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Neue Bahnsteige für leichteren Einstieg

In Schleife wird im Zuge einer Streckenverlegung ein neues Stellwerk gebraucht – und am Bahnhof umgebaut.

Projektingenieur Dirk Schreyer erklärte viel Details.
Projektingenieur Dirk Schreyer erklärte viel Details. © Constanze Knappe

Auf einem zwölf Kilometer langen Teilstück zwischen Weißwasser und Rietschen soll die Bahnstrecke verlegt werden. Das hat Auswirkungen auf Bahnreisende, die aus Schleife nach Görlitz oder Cottbus wollen. Zwar ist das Ganze noch ein bisschen hin, bei der Deutschen Bahn aber setzt man auf frühzeitige Bürgerbeteiligung.

Mit ihnen ins Gespräch kommen, das wollte man am Donnerstag im Saal des Sorbischen Kulturzentrums in Schleife. Eingeladen hatten die DB Netz AG und ihr Auftraggeber für die Umverlegung, die Lausitz Energie Bergbau AG (Leag).

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Denn das Vorhaben steht im engen Zusammenhang mit der Fortführung des Tagebaus Reichwalde. Diese sei energiepolitisch vonnöten, so Martin Klausch. Der für die Infrastruktur Bergbau zuständige Abteilungsleiter der Leag wollte zwar nicht über Bergbau und Kohleausstieg diskutieren, denn das sei „besser an anderer Stelle“, so ganz umhin kam er nach einer Bürgeranfrage aber dennoch nicht. „Es gibt mit dem Kohleausstiegsgesetz einen Konsens. Wir gehen davon aus, dass der Tagebau wie geplant fortgeführt wird“, sagte er.

Strecke drei Kilometer länger

Im Kohleausstieg bleiben die Blöcke R und Q des Kraftwerks Boxberg bis zum Ende am Netz und müssen bis dahin ausreichend bestückt werden – mit Kohle aus den Tagebauen Nochten und Reichwalde, die wegen ihrer Qualität gemischt wird. Dass dies auch nach dem Ausgang der Bundestagswahl der Fall sein wird, daran ließ Martin Klausch keinen Zweifel. „Für uns sind die Gesetze das Maß aller Dinge. Daran halten wir uns. Auf Ankündigungen im Wahlkampf hin können wir nicht planen“, erklärte er. Anfang 2021 habe die Leag eine Anpassung vorgelegt, demnach werde der Tagebau Reichwalde nicht mehr komplett ausgekohlt. Ab 2028 werde das Nordostfeld in Anspruch genommen. Die Kommandantur des Truppenübungsplatzes Oberlausitz in Haide bleibt damit erhalten. Die Bahnlinie passt dann jedoch nicht mehr zwischen Kommandantur und Tagebau. Deshalb mache sich die Umverlegung erforderlich.

Der neue Abschnitt der Eisenbahnstrecke 6142 wird parallel zur Straße als zweigleisiger Bahnkörper gebaut. Darin werde für die seit 1946 eingleisige Strecke auch nur ein Gleis verlegt, aber so, dass es später für die im Strukturwandel erwünschte Schnellzugverbindung von Görlitz nach Berlin mit einem zweiten Gleis ergänzt werden kann, erklärte Ulrich Mölke. Der Leiter Technik der Netze Dresden/Zwickau der DB Netz AG ist als Projektleiter für das Vorhaben zuständig. Wie er sagte, entsteht in Weißkeißel ein neuer Bahnhof, der aber einzig und allein als Verladebahnhof für die Bundeswehr gedacht ist, da der bisherige dann nicht mehr genutzt werden kann.

Mit der Umverlegung wird die Strecke um drei Kilometer länger, womit sich auch die Fahrzeit verlängert. Damit die Nahverkehrszüge der für 120 km/h ausgebauten Strecke trotzdem in Cottbus oder Görlitz pünktlich im Takt ankommen, soll das kompensiert werden. Dazu habe es verschiedene Untersuchungen gegeben. „Für die Erhöhung der Geschwindigkeit wäre der Aufwand zu groß“, sagte Ulrich Mölke. Mit einem elektrischen Stellwerk könnten Züge, die sich im Bahnhof Schleife begegnen, schneller in beide Richtungen ausfahren. Dazu muss in Schleife ein neues Stellwerk gebaut sowie Licht- , Signal- und andere Technik angepasst werden – auch an den Bahnübergängen Jahnweg, Friedensstraße und Werksweg. Bei Letzterem wird die nicht mehr notwendige Vollschranke auf eine Halbschranke umgerüstet. Weniger Sicherheit sei dadurch nicht zu befürchten, versicherte Mölke. Ganz im Gegenteil. Wenn sich zwei Vollschranken schließen, könne ein Fahrzeug unter Umständen auf den Gleisen eingeschlossen sein, bei einer Halbschranke bestünde da immer noch die Flucht nach vorn durch die halbseitig freie Ausfahrt. „Beschrankte Bahnübergänge sind sicher, wenn sich alle Verkehrsteilnehmer an die Regeln halten“, betonte er.

Eidechsen werden umgesiedelt

Am Bahnhof Schleife entsteht ein neuer Außenbahnsteig mit neuem Zugang von der Friedensstraße aus. Der Hausbahnsteig wird ebenfalls neu errichtet und dabei leicht versetzt. „Er wird auf die Regelhöhe von 55 Zentimetern gebracht, so dass später der Einstieg ohne Stufe erfolgt, was eine große Verbesserung für mobilitatseingeschränkte Menschen ist“, erklärte DB-Projektingenieur Dirk Schreyer. Auf Bahnsteig 2 werden Vitrinen und Sitzreihen aufgestellt, wie es bei der DB Service Standard sei. Der Umbau erfolgt in Etappen.

Aus einer Voruntersuchung zur Umweltverträglichkeit geht hervor, dass keine großen Eingriffe in Natur und Landschaft zu erwarten sind. Wie von Projektmitarbeiter Fabian Damm zu erfahren war, werden die im Bahngelände lebenden Zauneidechsen abgesammelt und in neue Lebensräume am Jahnring und an der Hoyerswerdaer Straße umgesiedelt. Mit einem speziellen Zaun soll verhindert werden, dass sie während des Baus zurück- und damit zu Schaden kommen. Für Brutvögel werden anderweitig Nistkästen aufgehängt.

Ab 2025 soll gebaut werden

Seit Jahren setzt die DB Netz AG auf den Bürgerdialog. Dieser fand zum ersten Mal in Hybridform statt. Neben den 15 Bürgern im Saal hatten weitere 16 Interessenten die Vorstellung des Projekts online verfolgt. Auch sie bekamen ihre Fragen beantwortet. Etwa dahingehend, dass das Vorhaben zum Beispiel kompatibel mit einer eventuellen späteren Elektrifizierung der Strecke Cottbus – Görlitz sei, dies bereits bei den drei Brückenbauten in der Umverlegung berücksichtigt werde, und für einen späteren Ausbau auf 160 km/h keine größeren Anpassungen erforderlich sind.

Ein Bürger wollte wissen, warum sich die Züge nicht in Spremberg oder Weisswasser treffen, sondern ausgerechnet in dem kleinen Bahnhof Schleife. Der Fahrplan sei nicht seine Kompetenz, so Mölke. Das habe mit Geschwindigkeit, Anzahl der Haltepunkte, dem erneuerten Fuhrpark, Bremsverhalten der Züge und anderen Faktoren zu tun. Mit dem neuen elektrischen Stellwerk aber wird die Zugkreuzung, also die Wartezeit der Züge in Schleife, eingekürzt. Dass die Grundstücke am Werksweg während der Bauzeit erreichbar bleiben, wurde von Dirk Schreyer bestätigt.

Im Oktober 2021 will die DB Netz AG die Unterlagen für das Planfeststellungsverfahren beim Eisenbahnbundesamt einreichen. Aus heutiger Sicht sei Anfang 2024 mit einem Beschluss zu rechnen, so Ulrich Mölke. Ab 2025 soll gebaut werden, 2026 in Schleife alles fertig sein. Eingriffe in den Zugverkehr gebe es lediglich bei der Anpassung der Signaltechnik vor der Abschaltung des alten Stellwerks. Das Gesamtprojekt soll 2028 in Betrieb gehen.

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