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Mobilfunkmast spaltet Halbendorf

Befürworter des Mobilfunkmastes wollen nicht auch noch von der Datenautobahn abgehängt werden. Die Gegner des Baus beeindruckt das aber nicht.

© dpa

Halbendorf. Die Gemeinde Groß Düben hat der Stellungnahme zum Bau eines Mobilfunkmastes in Halbendorf offenbar das Einvernehmen versagt. Das jedenfalls lässt sich der Bemerkung von Bürgermeister Helmut Krautz (SPD) in der jüngsten Sitzung des Gemeinderats entnehmen, dass er nichts unterschrieben habe. Auf Nachfrage von Bürgerinnen hieß es sodann, dass man sich nichtöffentlich im Ausschuss mit dem Thema befasst habe und mehrheitlich zu dieser Entscheidung gelangt sei.

Für Dr. Margret Altwein-Grosa ein Unding. Sie wie auch Kerstin Schuster und Marion Berthelmann vertraten die Ansicht, dass die Räte offen Farbe bekennen müssten. Mehr noch, sie hatten gehofft, dass die Räte den Bau unterstützen. „Ich sehe die Gefahr, dass 5G hier verhindert wird, obwohl wir das brauchen. Gerade hier, wo wir nicht mal eine Autobahn haben, werden wir auch noch von der Datenautobahn abgehängt“, erklärte die Ärztin. Und: „Man sollte ein klares Zeichen setzen.“

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Zweifelhafte Stimmungsmache

Dabei nahm sie Bezug auf die über 500 Unterschriften, die in Halbendorf und Groß Düben gegen den Mast gesammelt wurden. Etliche Einwohner, so befürchtet die Ärztin, wissen gar nicht, was sie da überhaupt unterschrieben haben; sie taten es Nachbarn zuliebe. Das habe sie in Gesprächen mitbekommen. „Die Aktion ging von einer Initiative besorgter Bürger aus, aber niemand weiß, wer eigentlich dahinter steht“, schloss sich Kerstin Schuster an. Die Frauen betonten, dass sie auch besorgte Bürgerinnen sind, aber aus ganz anderem Grund. Wie könne es sein, dass Leute, die nicht mal in der Region ansässig sind, derart Stimmung machen? Kerstin Schuster sieht es als „Einfallstor für viele andere Sachen“.

Am 21. Oktober hatte eine Veranstaltung stattgefunden – mit klarer Ausrichtung gegen den Mast. Begründet wurde die strikte Ablehnung mit gesundheitlichen Bedenken gegen die Strahlengefahr, die von dem Mast ausgehen soll. Zum Beweis wurden Schweizer Studien angeführt, die nach Ansicht von Dr. Margret Altwein-Grosa jeglicher wissenschaftlicher Grundlage entbehren. Offenbar seien sogar Verschwörungstheorien zur Sprache gekommen – etwa in der Art, dass durch die Funkwellen die Menschen gesteuert werden sollen.

Seriös sei das Ganze jedenfalls nicht gewesen, so Kerstin Schuster, die auch eine Vermutung äußerte, aus welcher Richtung die Stimmungsmache geschürt wurde. So würden Sekten neue Anhänger rekrutieren. Auch deshalb müsste sich die Gemeinde Groß Düben dem entgegenstellen.

„Es ist längst bekannt, dass 90 Prozent der Strahlen von den Endgeräten der Verbraucher wie Smartphone und Tablet ausgehen, nicht aber von dem Funkmast“, erklärte Dr. Margret Altwein-Grosa. Und je weiter das Handy von dem Mast entfernt sei, umso mehr Strahlung entstehe, wenn es sich ins Funknetz einwählt. Deswegen bewahre sie selber ihr Smartphone so wenig wie möglich in Kopfnähe auf. Über die tatsächlichen technischen Prozesse müssten die Leute doch informiert werden.

Das ist auch passiert. Am 10. September stand Bolko Weilandt, Kommunalbeauftragter der Deutschen Telekom Technik GmbH, in Halbendorf Rede und Antwort. Für den Mobilfunkmast, der mitten in Halbendorf aufgestellt werden sollte, ist ein Platz 1,1 Kilometer entfernt gefunden.

Behörde kontrolliert Strahlung

Für jeden Standort sei eine Bescheinigung des Bundesamtes für Strahlenschutz einzuholen. Diese werde nur erteilt, wenn sich in einem klar definierten Bereich um den Mast herum „Menschen ohne Bedenken dauerhaft aufhalten“ dürfen. Wenn die Grenzwerte eingehalten werden, ist Mobilfunk sicher, so der Telekom-Vertreter. Zudem werde die Einhaltung der vorgegebenen Grenzwerte streng kontrolliert. Überzeugt hat seine Argumentation die Gegner des Mastbaus nicht. Enttäuscht war man beim Ortschaftsrat Halbendorf, dass nur 13 Bürger die Möglichkeit zur Information nutzten. Warum nicht mehr kamen, darüber lässt sich nur spekulieren.

Während Gudrun Thomas, die später dem Bürgermeister die Unterschriften überreichte, sich rigoros gegen den Bau aussprach, hatten zwei Selbstständige erklärt, wie dringend sie auf ein schnelles Mobilfunknetz angewiesen seien. Das bekräftigte Dr. Margret Altwein-Grosa im Rat noch aus anderer Sicht. „Die Telemedizin und ihre Möglichkeiten für den ländlichen Raum oder beispielsweise die Fernwartung von Herzschrittmachern setzen leistungsfähige Mobilfunknetze voraus“, sagte sie. Erst recht, da die Gegend um Weißwasser als Modellregion für die medizinische Versorgung ausgewählt worden sei.

Offen blieb am Abend, ob die Befürworter nochmals eine Informationsveranstaltung zu den technischen Details auf die Beine stellen. Der Bauantrag zum Funkmast wird nicht von der Gemeinde Groß Düben, sondern vom Landkreis beschieden.

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