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Nächste Runde fürs Funktionsgebäude

Statt auf der Plattform soll es nun an Land der Marina Klitten entstehen. Wie viel Geld aber in die Planungen floss, wurmt nicht nur die Boxberger Räte.

Still ruht der Bärwalder See – außerhalb der Saison. Doch wie die Entwicklung zum Beispiel in der Marina Klitten weitergeht, beschäftigt Räte und Verwaltung der Gemeinde Boxberg auch in der kalten Jahreszeit.
Still ruht der Bärwalder See – außerhalb der Saison. Doch wie die Entwicklung zum Beispiel in der Marina Klitten weitergeht, beschäftigt Räte und Verwaltung der Gemeinde Boxberg auch in der kalten Jahreszeit. © Constanze Knappe

Trotz Corona und dem verspäteten Saisonbeginn war der Sommer 2020 am Bärwalder See wieder genau das, was man sich von ihm erhoffte. Die Wasserliegeplätze in der Marina Klitten waren nahezu ausgebucht. Nur eine öffentliche Toilette für die Bootsführer war über die Jahre zum Problem geworden. Deshalb hatte die Gemeinde Boxberg zwischenzeitlich einen Sanitärcontainer aufgestellt. Der aber war nur eine Interimslösung. Daher trug das Gesundheitsamt des Landkreises der Gemeinde Boxberg regelmäßig auf, den Fokus auf hygienische Maßnahmen zu richten.

Dabei wird schon seit 2016 über den Bau eines Funktionsgebäudes in der Marina Klitten diskutiert – anfangs im Zusammenhang mit der Erweiterung der Schwimmsteganlagen. 2017 wurden zwei zusätzliche Schwimmstege fertig und „mit großem Bahnhof“ übergeben. Das Funktionsgebäude aber – mit Sanitärräumen für Bootsführer, Familien und Menschen mit Handicap sowie Hafenmeisterbüro und einem Lager – steht bis heute nicht.Gemeinde zog die ReißleineStattdessen hatten die Gemeinderäte im Dezember 2020 der 1. Änderung einer Finanzierungs- und Übernahmevereinbarung mit dem Bergbausanierer LMBV zur Errichtung des Funktionsgebäudes zuzustimmen. Schon bei der ursprünglichen Fassung hieß es, dass man günstiger nie zu dem Gebäude käme. Allerdings hatten im Oktober 2018 einige Räte so ihre Zweifel.

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Nicht ganz unbegründet, wie sich später zeigen sollte. Denn Anfang Januar 2019 war von einer halben Million Euro Kosten die Rede. Das Vorhaben wäre somit um 200 Prozent teurer geworden als veranschlagt. Wegen dieser Kostenexplosion zog die Gemeinde Boxberg die Reißleine. Im Juli 2019 folgte ein neuer Anlauf – in Gestalt einer Containerlösung. Jedoch stand die Frage, wie man Ver- und Entsorgungsleitungen auf die schwimmende Plattform bringt. Und in den Ausschreibungen der LMBV gingen für einige Lose erst gar keine Angebote ein. Dabei sollte 2020 mit dem Bau begonnen werden. Es tat sich aber nichts.

Genehmigung für Steg ungewiss

Nun also ein dritter Versuch. Für den Bau auf der inneren Steganlage hätte es im Rahmen des wasserrechtlichen Genehmigungsverfahrens diverser Nachweise und Dokumente bedurft. Aber nicht nur das. Es war völlig ungewiss, ob der Antrag auf Genehmigung überhaupt von Erfolg gekrönt sein würde. Deswegen soll das Funktionsgebäude nun, zwar immer noch in Containerbauweise, aber an Land aufgestellt werden. Gemäß der nun geänderten Finanzierungsvereinbarung hat sich die Gemeinde Boxberg mit einem Eigenanteil von 10 Prozent an den Baukosten zu beteiligen. Aufgeteilt auf Jahresscheiben sind das 11.387 Euro in 2021 sowie weitere 31.731 Euro im nächsten Jahr. Mit einer Gegenstimme und drei Enthaltungen wurde das beschlossen.

Ebenfalls mehrheitlich (eine Gegenstimme und drei Enthaltungen) wurde der 5. Änderung der Finanzierungs- und Übernahmevereinbarung mit der LMBV für die Schwimmsteganlagen zugestimmt. Wobei die Ursprungsvereinbarung aus dem Jahr 2015 stammt, die Schwimmstege längst gebaut sind.Bestandteil der VereinbarungAllerdings ist auch das Funktionsgebäude Bestandteil dieser Vereinbarung. Und die musste jetzt geändert werden, weil wegen der nochmaligen Überarbeitung der Planungen für die landseitige Errichtung und Zweiteilung des Gebäudes in Hafenmeisterbüro und Sanitäranlagen Kosten und Termine anzupassen sind.Für die zusätzlichen Planungen hat die Gemeinde Boxberg 20 Prozent der Kosten zu tragen: 7.086 Euro in 2021 sowie weitere 2.267 Euro im Jahr 2022.

Doch Boxberg hat schon jede Menge für Planungen bezahlt. Für die erste Variante 37.000 Euro sowie für die Umplanung auf Containerbau nochmals 36.000 Euro. „Viel Geld für ein Projekt, was nicht zum Tragen kommt“, ärgerte sich der Nochtener Ortsvorsteher Mario Weier (WV Boxberg). Armin Hoffmann (WV Kringelsdorf) kündigte wegen dieser „unglaublichen Vorgehensweise“ an, künftig alle Beschlüsse zur LMBV abzulehnen. Für Frank Sobiech (WV Uhyster Heimatverein) erhob sich „die generelle Frage, wie lange sich das die Gemeinde leisten kann“. Und Thomas Stenzel (WV Bürgernähe) warf ein: „Wenn wir die Steuern erhöhen, andererseits viel Geld am See ausgeben – das beißt sich doch“.

Entgelte werden angepasst

Dem hielt Bürgermeister Achim Junker (CDU) entgegen: „Es ist nicht so, dass wir den Bürgern das Geld aus der Tasche ziehen und es im See versenken. Die Summe, die wir 2020 für den See ausgegeben haben, haben wir auch weitgehend wieder reingeholt.“ Wenn das Vorhaben erledigt ist, würden die Entgelte für die Bootsliegeplätze angepasst, ergänzte Amtsleiter Roman Krautz. „Investitionen kriegt man nicht in jedem Jahr sofort wieder raus, aber wenn man den See entwickeln will, muss man erst einmal investieren“, erklärte er.Der Bärwalder See gehört der LMBV und später dem Freistaat Sachsen. Boxberg ist für touristische Basisdienstleistungen zuständig: Schwimmstege, Promenade, Hafen ... „Und die müssen sich auf Dauer selber tragen“, so Roman Krautz. Deshalb stehe auch bei allem die Frage der Privatisierung.

Nach Aussage von Achim Junker sei der Hafen von einem Verein betrieben worden, doch das habe die Gemeinde wieder an sich gezogen. „Der Hafen ist das kleinere Problem, ein viel größeres die Tourist-Information“, erklärte er. Es sei ein Versuch gewesen, der leider nicht geglückt ist. Doch wegen der Fördermittel müsse die Gemeinde jetzt dabeibleiben, sagte Junker.

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