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Ortschronisten haben jetzt eine offizielle Legitimation

Krauschwitz hat eine Richtlinie zur Berufung von Chronisten der Gemeinde beschlossen. Das wurde schon lange gefordert.

Ortsvorsteher Detlef Roitsch (re.) im Vorjahr bei der Einweihung der Erinnerungstafel für Neudorf, das 1984 dem Truppenübungsplatz weichen musste.
Ortsvorsteher Detlef Roitsch (re.) im Vorjahr bei der Einweihung der Erinnerungstafel für Neudorf, das 1984 dem Truppenübungsplatz weichen musste. © Archivfoto: Sabine Larbig

Krauschwitz. Die Dokumentation des Zeitgeschehens eines Ortes, von der Vergangenheit bis zur Gegenwart, ist nicht nur Erhalt und Überlieferung von Geschichte. Es ist eine wichtige, immens zeitaufwendige und viel zu oft wenig wertgeschätzte Aufgabe. Denn die Heimatgeschichte erforschen in der Regel geschichtlich interessierte Einwohner in ihrer Freizeit, also im Ehrenamt.

Um an Informationen und Unterlagen zur Erstellung oder Fortschreibung von Ortschroniken, Heimat- und Jubiläumsbroschüren, Ausstellungen und vielem mehr zu gelangen, bedarf es oft des Zugangs zu öffentlichen Archiven in anderen Kommunen, Bibliotheken, Kirchen, Ämtern und Einrichtungen. Ehrenamtliche Ortschronisten machen zudem Bild-, Text- und Tondokumente, erstellen Unterlagen, spüren Dokumente auf. Um der Geschichte der Heimat auf die Spur zu kommen, gleicht ihre Arbeit oft wahrer Detektivarbeit, denn auch Ortschronisten benötigen Spürsinn, Hartnäckigkeit, Engagement und viel Zeit.

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Um all dies zu würdigen, und damit sich Ortschronisten künftig ausweisen können und Zugang zu Informationsquellen erhalten, hat die Gemeinde Krauschwitz nun eine Richtlinie zur Berufung von Ortschronisten erarbeitet und einstimmig im Gemeinderat beschlossen. Die Richtlinie regelt zudem die Anzahl möglicher Ortschronisten, Urheber- und Ersteller-Rechte, die Berufung durch den Bürgermeister sowie die Aushändigung einer Berufungsurkunde als „amtliches Zertifikat“. Lediglich die Vergütung der Tätigkeit wird über die Ehrenamt-Richtlinie der Gemeinde geregelt.

Der Kampf um den offiziellen Status der örtlichen Geschichtsschreiber dauerte lange. Auch, weil Corona über ein Jahr keine Treffen, Absprachen und vereinbarte Termine zuließ. Als Bettina Toth, sie ist über den Bundesfreiwilligendienst in Krauschwitz als Koordinator und Ansprechpartnerin für Ortschronisten tätig, letztlich immer wieder bei der Gemeinde Druck machte, dass die Chronisten nicht in Archive kämen und dringend eine Legitimation für ihre Arbeit bräuchten, wurde die Erarbeitung der Richtlinie forciert. Im Mai beschloss sie der Gemeinderat einstimmig.

Dies freute besonders Detlef Roitsch, Ratsmitglied, Ortsvorsteher und ebenfalls Ortschronist. Er hatte bereits Treffen zwecks Erfahrungsaustausch der Chronisten untereinander angeregt, entsprechende Sitzungen organisiert und sich für die Richtlinie starkgemacht. Auch Ratsmann Mario Mackowiak bestätigte, dass mit der Richtlinie und Berufung der Stellenwert des Ehrenamtes „enorm gestiegen“ sei. Bürgermeister Tristan Mühl erklärte zudem, dass dadurch auch Weiterbildungen und Unterstützung der Arbeit möglich würden.

Aktuell hat Krauschwitz sieben aktive Ortschronisten, die für unterschiedliche Ortsteile zuständig sind: Jürgen Großmann (Skerbersdorf); Bernd Huschto (Klein Priebus), Alfred Junge und Andreas Rothe (Krauschwitz Ost/Sagar), Norbert Lehmann (Pechern) sowie Bettina Toth und Detlef Roitsch. Laut Aussage von Detlef Roitsch, der sich ebenfalls für die Aufstellung der Erinnerungstafel für das zugunsten des Truppenübungsplatzes zwangsumgesiedelte Neudorf einsetzte, würden aber noch für Podrosche und Sagar dringend Ortschronisten gesucht. Interessenten könnten sich bei der Gemeindeverwaltung melden.

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