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Weißwasser

„Nochmal Grenze dicht überstehen wir nicht“

Leknicas Bürgermeister Piotr Kuliniak über die Folgen für den Markt, den Tourismus und das Baugeschehen.

Piotr Kuliniak mit seiner Sekretärin Dagmara Malik.
Piotr Kuliniak mit seiner Sekretärin Dagmara Malik. © Jost Schmidtchen

Herr Kuliniak, welche Folgen brachte die plötzliche Grenzschließung wegen Corona für Leknica?

Um es ganz deutlich zu sagen: Das darf kein zweites Mal passieren. Die Grenzschließung riss durch den Ausfall des Marktes eine große Lücke in das Budget unserer Stadt. Der Markt bringt uns 30 Prozent der jährlichen Steuereinnahmen. Die Händler hatten für drei Monate keinerlei Einnahmen. Eine staatliche Unterstützung gab es nicht. Nur wer beruflich versichert war, konnte mit staatlicher Hilfe rechnen. Ein zweites Mal überstehen wir das nicht. Wir als Stadtverwaltung haben den Händlern, als freiwillige Leistung für die Zeit der Marktschließung, die Gebühren erlassen. Das hat ihnen auch geholfen, fast alle haben das Desaster überstanden.

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Wie ist der grenzüberschreitende Tourismus wieder angelaufen?

Überraschend sehr gut. Das gemeinsame Leben an der Grenze hat durch die Grenzschließung in vieler Hinsicht gelitten. Die Menschen haben zu beiden Seiten der Grenze viele Gemeinsamkeiten entwickelt, nachbarschaftlich, touristisch, familiär, beruflich. Plötzlich war alles weg. Doch mit der Wiedereröffnung der Grenze kehrte sie schnell zurück. Und auch die Touristen aus Deutschland kamen und kommen noch immer scharenweise.

Woran machen Sie das fest?

Speziell am Radtourismus in der Grube „Babina“. Im Unesco Global Geopark Muskauer Faltenbogen/Luk Muzakowa sind aktuell mehr Deutsche als Polen unterwegs. Die Radwanderer durchströmen täglich Leknica von West nach Ost, auch dank eines neu gebauten Anschlussradwanderwegs als EU-Projekt zur Grube „Babina“, dessen Ausbau noch weitergeführt wird. Im Juni 2021 wollen wir die Erweiterung abschließen. Dass so viele Deutsche kommen, liegt wohl auch am Drang, mal wieder in die Natur hinauszukommen. 

Trotz geschlossener Grenze ging das Leben weiter, auch im wirtschaftlichen Bereich. Wenn man sich umschaut, wurde vieles erreicht.

Wir haben ein reges Baugeschehen. Im Bereich Straßenbau konnte der grundhafte Ausbau der Zurawska-Straße, einschließlich Neuverlegung aller Medien, abgeschlossen werden. Die Ulica Zurawska mündet neben der Stadtverwaltung auf den Platz des Friedens, dort wurde ein problemloser Übergang asphaltiert. In wenigen Tagen werden wir nach ebenfalls grundhaftem Ausbau die Straße an unserer Schule fertigstellen und übergeben. Finanzielle Unterstützung für die Straßenbauprojekte erhalten wir von staatlicher Seite und auch von der EU.

Leknica ist Träger eines Kindergartens und einer Schule. Wie sind die Einrichtungen ausgelastet?

Mehr als gut. Unseren Kindergarten besuchen 100 Kinder ab drei Jahre, sie werden in vier Gruppen von sechs Erzieherinnen betreut. In unserer Schule werden 220 Schüler in zwölf Klassen von 30 Lehrerinnen und Lehrern unterrichtet. Deutschunterricht spielt dabei eine wichtige Rolle.

Wie steht es um die Zusammenarbeit mit der Partnerstadt Bad Muskau?

Die sieht sehr gut aus. Trotz geschlossener Grenze haben wir weiter miteinander kommuniziert. Und nun ist ja alles wieder möglich.

Gespräch: Jost Schmidtchen

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