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Neue Chefs bei der Nochtener Wehr

Mit Ortswehrleiter Robin Ladusch und Stellvertreter Sebastian Rötschke ist jetzt die nächste Generation am Zuge.

Von Constanze Knappe
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Für Truppführer Hendryk Balko (li.) ist der Dienst in der Feuerwehr Nochten selbstverständlich. Für den neuen Ortswehrleiter Robin Ladusch (hinten) und seinen Stellvertreter Sebastian Rötschke ebenso.
Für Truppführer Hendryk Balko (li.) ist der Dienst in der Feuerwehr Nochten selbstverständlich. Für den neuen Ortswehrleiter Robin Ladusch (hinten) und seinen Stellvertreter Sebastian Rötschke ebenso. © Joachim Rehle

Zu zehn Einsätzen sind die Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr Nochten im vorigen Jahr ausgerückt – zumeist zu technischen Hilfeleistungen, zur Beseitigung von Sturmschäden oder Verkehrsunfällen. Selbst am Heiligabend war das so. Da wurden sie 22.11 Uhr zu einem schweren Verkehrsunfall zweier PKW auf der B 156 am Abzweig Nochten gerufen. Wie aus dem Einsatzbericht hervorgeht, war trotz großer Schäden an beiden Fahrzeugen glücklicherweise keine der vier Personen schwerverletzt. Die Nochtener, die als erste von mehreren Wehren am Einsatzort eintrafen, hatten die Unfallstelle auszuleuchten, den Brandschutz sicherzustellen, die Straße abzusperren und nach Abzug der Polizei die Fahrbahn von Kleinteilen der Autos zu beräumen. Gegen 0.30 Uhr am ersten Feiertag war ihr Einsatz dann beendet. So mancher von ihnen hätte sich Weihnachten anders vorstellen können. „Doch wenn wir gerufen werden, sind wir zur Stelle.“ Das bekräftigen Robin Ladusch und Sebastian Rötschke ausdrücklich. Den beiden gebürtigen Nochtenern obliegt seit dem Herbst 2021 die Leitung der Ortswehr.

Schon als Kind begeistert

So ganz neu ist das Ehrenamt für Robin Ladusch nicht. Davor war er immerhin schon fünf Jahre Stellvertreter des bisherigen Ortswehrleiters Jörg Weier. Als dieser sich „nach vielen Jahren in der ersten Reihe“ aus beruflichen Gründen nicht erneut zur Wahl stellte, rückte Robin Ladusch quasi nach. Der 27-Jährige freut sich über das Vertrauen seiner Kameraden. Einsatzberichte schreiben, Statistiken erstellen und anderes mehr, das habe er über die Jahre bereits gelernt, sagt er. Als Ortswehrleiter sei nun aber die Verantwortung um einiges größer. Das ist ihm sehr wohl bewusst. Der Vater einer fast zweijährigen Tochter stellt sich dennoch gern dieser Aufgabe. Schon als 16-Jähriger war er 2010 von der Jugend- in die aktive Abteilung der Feuerwehr gewechselt. Das kam nicht von ungefähr, denn Stiefvater und Opa sind ebenfalls in der Feuerwehr. „In so einem kleinen Dorf ist die Feuerwehr nun mal ein Anlaufpunkt“, sagt Robin Ladusch. Er erzählt, dass die blauen Lichter auf den Autos bei ihm schon als Kind das Interesse geweckt hätten. Ähnlich erging es auch Sebastian Rötschke, dem neuen stellvertretenden Ortswehrleiter. Auch er kam einst über die Jugendwehr in die aktive Abteilung. In der Feuerwehr mitzumachen, das ist für den 32-Jährigen ebenfalls selbstverständlich. „Helfen kann jeder“, begründet er. Und, dass es einen ja auch selber mal betreffen könne, dass man Hilfe braucht.

„Wenn die Sirene geht, lässt man alles stehen und liegen“, bestätigt Hendryk Balko. Er ist Truppführer bei der Wehr, Gemeinderat und stellvertretender Bürgermeister. Fünf Jahre haben er und Sebastian Rötschke zusammen Feuerwehrsport betrieben. Bis Berlin-Treptow oder in den Fläming seien sie seinerzeit zu Wettkämpfen gefahren. Eine Vitrine voller Pokale bescheinigt die Erfolge dabei. Auch seien Nochtener Frauen damals im Feuerwehrsport richtig stark gewesen. Wegen der Familiengründung sei das im Laufe der Zeit jedoch im Sande verlaufen. Ein bisschen bedauern die drei Männer das.Sebastian Rötschke ist gelernter Industriemechaniker. Im Kraftwerk Boxberg koordiniert er den Einsatz von Fremdfirmen. Weggehen stand für ihn, mittlerweile Vater zweier Söhne, nach eigener Aussage „nie zur Debatte“. Robin Ladusch arbeitet ebenfalls im Kraftwerk. Beim Blick in die Zukunft wird der gelernte Elektriker nachdenklich. Er hofft, „dass man nicht wegen der Arbeit wegmuss“. Hierbleiben zu können, das ist eine Grundvoraussetzung für ihr Ehrenamt, sagen beide. Schon so manchen habe die Nochtener Wehr aus beruflichen Gründen ziehen lassen müssen.

Wehr lebt durch Zusammenhalt

Ortswehrleiter und Stellvertreter gehören zu den Jüngeren in der Nochtener Wehr. Aktuell stehen 26 Kameraden im aktiven Dienst, darunter auch zwei Frauen. Die Ehrenabteilung hat elf Mitglieder. Und für 23 Kids bietet die Jugendfeuerwehr um ihren Chef Tom Wartenberg eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung. Die Männer erzählen vom großen Zusammenhalt in der Truppe. Man hilft sich auch privat. Wenn ein Baum zu beschneiden ist, biete sich das zum Beispiel als Anlass für die Ausbildung mit der Motorkettensäge an, erklärt Robin Ladusch. So lasse sich gelegentlich sogar das eine mit dem anderen ganz nützlich verbinden. Ohne, dass man dabei regionalen Unternehmen Konkurrenz machen will, wie er ausdrücklich betont.

Der neue Ortswehrleiter von Nochten möchte die Zusammenarbeit mit den anderen Wehren der Gemeinde Boxberg ausbauen. Das meint weniger die Einsätze, zu denen sie je nach Bedarf ohnehin gemeinsam alarmiert werden. Auch Ausbildung und Training würden sich seiner Ansicht nach noch enger verknüpfen lassen – und das statt nur im Gerätehaus zum Beispiel an einer gedachten Einsatzstelle. Das hätte den Nebeneffekt, dass die Feuerwehr im Dorf präsent ist, dass man sieht, was die Kameraden machen, und so womöglich Interesse geweckt wird. So ähnlich also, wie es ihm selbst einst erging. Gewählt ist die neue Ortswehrleitung für fünf Jahre. Als eine ihrer wichtigsten Aufgaben sieht sie, „junge Leute ranzukriegen, damit die Wehr nicht kleiner wird“. Der Rest werde sich zeigen, sagen sie schmunzelnd.

2022 endlich mal wieder feiern

Die Feuerwehr Nochten ist aber nicht nur bei Bränden und Verkehrsunfällen zur Stelle. Die Kameraden sichern ebenso diverse Veranstaltungen ab: Allen voran die Lausitz Rallye, aber zum Beispiel auch den Pfingstlauf um den Bärwalder See oder das Heidefest im Findlingspark. In Nochten selbst haben die Kameraden den Hut für das Hexenbrennen und den Maibaum auf. Das würden schon ihre Eltern nicht anders kennen, fügt Robin Ladusch hinzu.Ihr größter Wunsch für 2022 ist, dass alle gesund bleiben und man endlich mit dem Thema Corona abschließen kann. Die Kameradschaft pflegen, das ist durch Corona auf der Strecke geblieben. Und ebenso, dass die Jugendfeuerwehr neben der kindgerechten Ausbildung ins Kino, in die Schwimmhalle oder zum Eislaufen ging. „All das fördert doch die Zusammengehörigkeit“, so Hendryk Balko. So bleibe nur zu hoffen, dass viele der Kinder trotz allem bei der Stange bleiben, sagt er.

Im Jahre 2012 beging die Feuerwehr Nochten ihr 100-jähriges Bestehen. Deshalb und wegen der besonderen Umstände in den vergangenen zwei Jahren würde man 2022 nur allzu gern 110 Jahre Feuerwehr feiern. Aber wo, wann, wie und ob überhaupt, auch dahinter steht wegen der Pandemie ein großes Fragezeichen.

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