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Modellflieger zwischen zwei Solarparks?

Eingebettet von Krauschwitz und Weißkeißel liegt Kaupen samt Flugplatz. Dort sollen Solarparks entstehen. So plant es ein Unternehmen aus Meißen.

Von Sabine Larbig
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Hier, im Ortsteil Kaupen, sind auf Seiten von Weißkeißel und Krauschwitz Solarparks geplant. Mittendrin befindet sich der Flugplatz Sagar/Kaupen des Modellflug-Vereins, der bestehen bleiben soll.
Hier, im Ortsteil Kaupen, sind auf Seiten von Weißkeißel und Krauschwitz Solarparks geplant. Mittendrin befindet sich der Flugplatz Sagar/Kaupen des Modellflug-Vereins, der bestehen bleiben soll. © Joachim Rehle

Nur ein Weg trennt eine riesige Brachfläche – von der eine Seite zur Gemeinde Krauschwitz und die andere zu Weikeißel gehört. Auf beiden Seiten sollen Strom erzeugende Solarparks entstehen, die der Energieparkentwickler Umweltgerechte Kraftanlagen GmbH & Co. KG (UKA) aus Meißen plant.

Realisieren will die UKA dies südlich des Weißkeißeler Ortsteils Kaupen, wo eine Freiflächenphotovoltaikanlage mit einer Leistung von 15 bis 20 Megawatt Peak (MWp) entstehen soll. Sie könnte rund 5.000 Haushalte mit Energie durch den potenziellen Netzbetreiber Mitnetz versorgen. Anvisiert ist dafür eine Fläche von rund 20 Hektar sogenannten landwirtschaftlich benachteiligten Gebietes, wie Bereiche bezeichnet werden, die nur geringen landwirtschaftlichen Ertrag einbringen und auf denen der Freistaat Sachsen grundsätzlich Freiflächen-Photovoltaikanlagen befürwortet.

Strom für 10.000 Haushalte möglich

Für den Bereich Kaupen trifft dies zu. Zudem liegt er außerhalb von Wohnbebauung und abseits von Schutzgebieten. Damit stünde einer Genehmigung für die Anlage(n) nichts im Wege – wenn die kommunalen Eigentümer zustimmen.In der November-Sitzung des GemeinderatesWeißkeißel stellte das Meißner Unternehmen das Projekt erstmals öffentlich vor. Laut Mathias Güthling, Gruppenleiter Photovoltaik bei UKA, sei man auf beide Flächen durch ein Gespräch mit der Geschäftsführung der Viereichener Fleisch- und Wurstwaren GmbH aufmerksam geworden. Ob Weißkeißel das Projekt will, ist noch offen. Denn, so Bürgermeister Andreas Lysk, man sei im Bereich alternative Energieerzeugung „ein gebranntes Kind“, womit er auf das örtliche und erste regionale Windrad-Projekt verwies. Seit Juni 2000 steht ein Windrad in Weißkeißel. „Allerdings wurden uns damals viele Halbwahrheiten erzählt und trotz unserer Zustimmung auch Versprechen nicht gehalten“, begründet Lysk die Skepsis im Ort. Daher sei man nun vorsichtiger, was jedoch das neue Vorhaben nicht generell ausschließe. „Oberstes Gebot ist aber, dass die Einwohner nicht durch irgendwelche Anlagen beeinträchtigt werden“, forderte Lysk.

Weißkeißel trotz Anreizen skeptisch

Und so fragten die Räte nicht nur nach dem Wirkungsgrad, sondern auch, ob durch Sichtbarkeit und Spiegelung mit Beeinträchtigungen durch die Anlage zu rechnen sei. Laut Güthling plane UKA am Rand der nach Süden ausgerichteten und umzäunten Module eine Bepflanzung. Dies, gab Bürgermeister Lysk zu bedenken, sei auf dem ertragarmen Boden aber schwierig und benötige Jahre des Wachstums. Auf das Thema Ausgleichsflächen angesprochen, erklärte der UKA-Vertreter, dass Begrünung und Umwandlung des Ackers in Grünland bereits eine Kompensation darstellen würden. Aber er verwies darauf, dass bei Zustandekommen eines städtebaulichen Vertrages und der Errichtung der Anlage die UKA alle anfallenden Kosten tragen werde. Gezahlt würden in dem Fall der Gemeinde auch jährlich Grundstückspacht sowie 0,2 Cent je verkaufter Kilowattstunde Strom. Allein beim Stromverkauf flössen, so Güthling, bei einer Leistung von 15 MWp jährlich 30.000 Euro an die Gemeinde. Hinzu käme eine Einmalzahlung für die Errichtung der erforderlichen Infrastruktur wie Wegenetze und Kabeltrassen auf kommunalen Flurstücken. Nicht zuletzt könne Weißkeißel, laut Standortgesetz, 90 Prozent Gewerbesteuer erhalten.

Lösungen für Verein und Moor nötig

Trotz der genannten finanziellen Anreize zeigten sich Räte und Bürgermeister nicht euphorisch. „Nicht alles ist ein Muss, auch wenn wir für das Projekt sind“, begründete Lysk die Zurückhaltung. Man müsse über vieles konkret sprechen. Auch über die Errichtung einer E-Ladesäule im Ort im Zusammenhang mit dem Projekt. Dafür zeigte sich der UKA-Vertreter offen und regte weitere Zusammenarbeit und Gespräche an. Es sei ausreichend Zeit dafür. Allein die Projektplanung dauere zwei Jahre, so dass vor 2024 eine Umsetzung unmöglich sei.Und, dies ist ein weiterer Knackpunkt im Projekt, der Erhalt des in Kaupen ansässigen Modellflieger-Vereins samt Flugplatz Sagar/Kaupen soll bleiben und ausreichend Platz haben.

Das fordert ebenfalls der Krauschwitzer Bürgermeister Tristan Mühl, da Sagar zur Gemarkung seiner Kommune gehört und der Platz zwischen dem Solarpark von Weißkeißel und dem adäquat auf Krauschwitzer Seite geplantem liegt. „Wir wollen eine Vereinbarung der UKA mit dem Verein, die dessen weitere Tätigkeit sichert. Meines Wissens ist sie aber in Arbeit“, so Mühl gegenüber TAGEBLATT. Dies bestätigt auch die UKA auf Anfrage. „Über die konkreten Möglichkeiten sind wir bereits mit dem Verein im Gespräch. Ergebnisse gibt es aktuell aber noch nicht“, teilte Pressesprecher Benedikt Laubert dazu mit.

Indes wird weiter mit der Gemeinde Krauschwitz über das im Juni 2021 erstmals nichtöffentlich im Rat erläuterte Solarpark-Projekt verhandelt. Denn das Vorhaben, so Tristan Mühl, durchaus interessant, da es der Gemeinde 40 bis 50.000 Euro pro Jahr zusätzlicher Einnahmen bringen könne, wenn es klappt. „Allerdings wollen wir, wegen der Gewerbesteuer, auch den Sitz in Krauschwitz. Und es muss unbedingt die Löschwasserversorgung des Moorgebietes nahe dem Solarpark gesichert sein.“ Somit gibt es zwischen UKA und beiden Kommunen noch viele Detailfragen zu klären. Dazu zählt auch, ob ein gemeinsames oder zwei voneinander unabhängige Vorhaben entwickelt werden. Laut UKA-Sprecher sei beides denkbar.

Regional viele Anlagen in Planung

Wohl auch, weil die 1999 gegründete UKA mit Sitz in Meißen, rund 700 Mitarbeitern und 12 Standorten in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen, kein Neuling in der Solarpark-Entwicklung ist. Aktuell plant sie sogar mehrere Photovoltaik-Vorhaben im Landkreis Görlitz. Besonders fortgeschritten sei das Vorhaben „Solar Petershain“ in Quitzdorf am See. „Hier wird derzeit ein Bebauungsplan für eine Freiflächenphotovoltaikanlage, die rund 20 MWp leistet, aufgestellt“, informiert Laubert.

In Weißwasser und der direkten Umgebung gehe man derzeit jedoch keinen weiteren Projektideen nach. Dafür sind andere Unternehmen in der Region aktiv. Mehr oder weniger umstrittene Planungsstandorte gibt es bereits östlich der Bahntrasse Weißwasser-Görlitz, auf einer Ex-Militärliegenschaft am Bärwalder See, auf den Hochkippen Mulkwitz und bei Kringelsdorf.

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