebiets an der Straße der Freundschaft ist beendet, so dass wir jetzt in die Vermarktung gehen können. Die brandschutztechnische Sanierung der Grundschule mit neuer Küche und Speiseraum ist so gut wie fertig. Das Bebauungsgebiet Klitten-Jasua ist erschlossen. Wir haben die Sanierung von Radwegen erfolgreich fortgesetzt und im Dezember noch Technik für den Bauhof angeschafft. Im November bekam die Feuerwehr Mönau-Rauden ihr neues Fahrzeug. Dass wir es wegen Corona sang- und klanglos übergeben mussten, ist schon ein bisschen traurig. Solche Ereignisse sind sonst Höhepunkte für die Kameraden, und wir würdigen ihren ehrenamtlichen Einsatz.

Endlich wurde ja auch die Sanierung der S 131 in Reichwalde begonnen.

Diese Komplexmaßnahme soll im Herbst 2021 fertig sein. Die Gemeinde ist mit Gehweg und Regenentwässerung beteiligt und baut Parkplätze. Die Sanierung der Straße ist eine halbe Lebensaufgabe – so lange, wie wir uns schon mit dem Thema befassen. Manfred Herz hat sich sehr dafür eingesetzt. Dass es nun endlich realisiert wird, kann der inzwischen verstorbene Ortsvorsteher leider nicht mehr erleben.

Vor einem Jahr beklagten Sie an gleicher Stelle, dass in Sachen Strukturwandel ewig nichts losgeht. Inzwischen kann man Projekte beantragen. Boxberg startet mit einem innerörtlichen Wegeleitsystem. Warum das als erstes?

Das Strukturstärkungsgesetz bietet gute Möglichkeiten. Wie die Umsetzung tatsächlich erfolgt, muss man sehen. Es hilft aber nicht, abzuwarten; man muss selber mitwirken. Unsere Bürger haben Ideen, was mit den Fördergeldern zum Strukturwandel gemacht werden könnte. Das führte zur Gründung des Vereins „Perspektive Boxberg“. Dieser hat sich die Energiewende ebenso auf die Fahnen geschrieben wie viele kleine Sachen bis hin zu Spielplätzen. Ich halte das für wichtig. Auch, damit es in der Verwaltung im Blickfeld bleibt.

Und das innerörtliche Wegeleitsystem?

Das ist uns wichtig, weil wir dabei die Ortsteile einbeziehen. Es soll unsere Gäste entlang der Radwege auf Sehenswürdigkeiten in den Ortsteilen aufmerksam machen. Es gibt ja nicht nur den Bärwalder See. Hinweise auf Gaststätten wären angebracht. Zumal wir mit der Gastronomie sehr ausgedünnt sind. Ich habe mit unseren Wirten gesprochen. Ihr Bringe-Service wird in der Pandemie genutzt. Er kann den normalen Gaststättenbetrieb aber nicht ersetzen.

Die Gemeinde kann den Wirten ja auch nicht wirklich helfen ...

Nein, da sind unsere Möglichkeiten sehr beschränkt. Im Einzelfall könnten wir Mieten und Pachten für eine Weile aussetzen. Aber die meisten nutzen eigenes Eigentum.

Mit Geld aus dem Strukturwandeltopf ließe sich doch aber der Neubau eines Ärztehauses voranzutreiben?

Die Frage Ärztehaus steht ganz weit oben auf der Agenda. Eine Lösung haben wir nicht. Die Kommune ist durch die vielen Auflagen kein guter Bauherr. Ein privater Investor wäre der bessere Weg. Aber da zeichnet sich nichts ab. Nachdem der Hausarzt in Klitten, Dr. med. Peter Raff, plötzlich verstorben ist, ist das Thema aktueller denn je. Der Strukturwandelfonds bietet die Chance dazu – übrigens auch für einen Dritten, im öffentlichen Interesse.

Wie in den meisten anderen Kommunen im Nordkreis ist auch in Boxberg der Beschluss zum neuen Haushalt noch nicht in Sicht. Wie steht‘s damit?

Die Kämmerei arbeitet dran, aber es wird erst im Frühjahr. Wenn wir alle genug Geld hätten, wäre der Haushalt schnell gebastelt. Man weiß ja kaum noch, wo man die Hebel zum Sparen ansetzen soll. Bei freiwilligen Leistungen sind wir schon so weit unten, da geht nichts mehr zu kürzen, damit wir wenigstens noch etwas für die Kinder- und Jugendarbeit tun können.

Die wichtigsten Vorhaben für 2021?

Die energetische Sanierung der gemeindeeigenen Gebäude zum Beispiel. Noch nicht in diesem Jahr, aber in naher Zukunft ist das kommunale Wohngebäude auf der Schlossstraße in Uhyst dran. In der Grundschule wollen wir 2021 den dritten Bauabschnitt mit Türen, Fußboden, Elektrik und Maler angehen. Und wir wollen uns weitere Radwege vornehmen, weil es dafür zweckgebundene Mittel gibt. Man könnte auch sagen: Die Rosinen sind wegen der Haushaltslage eingedampft. Der Haushalt wird wieder sehr eng gestrickt sein. Da bleibt für Anderes nicht mehr viel übrig.

Auch nicht für die Turnhalle, deren Sanierung längst überfällig ist?

Wir wollen eine Mehrzweckhalle bauen, die dann von der Schule und den Vereinen genutzt werden kann. Den Projektvorschlag haben wir im Januar bei der SAS eingereicht. Aber selbst bei nur fünf Prozent Eigenanteil müssten wir haushalterisch sehr klug sein, um das zu stemmen.

Nun gibt es ja Stimmen, die sagen, wenn die Gemeinde Boxberg schon so knapp bei Kasse ist, muss sie ja nicht auch noch Geld in die weitere Entwicklung des Bärwalder Sees stecken.

Das sehe ich anders. Der See macht die Gemeinde für Boxberger und Gäste attraktiver. Und es passiert ja auch einiges. Auf die Ausschreibung für Ferienhäuser im Bebauungsgebiet Klitten-Jasua gingen mehrere Angebote ein. Im Frühjahr wird eine Hotelbaufläche in Boxberg vergeben. Mit dem Neubau wäre die verkehrstechnische Erschließung zu überdenken und wie man sie für Autos, Fahrräder und Inliner entschärfen kann. Da ist dann unser Bauamt gefragt. Froh sind wir, dass das Projekt des privaten Investors Floatinghouse so zügig umgesetzt wurde. Es könnte in diesem Jahr abgeschlossen werden. Die meisten Eigentümer vermieten die Häuser an Urlauber, das bringt auch den Gaststätten Nutzen.

Aber ein Fahrgastschiff fährt noch immer nicht auf dem See.

Nachdem der erste Investor entnervt aufgegeben hat, ist zwar ein neuer Bewerber am Start, aber die Behörden tun sich schwer.

Warum wird das Thema nach so vielen Tiefschlägen noch immer verfolgt?

Wir können es nicht einfach fallenlassen. Dafür haben wir schon zu viel Geld und Mühe reingesteckt. Die Bedingungen dafür müssen durch LMBV und Gemeinde umgesetzt werden. Der Bau von drei Schiffsanlegern sollte eine Million Euro kosten, jetzt kriegt man nicht mal mehr einen dafür. Das macht das Ganze so kompliziert. Ganz zu schweigen von den genehmigungstechnischen Bergen. Der Ball liegt bei den Behörden. Ich hoffe sehr auf eine positive Entwicklung. Es geht ja auch darum, dass die LMBV den See an den Freistaat übergibt. Das würde bedeuten, dass aus bergbautechnischer Sicht die Sache erledigt ist.

Was wünschen Sie sich für 2021?

Endlich wieder normale Verhältnisse, was das menschliche Miteinander betrifft. Und dass die allgemeinen Aktivitäten wieder in vollem Umfang stattfinden können. Man merkt, die Leute leider sehr unter der gegenwärtigen Situation.

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