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Muskaus verborgenes Juwel

Das Räderschnitza-Tal ist weithin unbekannt. Der Wanderweg ist teils desolat. Jetzt ändert sich das gewaltig.

Wandern im idyllischen und wildromantischen Räderschnitza-Tal zwischen Gablenz uad Muskau ist zu jeder Jahreszeit ein Erlebnis für zwei- und Vierbeinige Naturliebhaber.
Wandern im idyllischen und wildromantischen Räderschnitza-Tal zwischen Gablenz uad Muskau ist zu jeder Jahreszeit ein Erlebnis für zwei- und Vierbeinige Naturliebhaber. © Sabine Larbig

Bad Muskau. Gemächlich schlängelt sich die Räderschnitza von ihrer Quelle unterhalb der Großen Karoline in Gablenz bis Bad Muskau, wo sie in die Neiße mündet. Dabei passiert der kleine Bach über mehrere Kilometer die eiszeitliche Landschaft des Muskauer Faltenbogens, wodurch das wildromantische Räderschnitza-Tal entstand. Hier können Spaziergänger und Radler derzeit Schneeglöckchen, Frühlings-Krokusse. Scharbockkraut, Buschwindröschen sowie diverse Vögel und Waldbewohner – aber leider und unverständlicherweise auch wilde Müllkippen – entdecken. Noch ist das Tal samt ausgeschildertem Wanderweg relativ unbekannt. Das soll sich ändern, weshalb der Pfad jetzt im Bereich B 156, nahe Eiland, bis Einmündung in die Neiße saniert und aufgehübscht wird.

Teils in "katastrophalem Zustand"

Eine Sanierung ist aus mehreren Gründen dringend nötig. Zum einen, weil der in den Jahren 1998/99 über eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme angelegte Weg zahlreiche marode Brücken, Stege, Bänke, Rastplätze und Treppen hat. Während die im Abschnitt Köbelner Straße bis Neiße in Bad Muskau weitestgehend in Ordnung sind, ist der rund 1.700 Meter lange Teil ab B 156 in katastrophalem Zustand. „Wir haben nach einer Bestandsaufnahme daher Sitzgruppen, Bänke, Stege und Geländer ausgeschrieben“, erklärte Reinhard Hanko von der Stadtverwaltung im Technischen Ausschuss. Da auch umgestürzte Bäume auf dem Weg und Müllberge im Wald liegen, die Ausschilderungen verwittert oder kaputt sind, seien ebenfalls Beräumungen und Neubeschilderungen geplant: durch Mitarbeiter von Bauhof und Tourist-Information. Für all die Vorhaben gab es die Zustimmung der Ausschussmitglieder.

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„Wir sind als Stadt zum einen durch die Räderschnitza gesegnet, konnten dadurch schon Brücken in der Stadt sanieren. Nun besteht die Möglichkeit der Weiterentwicklung des Wanderweges. Das ist eine super Sache“, äußerte Siegmar Nagorka. Tom Lehnert lobte zudem, dass beim Thema Wanderwege „endlich richtig angepackt, keine halbe Sache“ gemacht werde.

EU-Gelder machen das Projekt möglich

Was die ausgeschriebenen Sanierungsarbeiten betrifft, so erhielt der Haus- und Gartenservice Jürs den Zuschlag in Höhe von rund 41.000 Euro. Alle anderen Vorhaben werden über noch zur Verfügung stehende rund 14.000 Euro Restmittel finanziert.
Die kommen aus dem sächsisch--polnischen Kooperationsprogramm Interreg 2014 bis 2020 mit dem amtlichen Projekttitel „Und in der Mitte fließt die Neiße – grenzüberschreitende Zusammenarbeit zur Verbesserung der touristischen Infrastruktur und des kulturellen Angebots in Bad Muskau und Trzebiel“. Der Titel ist lang, beschreibt aber gut, worum es geht: mehr Freizeitangebote für Einwohner und Touristen dies- und jenseits der Neiße.

So manch umgestürzter Baum versperrt hier und da noch den Wanderweg. Doch bald ist er auf- und freigeräumt.
So manch umgestürzter Baum versperrt hier und da noch den Wanderweg. Doch bald ist er auf- und freigeräumt. © Sabine Larbig
Rastplätze, aber auch Brücken, Stege, Geländer müssen dringend saniert werden. Der Auftrag dafür ist vergeben.
Rastplätze, aber auch Brücken, Stege, Geländer müssen dringend saniert werden. Der Auftrag dafür ist vergeben. © Sabine Larbig
Mülltouristen haben selbst Rasenmäher im abgelegenen Bach-Tal entsorgt. Die Stadt räumt jetzt den Unrat weg.
Mülltouristen haben selbst Rasenmäher im abgelegenen Bach-Tal entsorgt. Die Stadt räumt jetzt den Unrat weg. © Sabine Larbig

Was es Neues geben soll

Zuletzt wurde über dieses Projekt im Rahmen von Interreg – einer Gemeinschaftsinitiative des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE), welche auf die Förderung der Zusammenarbeit zwischen EU-Mitgliedstaaten und benachbarten Nicht-EU-Ländern abzielt – der Abenteuerspielsplatz im Bad Muskauer Ortsteil Berg möglich. Nun kann auch der Räderschnitza-Wanderweg aus Projektgeldern saniert werden. Und nicht nur das. „Unsere städtische Touri-Information organisiert die Neubeschilderung und erarbeitet parallel eine neue Wanderkarte für Bad Muskau, die in Erweiterung der bisherigen künftig auch den Wanderweg im Räderschnitza-Tal beinhaltet“, informierte Hanko im Ausschuss. Und er verwies darauf, dass die Zeit allerdings dränge. Denn die insgesamt 55.000 Euro Fördermittel müssen bis Ende Juni 2021 abgerechnet werden, weil dann das wegen Corona um sechs Monate verlängerte Programm auslaufe.

Damit hat man in Bad Muskau kein Problem. Gearbeitet wird in der heißen Phase. Schließlich will man durch ein saniertes und vermarktungsfähiges Wegenetz die Touristen künftig länger halten. „Wir werden daher auf unseren Wohnmobil-Stellplätzen auch Informations- und Hinweisschilder zu Wandermöglichkeiten in und um Bad Muskau und im Räderschnitza-Tal aufstellen“, blickte Bürgermeister Thomas Krahl voraus und bekannte, dass entsprechende Öffentlichkeitsarbeit bislang „wegen des desolaten Zustands“ unmöglich gewesen sei.

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Nun wird für Wandern in Bad Muskau kräftig die Werbetrommel gerührt. Denn ab Sommer wird nur der Bereich B 156 bis Sauenloch, der durch unzählige umgefallene Bäume schwer zu bewandern und durch seine Lage für Aufräumarbeiten schwer erreichbar ist, außen vor sein. „Das müssen wir irgendwann angehen“, meint Reinhard Hanko. Wichtig sei, dass mit der aktuellen Sanierung fast der gesamte Räderschnitza-Wanderweg aufgehübscht und gut nutzbar sei. Erreichen möchte Tom Lehnert diesen Zustand möglichst bald auch im Ortsteil Köbeln. „Da gibt es ebenfalls viel Wanderwege und viel zu tun. Vielleicht kann man dort mal so ein Förderprogramm nutzen.“
Und noch ein Wanderweg-Problem bleibt: Bad Muskau hat keinen ehrenamtlichen Wanderwart mehr, sucht dringend einen oder mehrere Bürger, die für und im Auftrag der Stadt die Sicherheit, Ordnung und Sauberkeit der Pfade im Blick haben.

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