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Neuer Vereinschef sagt Seniorenweihnachtsfeier ab

Uwe Radtke fällt das nicht leicht. Denn es sollte am Sonnabend in Trebendorf auch ein Dankeschön an die betagten Mühlroser vor deren Umsiedlung sein.

Von Constanze Knappe
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Führungswechsel im Seniorenverein Trebendorf: Nach vielen Jahren an der Spitze hat Doris Socke das Amt der Vereinsvorsitzenden wegen ihres Alters und aus gesundheitlichen Gründen abgegeben. Damit es im Verein weitergeht, hat Gemeinderat Uwe Radtke den S
Führungswechsel im Seniorenverein Trebendorf: Nach vielen Jahren an der Spitze hat Doris Socke das Amt der Vereinsvorsitzenden wegen ihres Alters und aus gesundheitlichen Gründen abgegeben. Damit es im Verein weitergeht, hat Gemeinderat Uwe Radtke den S © Constanze Knappe

Bis zuletzt hatte der Vorstand des Seniorenvereins Trebendorf gehofft, dass die Weihnachtsfeier am 4. Dezember stattfindet. In der Turnhalle des Hauses der Vereine wäre gemäß der Corona-Schutz-Vorgaben ausreichend Platz gewesen, um Mindestabstände einzuhalten, und obendrein ist für die Belüftung gesorgt. Angesichts der geradezu explodierten Inzidenzwerte hat man sich nun schweren Herzens entschlossen, die Veranstaltung abzusagen.

Erwartet hatte man etwa 60 betagte Trebendorfer und gut 30 Senioren aus Mühlrose. Auch ein Fahrdienst war organisiert. „Es wäre rundum ein schöner Nachmittag geworden“, ist sich Uwe Radtke sicher. Jedoch könne es niemand verantworten, dass sich Senioren als besonders gefährdete Zielgruppe womöglich ausgerechnet bei der Weihnachtsfeier anstecken, begründet der neue Vereinsvorsitzende die Absage. Schade sei es trotzdem, fügt er hinzu. Denn eingeladen waren neben den Trebendorfern auch die Senioren aus Mühlrose. Und das nicht nur, weil die Gaststätte in dem Ortsteil bereits abgerissen ist. „Die Senioren sind zum Teil schon umgesiedelt oder stehen kurz davor. Wir wollten uns noch einmal bedanken – für die jahrelange sehr gute Zusammenarbeit“, betont Uwe Radtke. Neben vereinseigenen Höhepunkten gab es jedes Jahr eine gemeinsame Veranstaltung in Trebendorf und eine ebensolche in Mühlrose. Um dieses zweite Corona-Jahr aber nicht sang- und klanglos auslaufen zu lassen, packt der Vorstand kleine Überraschungen zusammen und wird die Päckchen in den nächsten Tagen an die etwa 100 Mitglieder beider Vereine, von denen der Älteste über 90 Jahre ist, verteilen.

Für den Verein in Trebendorf ist 2021 – ganz abgesehen von Corona – so etwas wie ein Schicksalsjahr. Aufgrund ihres Alters und aus gesundheitlichen Gründen hat die langjährige Vorsitzende Doris Socke ihre Funktion im 18. Jahr aufgegeben. Die Suche nach einem Nachfolger gestaltete sich überaus schwierig. Schlimmstenfalls hätte das bedeutet, den Anfang der 90er Jahre gegründeten Verein womöglich auflösen zu müssen. Das gab für Uwe Radtke letztlich den Ausschlag, die Verantwortung zu übernehmen. Seit Jahren sitzt er mit dem Mandat der Wählervereinigung „Wir für Transparenz in Trebendorf“ im Gemeinderat.

Im Verein nicht einsam sein

Den Fortbestand des Seniorenvereins erachtet er als unbedingt notwendig. Bei den vielfältigen Veranstaltungen und in der Gemeinschaft würden sich so manche ältere Bürger weniger einsam fühlen. Daher seien die Corona-Einschränkungen durchaus schwerwiegend. „Die ältere Generation hat die Entwicklung in unserem Dorf in der DDR-Zeit und über die Wende mitgeprägt. Sie hat vieles geschaffen, woran wir uns heute erfreuen“, bekräftigt Uwe Radtke. Ohne den Verein, so befürchtet er, würden Wissen und Erfahrungen verlorengehen. Schmunzelnd fügt der 60-Jährige hinzu, dass vieles in der Vereinsarbeit Neuland für ihn sei und manche ältere Mitglieder viel mehr Erfahrung als er selber hätten. Doris Socke bleibt dem Verein immerhin als 2. Vorsitzende erhalten. Unterstützt wird die Vereinsarbeit von Bürgermeister Waldemar Locke (CDU) und von der Gemeinde, was offenbar nicht jedem schmeckt. Uwe Radtke hat da eine einfache Antwort: „Jeder wird mal älter, ist dann froh über das Zusammensein in der Gemeinschaft.“

Die Absage der Weihnachtsfeier als letzten Höhepunkt des Jahres ist umso ärgerlicher, da wegen Corona 2021 ohnehin fast alle Veranstaltungen ausgefallen sind. Wenigstens konnte im August das sehr beliebte Sommerfest in der Grünen Aue in Trebendorf stattfinden. Für 2022 sieht der Arbeitsplan wieder etliche Höhepunkte vor, beispielsweise einen Ausflug ins Quirlehäusel oder die Fahrt ins Blaue, wenn an die 40 Senioren in den Bus steigen. Das traditionelle Sommerfest soll es selbstverständlich wieder geben, wie auch den Bowlingnachmittag im Herbst. Zudem kümmert sich der Seniorenverein um die Pflege der Soldatengräber in der Gemeinde Trebendorf. Und dann ist es schon fast wieder Zeit für die Weihnachtsfeier. Uwe Radtke hofft sehr, dass die Pandemie im nächsten Jahr nicht wieder einen Strich durch die Rechnung macht. Ausdrücklich erneuert er das Angebot an die Mühlroser, die schon umgesiedelt sind oder es bald tun werden, dass sie beim Seniorenverein Trebendorf und bei dessen Veranstaltungen auch weiterhin jederzeit willkommen sind.

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