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Rollentausch bei der SZ in Weißwasser

Warum Zeitungmachen spannend ist: Die SZ-Redakteurinnen Sabine Larbig und Constanze Knappe standen selbst Rede und Antwort. Noch dazu vor der Kamera.

Eine für Zeitungsleute durchaus nicht alltägliche Situation: selber vor der Kamera Rede und Antwort stehen. Franziska Stölzel (Medienstube der Telux,), SZ-Redakteurin Constanze Knappe, Antonia Jahnke (Medienstube) und SZ-Redakteurin Sabine Larbig (von
Eine für Zeitungsleute durchaus nicht alltägliche Situation: selber vor der Kamera Rede und Antwort stehen. Franziska Stölzel (Medienstube der Telux,), SZ-Redakteurin Constanze Knappe, Antonia Jahnke (Medienstube) und SZ-Redakteurin Sabine Larbig (von © Joachim Rehle

Weißwasser. Zum Jubiläum der Sächsischen Zeitung wurde der Spieß umgedreht. Die Redakteurinnen Sabine Larbig und Constanze standen vor laufender Kamera. Befragt wurden sie von Akteurinnen der Medienstube Weißwasser, einem Projekt des Soziokulturellen Zentrums Telux.

Frau Larbig, Frau Knappe, stellen Sie sich vor, Sie wären bei der Gründung der SZ dabei gewesen. Worüber hätten Sie Ihren ersten Artikel geschrieben?

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Larbig: Ich hätte vielleicht einen Kommentar geschrieben, dass es uns jetzt gibt, die Lesenden uns viele Tipps geben können.
Knappe: Jetzt, im Nachhinein betrachtet, hätte ich es gern gesehen, wenn eine Frau auf der ersten Seite die Kolumne hätte schreiben dürfen, denn das war damals ganz sicher nicht selbstverständlich.

Wie hat sich Zeitung seither verändert?

Knappe: ... das Zeitungmachen wie verrückt. In meinen ersten Berufsjahren saßen Redakteure in einem total verqualmten Raum, wo man kaum sein Gegenüber erkennen konnte. Sie hämmerten an der Schreibmaschine drauflos und waren am Seitenende mit dem letzten Punkt fertig. Geraucht wird im Büro schon lange nicht mehr. Und ohne Computer geht gar nichts.
Larbig: Ja, und dann hast du in der Dunkelkammer gestanden und gebangt: Hoffentlich ist irgendein Bild was geworden. Heute wird digital fotografiert. Wir bauen komplette Seiten am Computer, ziehen Bilder ein und sehen sofort, wie es fertig wirkt.

Was ist Ihre Motivation, für die SZ zu arbeiten?

Larbig: Als ausgebildete Journalistin ist es auf der einen Seite schwer, einen Job zu finden, auf der anderen Seite gibt’s natürlich viele Möglichkeiten. Die Frage ist immer, wo möchte man wohnen, leben und demzufolge auch arbeiten? Für mich lag es natürlich nahe, mich hier in der Region bei einer Tageszeitung zu bewerben. Jetzt bin ich hier, stolz darauf und froh drüber.

Gibt es einen Grund, warum Sie gern bei der SZ hier in Weißwasser arbeiten?

Larbig: Ich hatte immer ganz, ganz tolle Kollegen. Mit Frau Knappe schätze ich den Austausch von Ideen. Wir arbeiten noch nicht so lange zusammen, aber sind schon so ein bisschen wie ein altes Ehepaar.
Knappe: Ich bin durch Zufall nach Weißwasser gekommen. Für jemanden, der in der heimlichen Hauptstadt der Oberlausitz zu Hause ist, keine leichte Entscheidung. Trotzdem bin ich hier hängengeblieben. Bereut habe ich das aber noch nie.

Wie läuft so ein Tag in der Redaktion?

Knappe: Wir besprechen schon am Vortag, was wir am nächsten Tag machen wollen. Je nach dem aktuellen Geschehen, was die ganze Welt beschäftigt oder die Stadt oder was auch immer unsere Leser bewegt, müssen wir am nächsten Vormittag womöglich alle Pläne über den Haufen werfen. Das besprechen wir noch einmal, bevor jede beginnt, ihre Beiträge zu schreiben. Dazu kommen jede Menge Termine, zu denen wir eingeladen werden oder die wir selbst mit interessanten Menschen vereinbaren. Bei alldem könnte so mancher Tag 48 Stunden haben.

Was haben Sie denn für Arbeitszeiten?

Larbig: Eine Zeitung in acht Stunden machen, kann man sicherlich, es würde aber definitiv Vieles darunter leiden. Für Journalisten sind Zehn-Stunden-Tage nicht die Ausnahme, sondern doch eher die Regel.
Knappe: Das ergibt sich von selbst. Viele Menschen sind ehrenamtlich tätig und die erreicht man nun mal erst nach ihrem Feierabend. Wer in unserem Beruf ständig auf die Uhr schaut, sollte gar nicht erst damit beginnen. Man braucht Herzblut dafür – und dazu eine Familie, die das mitträgt.

Bekommt man als Redakteurin auch mal geheime Informationen?

Knappe: Na ja, schon die Antwort darauf wäre eigentlich geheim. Aber ja, man bekommt auch mal eine Information, die nicht zur Veröffentlichung bestimmt ist. Einfach, damit man selbst die Zusammenhänge besser versteht.
Larbig: Außerdem gibt es Informationen, die nicht an die Öffentlichkeit gelangen, weil sie persönliche Dinge von Menschen betreffen. Wir wollen seriösen Journalismus machen. Wenn unser Gegenüber wünscht oder darauf besteht, dass eine Information nicht in der Zeitung erscheint, dann haben wir uns letztlich daran zu halten. Das sagt unser berufliches Ethos, aber auch der Ehrenkodex unseres Unternehmens.

Wie gefällt Ihnen der Rollentausch heute? Sonst stellen Sie doch die Fragen.

Knappe: Es ist eine interessante Erfahrung, mal zu merken, wie das Gegenüber sich fühlt, wenn es so gelöchert und ausgefragt wird und dabei überlegen muss, wie man die Antworten am besten formuliert.

Was macht für Sie einen kritischen und reflektierten Journalismus aus?

Larbig: Ständig nachfragen. Nicht einfach immer alles hinnehmen. Ich will die Hintergründe wissen. Wichtig sind die für guten Journalismus typischen sieben W-Fragen: Wer, Was, Wann, Wo, Wie, Warum, Wozu. Wir nehmen nicht einfach alles nur zur Kenntnis. Wir fragen und haken nach.

Erzählen Sie uns eine Geschichte aus Ihrem Redakteursalltag, die wir unbedingt hören sollten....

Larbig: Es war Anfang der 90er Jahre, da kam eine Crew von einem Heißluftballon unangemeldet zu uns in die Redaktion. Damals war das noch etwas Besonderes. Der Chef legte fest, dass ich mitfahren musste. Das Blöde war nur, dass ich ein enges Mini-Strickkleid und High Heels anhatte. Damit war es ein bisschen kompliziert, in diesen Korb ein- und auszusteigen, was bei den Anderen sehr für Gelächter und Erheiterung sorgte. Zum Schluss wurde ich getauft, indem man mir mein Haar anzündete und hinterher mit Sekt wieder gelöscht hat. Das fand ich schon sehr außergewöhnlich und erinnere mich gern daran.

Was war das Schönste, was Sie in Ihrem Beruf erlernt haben?

Knappe: Schwer zu sagen. Wir lernen ja jeden Tag neue, interessante Menschen kennen, hören spannende Geschichten, sehen Dinge, die nicht unbedingt alltäglich sind. Das hat nicht jeder. Besonders gern denke ich daran zurück, dass ich Anfang der 90er Jahre mit einem Zeppelin fahren durfte. Aber grundsätzlich gesehen, geht es uns wie den meisten unserer Leser. Die technische Entwicklung bliebt nicht stehen. Und so lernen auch wir immer wieder dazu.
Larbig: Ich saß schon in Hubschraubern oder Leichtflugzeugen. Freiwillig hätte ich mich nie auf einen Hubwagen gestellt, wäre zum Kirchturm hochgefahren und hätte ein Interview bei starkem Wind geführt. Also, man muss in dem Beruf oft auch mal über seinen eigenen Schatten springen und seine eigenen Ängste überwinden.

Was wünschen Sie sich für Ihre Arbeit als Redakteurinnen?

Knappe: Ich würde mir vor allem wünschen, dass einem die Leute wieder mit mehr Respekt begegnen. Es steht jedem frei, eine andere Meinung zu haben, als ich in einem bestimmten Beitrag aufgeschrieben habe, doch diese Aggressivität und Unhöflichkeit, wie sie mittlerweile gang und gäbe sind, bestürzt mich doch sehr.
Larbig: Ich würde mir wünschen, dass die Zeitung wieder an Zuspruch gewinnt, gerade bei jungen Menschen. Social Media nicht die einzigen Informationsquellen sein. Zeitung bildet, ist wichtig für das Allgemeinwissen und auch für Einordnungen bestimmter Ereignisse. Menschen sollten einfach viel mehr Zeitung lesen.

..... und für die Zukunft?

Larbig: Dass mehr Menschen wieder eine Tageszeitung zu schätzen wissen.
Knappe: ...dass sich noch mehr Frauen trauen, in Führungsetagen zu arbeiten und somit einen anderen Blickwinkel auf die Dinge des Lebens mitbringen. Außerdem fände ich es ganz schön, wenn Leute, die irgendwann mal in Zeitungen oder Archiven blättern, dann sagen: „Mensch, das hat sie gut gemacht.“ Wenn sie auch in vielen Jahren noch beim Lesen der Texte spüren, dass uns unsere Arbeit hier und die Menschen in der Region nie einerlei waren.

Frau Larbig, beantworten Sie die folgenden Fragen so schnell wie möglich:
Weißwasser in einem Wort? Wandelbar.
Welche ist die bekannteste Person, die sie je getroffen haben? Der ehemalige Bundeskanzler Schröder oder einst in Kreba-Neudorf unser heiß geliebter Roland Kaiser.
Was fällt Ihnen leichter: Interviews mit Diktiergerät oder per Stift & Block? Ich bin alte Schule. Ich bleibe bei Stift und Block.
Was hilft Ihnen nach einem missglückten Interview? Im Gegensatz zu meiner Kollegin, eine Zigarette.

Frau Knappe, nun Sie:
Sachsen in einem Wort? Heimat.
Welche ist die bekannteste Person, die sie je getroffen haben? Den Fälscher der Hitler-Tagebücher, Konrad Kujau, in einer Ausstellung in Bautzen.
Welches ist für Sie der schönste Ort in Weißwasser? Der Turm am Schweren Berg.
Interviews mit Diktiergerät oder per Stift & Block? Altherkömmlich Stift und Block
Was hilft Ihnen nach einem schweren Arbeitstag? Ein richtig heißes Bad und ein großartiges Glas Rotwein.

Franziska Stölzel und Antonia Jahnke aus dem SKZ Telux bedanken sich herzlich bei den beiden Redakteurinnen für ihr Vertrauen und die offene Art.

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