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Mitgebrachte Kuchen im Holzbackofen backen

Beim Saisonabschluss am 19. September im Handwerker und Gewerbe Museum in Sagar ist nicht nur das möglich.

Sylko Zink (vorn) ist seit drei Jahren als Ein-Euro-Jobber im Museum Sagar tätig, kann inzwischen sogar die historische Dampfmaschine erklären und in Betrieb setzen sowie den neuen Holzbackofen. Das freut nicht nur Vereinssprecher Egbert Feuerriegel.
Sylko Zink (vorn) ist seit drei Jahren als Ein-Euro-Jobber im Museum Sagar tätig, kann inzwischen sogar die historische Dampfmaschine erklären und in Betrieb setzen sowie den neuen Holzbackofen. Das freut nicht nur Vereinssprecher Egbert Feuerriegel. © Sabine Larbig

Seit 1997 wird immer am dritten Sonntag im September im Museum zum großen Fest eingeladen. Am 20. September dieses Jahres wurde nämlich offiziell der Museumsbetrieb in Sagar eröffnet.

Möglich wurde es, weil Bürger aus Krauschwitz bereits Jahre zuvor als Gruppe Ortsgeschichte begannen, die örtliche Historie zu bewahren. Aus der Gruppe entstand 1994, ebenfalls im September, der Förderverein des Heimatmuseums Sagar, heute Förderverein Museum Sagar e.V., dessen Mitglieder ein Museum schufen und dort einst wie heute den Besuchern die Gewinnung und Verarbeitung regionaler Rohstoffe sowie die darauf basierende Entwicklung der Region vermitteln.

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Wenn der Herbstwind über die Straßen fegt, ist es Zeit zum Schlemmen. Eine Portion Pudding wärmt Herz und Seele.

Backofen mit Premieren-Einsatz

Und so erleben große und kleine Gäste in Sagar die Funktionsweisen und Aufgaben diverser Anlagen und Maschinen wie Stellmacherwerkstatt, historische Gattersägen oder Dampfmaschine, und auch Dauerausstellungen zu historischem Spielzeug oder Industrie- und Gebrauchskeramik sowie über das Jahr verteilte Angebote für Erwachsene und Kinder, bei denen gezeigt wird, wie einst Wäsche gewaschen, Seifen, Butter und Alltagsgeschirr hergestellt wurden – man kann sich immer ausprobieren.

All dies und mehr wird natürlich beim Museumstag am 19. September, 10 bis 18 Uhr, gezeigt. Eröffnet wird zudem die Sonderausstellung „Kinderheim – Heimkinder“ rund um das Ex-Säuglingsheim Krauschwitz. Als besonderer Höhepunkt wird der 2020 erworbene und sanierte Holzbackofen erstmals öffentlich angefeuert. „Unsere Gäste können frisch im Ofen gebackene Brote und Kuchen kaufen und vorbereitete Backwaren von Zuhause mitbringen und backen lassen“, verrät Vereinssprecher Egbert Feuerriegel. „Außerdem werden beide Sägegatter in Aktion vorgeführt. Man kann Schmied und Schuhmacher bei der Arbeit über die Schulter schauen und Weine aus Jerischke verkosten. Auch die beliebten Kartoffelpuffer und echten Thüringer Bratwürste gibt es wieder.“ Letztere holen die Sagaer traditionell aus der Kleinstadt Triptis. Diesmal meldete sich Egbert Feuerriegel, der auch für das Einlegen von Steaks und den Grillstand zuständig ist, dafür. So wie er hat jedes Vereinsmitglied eine Aufgabe beim Fest. Doch ohne zusätzliche freiwillige Helfer, die bis von Forst kommen, und einen Arbeitseinsatz am Tag zuvor wäre es nicht stemmbar.

Arbeiten im und für das Museum

Dies trifft auch für die Museumssaison zu. Der Verein ist daher dankbar, dass er noch immer zwei Ein-Euro-Jobber bekommt, die sich um Ordnung und Sauberkeit des Geländes kümmern, als Art Hausmeister fungieren. Ein „Hausmeister“ ist Sylko Zinke. Er hat sich in den letzten Jahren sogar intensiv mit Maschinen und Anlagen vertraut gemacht, so dass er sie Besuchern bei Rundgängen nun ebenso erklären und vorführen kann wie den neuen Backofen. Sylko Zinke muss beim Museumsfest deshalb sehr früh da sein, weil der Ofen vier Stunden braucht, bis er betriebsbereit ist. Doch das macht ihm nichts aus. „Ich bin gerne hier. Die Aufgaben sind so vielfältig, und jeden Tag passiert was Neues, und es macht Spaß, Leute durchs Museum zu führen und alles erklären und zeigen zu können.“

Fast ein „zweites Zuhause“ ist das Museum auch für Evi Tschöpel, die im Vorjahr von der Gemeinde Krauschwitz für ihr besonderes Vereinsengagement gewürdigt wurde. Während sie in den Anfangs- und Aufbaujahren der Einrichtung über eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme dabei war, sogar Vereinsmitglied wurde, hat sie jetzt einen Mini-Job im Museum. „Sie ist die sogenannte gute Seele, macht von Reinigung über Kasse bis Vorbereitungen für angemietete Feste und Feiern im Objekt alles. Selbst an Wochenenden“, lobt sie Egbert Feuerriegel. Doch sowas ist Evi Tschöpel peinlich, die nicht im Mittelpunkt stehen will, lieber anpackt und mitmacht. „Es ist schön hier, die Arbeit macht mir viel Freude. Ich bin einfach stolz darauf, mit helfen zu können, das Museum zu betreiben und zu erhalten.“

Corona und seine Folgen

Apropos Betreibung und Erhaltung. Durch Corona ist dies eine Herausforderung für den 27-köpfigen Verein geworden. „Letztes und dieses Jahr fielen alle Einnahmen zu Ostern, Pfingsten und bis Juni komplett weg“, weiß Egbert Feuerriegel. Zwar seien in der verbleibenden Öffnungszeit noch ein paar Mieteinnahmen und mehr Besucher als sonst gekommen, da Urlaub im eigenen Land im Trend lag. Vor allem Gäste aus den alten Bundesländern, so Feuerriegel, seien überrascht gewesen, was es alles in der Region gäbe und dass sie aus mehr als „Sand, Wald und schwarzen Kohle-Löchern“ bestehe. Und sie seien erstaunt gewesen, dass man allein im Museum Sagar Stunden verbringen könne. Dennoch habe sich Corona finanziell fatal auf den Verein ausgewirkt „Wir können uns in nächster Zeit nur auf Erhalt und Instandhaltung konzentrieren.

Alles andere, wie Neuanschaffungen oder der dringend nötige Ersatz der abgenutzten Walzen der Sägegatter, ist vorerst unmöglich. Selbst an geeignete Förderprogramme kommen wir nicht, weil das Geld für den Eigenanteil fehlt, wenn es nicht durch Spenden und Sponsoren kommt.“ Möglicherweise komme es durch die finanziellen Einbußen ab 2022 zu einer geringfügigen Erhöhung der Eintrittspreise. Doch dies, so das Vereinsmitglied, müsse der neue Vorstand beschließen, der im Oktober gewählt wird. Für Erhalt und Absicherung der Museumsarbeit seien höhere Einnahmen, meint Feuerriegel, aber nötig. „Unsere Finanzlage verbessert sich ja nicht. Selbst wenn öffentliches Leben und somit unser Museum wieder ohne Corona, Auflagen und Einschränkungen laufen.“

Dass ein neuer Vorstand gewählt wird, liegt übrigens daran, dass Vereinsvorsitzender und Schatzmeisterin ihre Ehrenämter aus Altersgründen aufgeben.

Neue Satzung und neuer Vorstand

Noch fehlen, wie in vielen Vereinen, Nachrücker. „Wer will sich schon den Hut für so viel Verantwortung und Werte aufsetzen?“, vermutet Feuerriegel. Die Sagaer wollen daher einen neuen Weg gehen, wenn die Mitglieder zustimmen, und einen kollektiven Vorstand einsetzen. Doch vor dieser Entscheidung, und der Abstimmung über eine gesetzlich bedingte überarbeitete Vereinssatzung, wird Museumstag gefeiert. Natürlich unter Corona-Regeln. „Aber wir hoffen trotzdem auf ganz viele Besucher und sind gastronomisch darauf eingestellt“, erklärt der Vereinssprecher mit Blick auf 2021, wo der Verein vom Besucheransturm überrannt wurde. Und Feuerriegel gibt noch einen Tipp. „Im Oldtimer anreisende Festgäste haben freien Eintritt.“

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