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Notstromer für Trebendorfer Feuerwehr

Sturmtief Ignatz hat die Debatte um den Kauf eines Aggregats in der Gemeinde wieder angeheizt. Auch, weil der Ortsteil Mühlrose 28 Stunden vom Netz weg war.

Von Constanze Knappe
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Das Gerätehaus der Freiwilligen Feuerwehr im Ortsteil Mühlrose bleibt für die Dauer der Umsiedlung in Betrieb.
Das Gerätehaus der Freiwilligen Feuerwehr im Ortsteil Mühlrose bleibt für die Dauer der Umsiedlung in Betrieb. © Constanze Knappe

Trebendorf. Drei Wochen nach Sturmtief Ignatz beschäftigt das Thema die Bürger der Gemeinde Trebendorf noch immer. In Teilen des Nordkreises war bei diesem ersten Herbstunwetter 2021 der Strom ausgefallen und davon auch die Verwaltungsgemeinschaft Schleife betroffen – besonders der Trebendorfer Ortsteil Mühlrose.

Da Stromleitungen in Brandenburg und Sachsen durch umgestürzte Bäume oder herabfallende Äste beschädigt worden waren, blieben an jenem 21. Oktober in der Spitze 55.000 Kunden von Mitnetz Strom, einem Unternehmen der enviaM-Gruppe, ohne Elektroenergie. Auf seiner Internetseite hatte der Netzbetreiber informiert, dass sich die Schadensbeseitigung hinzog, weil die einsetzende Dunkelheit die Arbeiten erschwert habe. Am Tag darauf hatten noch immer 7.000 Kunden keinen Strom.

Die Einwohner von Mühlrose waren 28 Stunden vom Netz getrennt. „Das ist unzumutbar“, beschwerte sich daraufhin eine Bürgerin, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen will. Ohnehin gesundheitlich nicht auf dem Posten, habe sie sich weder Tee machen noch telefonieren können, nachdem der Akku ihres Handys leer war. „Ich habe den Eindruck, dass Mühlrose schon abgeschrieben ist, weil es sowieso weggebaggert wird“, beklagte sie sich.

Mühlrose fühlt sich abgeschrieben

Ähnlich äußerte sich Ortsvorsteher Detlef Rölke (CDU) in der jüngsten Sitzung des Gemeinderats. Ihm habe man beim Netzbetreiber die Auskunft erteilt, „dass es wichtigere Orte gibt, die zugeschaltet werden müssen und Mühlrose keine Priorität hat“. Das deckt sich mit Beobachtungen von Bürgermeister Waldemar Locke (CDU), wonach „bei jedem Sturm Mühlrose als erstes vom Netz geht und als letztes wieder zugeschaltet wird“. Wegen der Umsiedlung habe man schon seit längerem das Netz nach und in Mühlrose nicht mehr ertüchtigt. Auch er habe an jenen Tagen „vergeblich rumtelefoniert“, so der Gemeindechef.

Die Feuerwehr in Trebendorf war von den Stromausfällen gleichfalls betroffen. Die Kommunikation mit der ortsfesten Landfunkstelle in Schleife habe aber funktioniert, so Christian Struck (WV Trebendorf). Die Probleme der Stromversorgung veranlassten den zweiten stellvertretenden Bürgermeister und Gerätewart der Trebendorfer Wehr zu dem Appell an Freistaat und Landkreis, ein Förderprogramm für Notstromaggregate auf den Weg zu bringen. Das helfe nicht nur bei der Gefahrenabwehr, es sei auch für den Arbeitsschutz der Kameraden im Gerätehaus wichtig.

Die Schleifer Wehr bot während des Stromausfalls den Einwohnern ihres Ortes an, ins Gerätehaus zu kommen, wenn man beispielsweise Babynahrung zubereiten müsse oder anderweitig Strom bräuchte. Auch deshalb wäre ein Notstromer für Trebendorf wichtig, so Waldemar Locke. Der Technische Ausschuss des Gemeinderats Trebendorf hatte sich vor einiger Zeit mit dem Thema befasst. Die Anschaffung wäre zwar nötig, aber nur mit Fördermitteln möglich, hieß es da. Für den Eigenanteil sollte die Pauschale zur Entwicklung des ländlichen Raums verwendet werden. Da es jedoch vom Freistaat keine Förderung für Notstromaggregate gab, wanderte das Thema „zu den Akten“. Die Kommunalpauschale wurde zur Ertüchtigung des Feuerwehrfahrzeugs verwendet.

Kauf hängt weiter an Förderung

Sturmtief Ignatz hat nun die Debatte um ein Notstromaggregat wieder angeheizt. „Es ist dringend notwendig, darüber nachzudenken“, mahnte Christian Struck. Die Kameraden der Trebendorfer Wehr schlagen indes vor, die Kommunalpauschale 2022 zum Erwerb eines Notstromers zu verwenden. Letztlich muss der Gemeinderat darüber befinden. „Es steht und fällt mit Fördermitteln“, gab der Bürgermeister gegenüber TAGEBLATT zu bedenken. „Die Unwetter nehmen zu. Es wäre die Pflicht des Freistaats, darüber nachzudenken, wie man die Feuerwehren stärken kann, damit sie handlungsfähig bleiben“, sagte er.

Von den acht aktiven Kameraden der Wehr in Mühlrose werden nach der Umsiedlung sechs die Trebendorfer Wehr verstärken. Das Gerätehaus in Mühlrose hatten Bürger Ende der Siebziger Jahre in Eigenleistung erbaut. Mit Fördermitteln wurde es in den Neunzigern saniert und erweitert, dabei Schulungsraum und Fahrzeughalle vergrößert. „Es bleibt so lange in Betrieb, bis der Ort abgesiedelt ist. Es ist die Pflicht der Gemeinde, bis dahin den Brandschutz zu gewährleisten“, so Locke.

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