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Protestaktion für Kohlestopp

Corona-konform versammelte sich die Umweltgruppe Cottbus am Sonntag, um der Leag die Stirn zu bieten. Man wolle sich nicht einschüchtern lassen.

Den Corona-Regeln geschuldet war die Zahl der Protestler im Wald nahe dem Tagebau Nochten diesmal um Einiges geringer, die Botschaft dennoch unmissverständlich. So betonen es die Veranstalter.
Den Corona-Regeln geschuldet war die Zahl der Protestler im Wald nahe dem Tagebau Nochten diesmal um Einiges geringer, die Botschaft dennoch unmissverständlich. So betonen es die Veranstalter. © Umweltgruppe Cottbus

Schleife. Ein zehn Meter langes Banner mit der Aufschrift „UNverkäuflich“ hat die Grüne Liga am Sonntag auf einem Waldgrundstück im Vorfeld des Tagebaus Nochten entrollt. Damit wendet sich die Umweltgruppe Cottbus gegen Bestrebungen der Lausitz Energie Bergbau AG (Leag). Wie es in einer Presseerklärung vorab hieß, habe der Kohlekonzern „erstmals schriftlich die Enteignung des Waldgrundstückes angedroht“. Und weiter: „Das Umweltnetzwerk wird sich davon jedoch nicht einschüchtern lassen und seine Aktivitäten in dem bedrohten Wald fortsetzen.“

Das private Grundstück von etwa einem halben Hektar Größe hat die Grüne Liga Umweltgruppe Cottbus seit 2019 gepachtet, da es die Eigentümer nicht an die Leag verkaufen wollen. Es liegt zwischen Rohne und Schleife und wurde bereits für Bildungs- und Kulturveranstaltungen genutzt. Der Pachtvertrag läuft bis 2037. Im September 2020 hatte man sich zu einem Waldspaziergang zusammengefunden, um gegen eine mögliche Abbaggerung zu protestieren. 100 Teilnehmer waren seinerzeit dem Aufruf gefolgt, darunter auch Protagonisten aus anderen Kohlerevieren.

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Daran gemessen nahm sich die Zahl der Akteure am vergangenen Sonntag vergleichsweise gering aus. Das lag nach Aussage der Veranstalter an diversen Corona-Vorschriften. So war ein Waldspaziergang in der bisherigen Form nicht erlaubt, durfte man sich lediglich zu stationären Kundgebungen treffen – mit Maske und dem erforderlichen Abstand. Betroffene und Vertreter von Umweltorganisationen gingen deshalb vom Bahnhof Schleife aus individuell zu dem gepachteten Wald. Wegen der Vorgaben zum Infektionsschutz hatte man nach eigenen Angaben diesmal auf die Mobilisierung möglichst großer Teilnehmerzahlen absichtlich verzichtet.

„Unser Wald muss stehenbleiben, damit das Tagebauloch nicht bis an die Häuser von Rohne und Mulkwitz heranreicht. Zudem könnten dadurch der Tagebausee verkleinert und die drohenden Ewigkeitskosten verringert werden“, erklärte René Schuster, Sprecher der Bundeskontaktstelle Braunkohle der Grünen Liga.

Ein Planverfahren zur Gesamtfortschreibung des Braunkohlenplanes zum Tagebau Nochten ist bereits eröffnet. Die Grüne Liga fordert einen größeren Abstand zwischen Tagebau und Siedlungen, um die Lebensqualität in Rohne und Mulkwitz zu erhalten. Zudem sei die bergrechtliche Zulassung des Tagebaus bis 2026 befristet und ein Verlängerungsantrag der Leag aus Sicht der Umweltverbände nicht genehmigungsfähig.

Zwar habe der Freistaat Sachsen mit dem Bergbauunternehmen eine Vorsorgevereinbarung geschlossen, wonach Geld für die Rekultivierung in einer Zweckgesellschaft angesammelt werden soll. Doch wenn die Leag dieses Geld mit dem Kohleabbau nicht mehr verdient, müssten offenbar die Steuerzahler für die Rekultivierungskosten einspringen, hieß es. „Der Leag brechen zusehends alle Argumente für eine bergrechtliche Grundabtretung zusammen. Niemand sollte sein Grundstück noch der Leag verkaufen, wenn nicht einmal klar ist, ob der Konzern die Rekultivierung dieser Fläche noch finanzieren kann“, betonte René Schuster.

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Den gepachteten Wald zwischen Rohne und Schleife sieht die Umweltgruppe Cottbus als zukunftsfähig an und pflanzte erste Laubbäume in den Bestand. Da in der Pandemie kaum Kultur- und Bildungsevents vor Ort möglich sind, kann man seit November 2020 auf Instagram regelmäßig Bilder einer installierten Wildkamera sehen.

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