merken
PLUS Weißwasser

Noch immer kein Badetag in der Erlebniswelt

Von den neuen Corona-Regeln hat man sich in Krauschwitz mehr erhofft. Nur Außenbecken öffnen macht wenig Sinn.

Dass Bäder wieder öffnen dürfen, führte bei Bürgern zu Missverständnissen. Innenbädern wie der Erlebniswelt Krauschwitz ist das noch immer nicht erlaubt.
Dass Bäder wieder öffnen dürfen, führte bei Bürgern zu Missverständnissen. Innenbädern wie der Erlebniswelt Krauschwitz ist das noch immer nicht erlaubt. © Joachim Rehle

Kaum noch still steht das Telefon bei Michael Weihrauch seit Montag: Seit bekannt wurde, dass Bäder wieder öffnen dürfen, wird der Geschäftsführer der Erlebniswelt in Krauschwitz mit Anfragen regelrecht überrannt. Nur allzu gern würde er all diese Interessenten als Gäste im Badeparadies willkommen heißen. Doch die Türen bleiben dort auch weiterhin: zu.Viele Anrufer hätten nur etwas von „Bäder öffnen“ gehört.

Dass das auch die Erlebniswelt betreffen könnte – da scheint bei ihnen der Wunsch Vater des Gedankens zu sein. Denn die Realität sieht leider aus. Die seit Montag geltende neue Corona-Schutzverordnung in Sachsen erlaubt Freibädern unter bestimmten Voraussetzungen die Öffnung. Das bedeutet im Falle der Erlebniswelt lediglich, dass man ins Außenbecken steigen darf. Doch diese Überlegung ist rein theoretischer Natur. „Deswegen zu öffnen, macht wirtschaftlich keinen Sinn“, erklärt Michael Weihrauch auf Nachfrage von TAGEBLATT. „Unsere Geschäftsfelder greifen wie Zahnräder ineinander. Eins davon herauszulösen, würde gar nichts bringen“, fügt er sodann hinzu. Deswegen habe er die Öffnung des Außenbeckens allein erst gar nicht in Betracht gezogen.

Anzeige
Die Sachsen-Edition von Mühle Glashütte
Die Sachsen-Edition von Mühle Glashütte

Ab sofort gibt es den sportlich-eleganten Teutonia II Chronographen exklusiv bei DDV Lokal zu erwerben. Die Edition ist auf nur 100 Stück limitiert.

Weiter keine Planungssicherheit

In Krauschwitz hatte man sich von der neuen Corona-Schutzverordnung mehr erhofft. Gewünscht hätte sich Michael Weihrauch am Freitag eine Aussage in der Art, dass die Freizeitbäder ab 20. Juni wieder öffnen dürfen. Dass nichts dergleichen verlautete, darüber ist er sichtlich enttäuscht. „Es fehlt seitens der Politik eine Planungssicherheit und Öffnungsstrategie“, so hatte es der Chef der Erlebniswelt schon vor einem Monat beklagt. Jetzt, Anfang Juni sei man noch keinen Schritt weiter.

Für Innenbäder gelten die Lockerungen der neuen Corona-Verordnung nicht. Bislang habe es immer geheißen, dass für diese Einrichtungen ab dem 14. Juni überhaupt erst entschieden wird, ob und wann sie öffnen dürfen. Dazu bedarf es einigen Vorlaufs. Auf die Schnelle, also nur übers Wochenende, wäre die Erlebniswelt gar nicht startklar zu bekommen. So sind beispielsweise noch diverse Wartungsarbeiten zu erledigen. „Die haben wir geschoben, weil wir nicht wussten, wann wir öffnen dürfen“, sagt Michael Weihrauch. Außerdem sind die 31 Mitarbeiter in Voll- und Teilzeit noch immer zu 100 Prozent in Kurzarbeit. Seit sieben Monaten schon. Das geht an die Substanz, und das weiß auch der Chef. Aber ändern kann er es nicht. Er sitzt derweil über dem Jahresabschluss. Von März bis Juni war die Erlebniswelt 2020 komplett geschlossen, seit November ist sie das wieder. Und kein Ende in Sicht. Erschwerend kommt hinzu, dass der Bund mit Jahresbeginn 2021 alle Corona-Hilfen für kommunale Betriebe gestrichen hat. Bis aufs Kurzarbeitergeld gibt‘s somit keine Einnahmen. Zwar hat man im Gemeinderat Krauschwitz eine Lösung gefunden, das Bad über die nächsten Monate zu bringen. Ein Spaziergang aber ist das nicht.

Im April hatte Michael Weihrauch an Bundesfinanzminister Olaf Scholz und den sächsischen Wirtschaftsminister Martin Dulig (beide SPD) geschrieben, um auf die prekäre Lage aufmerksam zu machen. Passiert ist seither nichts. So bleibt die Außentür der Erlebniswelt Krauschwitz auch weiterhin verriegelt und dem Geschäftsführer gar nichts anderes übrig, als die Anrufer zu vertrösten. Ganz nach dem Motto: „Bald sind wir wieder für Sie da!“ Das klingt ein bisschen nach Galgenhumor.

Auch Schwimmhalle ist zu

Geschlossen bleibt ebenfalls die Schwimmhalle in Weißwasser. Das Wasser wurde abgelassen, die Wartungstermine sind vereinbart. Wie Oberbürgermeister Torsten Pötzsch (Klartext) die Ausschüsse des Stadtrats informierte, resultiert der späte Ablasstermin aus technischen Gründen. Je länger eine solche Anlage „trocken liegt“, desto komplizierter und aufwendiger sei die Wiederinbetriebnahme.Zuvor hatte es im Rathaus Anfragen besorgter Eltern wie auch aus Vereinen gegeben, ob die Schwimmhalle nicht über die eigentliche Saison hinaus länger offen bleiben könne, um Kindern das Schwimmen beizubringen, was so lange nicht möglich war.

In dieser Richtung hatte sich die Stadt schon mit dem Landesamt für Schule und Bildung verständigt. Die Bundesnotbremse beendete diese Absichten. Eine plötzlich ergangene und vorher nicht angedeutete Freigabe für das Schulschwimmen hätte bedeutet, wieder neues Wasser einzulassen, aufzuwärmen, Mitarbeiter vertraglich zu binden und die Wartungen verschieben zu müssen, hieß es jetzt aus dem Rathaus. Zwei bis drei Wochen zusätzliche Nutzungszeit der Schwimmhalle für Schulklassen hätten in keinem Verhältnis zu den Kosten gestanden. Ob die Schwimmhalle schon im August öffnen kann, will der OB prüfen lassen. Allerdings sei da das Personal im Jahnbad oder freigesetzt. Rechtzeitig zum neuen Schuljahr geht die Schwimmhalle wieder in Betrieb.

Mehr Nachrichten aus Weißwasser und Umland lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Weißwasser