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Mit Strukturwandelgeld: Ein Museum für Rietschen?

Der Förderverein will dafür einen Vierseithof aus Weißkeißel auf den Erlichthof umsetzen lassen.

Auf dieser Fläche zwischen dem Nähkästchen im Erlichthof und dem benachbarten Auszeit-Idyll könnte der Vierseithof mit dem geplanten Museum seinen Platz finden.
Auf dieser Fläche zwischen dem Nähkästchen im Erlichthof und dem benachbarten Auszeit-Idyll könnte der Vierseithof mit dem geplanten Museum seinen Platz finden. © Rolf Ullmann

Wer die Geschichte seines Ortes mit ihren Traditionen kennt, der identifiziert sich stärker mit ihm, ist stolz darauf, gerade hier zu leben, und entwickelt Ideen für die Zukunft. Die Geschichte, insbesondere die Industriegeschichte und die Gegenwart von Rietschen in einem Museum lebendig werden zu lassen, hat sich eine erweiterte Gruppe des Fördervereins Schrotholzhäuser Erlichthof zum Ziel gestellt.

Kurt John, der Vereinsvorsitzende, und Udo Zange stellten auf der jüngsten Sitzung des Gemeinderates das Konzept zur langfristigen Verwirklichung des Projektes vor. Sie gingen davon aus, dass die Geschichte der Gemeinde untrennbar mit der Entwicklung der keramischen und der Glasindustrie verbunden war. In den Industriebetrieben fanden zeitweise über 800 Mitarbeiter Lohn und Brot. Mit der Wende erfolgte das Aus sowohl für das Glaswerk als auch des Feuerfestwerkes.

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Nur noch die Erinnerungen der Älteren sowie einige Baulichkeiten im Ort zeugen heute von diesem wichtigen Teil der Ortsgeschichte. Durch die museale Darstellung soll dieses Erbe nun bewahrt und lebendig erhalten werden. Udo Zange verwies darauf, dass noch etwa 20 Schmalfilme über das Glaswerk existieren und dass auch bildliche Darstellungen vorhanden sind, die aufgearbeitet werden müssten. Gerade jetzt, da die Region mit dem Ausstieg aus der Kohle erneut vor einem Umbruch steht, kommt der Vermittlung geschichtlichen Wissens und damit der Identifikation mit dem Heimatort eine große Bedeutung zu.

Fachfirma könnte rückbauen

Der Erlichthof eigne sich in ganz besonderem Maße für die Realisierung dieses Projektes. Darauf verwies Kurt John. „Dem Erlichthof mit seinen 23 Schrotholzhäusern kommt als touristisches Ziel eine überregionale Bedeutung zu. Diesen Tourismusmagneten gilt es zu bewahren und auszubauen“, sagte der Vereinsvorsitzende. Die Arbeitsgruppe stellt ihr Projekt unter das Motto „Rietschen – eine Entwicklung vom Steinzeitdorf zur Industriegemeinde. Versuch der Bewahrung einer geschichtlichen Identifikation“.Die Suche nach einer künftigen, möglichen Heimstatt für eine museale Anlage im Erlichthof wurde inzwischen von Erfolg gekrönt. Die Familie Hübner würde ihren Vierseithof in der Görlitzer Straße in Weißkeißel dem Verein als Schenkung überlassen. Das Gehöft besteht aus einem Schrotholzhaus, das als Wohnhaus genutzt wird, zwei Scheunen sowie zwei weiteren Nebengebäuden. Der Rückbau und die Einlagerung sollten durch eine Fachfirma übernommen werden. Schließlich erfolgt die Übergabe als beräumtes Baugrundstück an die Familie Hübner.

Zwei bestehende Museen integrieren?

Im Erlichthof soll das gesamte Ensemble wieder aufgebaut und als Museum mit einer Dauerausstellung unter der oben genannten Thematik genutzt werden. Dazu sieht der Verein vor, im Eingangsbereich des Wohnhauses einige Urnengräber aus Ausgrabungen in der Umgebung von Rietschen unter einer Glasabdeckung als älteste Exponate zur Einstimmung auf die folgenden Räume zu zeigen. Ölbilder und Exponate aus dem ehemaligen Feuerfestwerk bilden die Ausstattung eines weiteren Raumes. Dazu können die Besucher selbst die inzwischen digitalisierten Schmalfilme abrufen. Der Glasindustrie im ehemaligen Glaswerk Rietschen mit Bildern, Fotos sowie dem Handwerkszeug der Glasmacher und Produkten des Betriebes ist ein weiterer Raum gewidmet.

Ein Rennofen zur Erzverhüttung könnte seinen Platz in einer der Scheunen finden. Dem Rietschener Verein liegt auch ein Angebot zur Übernahme der Exponate des Forstmuseums in Sohland/Spree sowie des Fischereimuseums in Wartha vor. Beide Einrichtungen verfügen insgesamt über eine Ausstellungsfläche von rund 400 Quadratmetern.

Als Standort für die neue Einrichtung schlägt der Verein die Fläche vor dem Auszeit-Idyll von Heike Ussath vor. Das Vorhaben kann natürlich nicht von heute auf morgen umgesetzt werden. Die Macher rechnen mit einem Zeitraum von sechs bis acht Jahren. Geschätzte Kosten zwischen 736.000 und 950.000 Euro bilden den finanziellen Rahmen, um das Projekt zu verwirklichen. Seitens des Gemeinderates stößt das Vorhaben auf Zustimmung. Im Gegensatz dazu gibt es auch kritische Stimmen einiger Gewerbetreibender des Erlichthofes. Sie befürchten eine Überfrachtung des Geländes durch einen großen Vierseithof.

Die Mitglieder des Gemeinderates beschlossen, das Vorhaben auf die Liste jener Projekte in der Gemeinde zu setzen, die mit Fördergeldern aus den Mitteln des Strukturwandels finanziert werden sollen. Bei dieser Gelegenheit erging die Anregung an die Ratsmitglieder, in den Sitzungen öfter über Vorschläge und Projekte des Strukturwandels in der Gemeinde zu sprechen.

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