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So viele Ferienkinder wie noch nie

Radeberger Spielleute sind Stammgäste am Braunsteich in Weißwasser. Nach Corona ist das „Kiez“ gefragter denn je.

Spielmannszug-Übungsleiterin Lisa mit Luise, Katharina, Sienna und Miriam aus der jüngsten Gruppe (v.l.).
Spielmannszug-Übungsleiterin Lisa mit Luise, Katharina, Sienna und Miriam aus der jüngsten Gruppe (v.l.). © Joachim Rehle

Zum 13. Mal führte der Spielmannszug Radeberg sein Trainingslager im Kindererholungszentrum (Kiez) am Braunsteich durch. Womöglich sei das ein schlechtes Omen, hatte dessen Leiter Gottfried Hesse in der vorigen Woche vermutet. Denn was das Wetter betrifft, hätten sie in Weißwasser schon bessere Tage erlebt.

An einem aber lassen er und sein Stellvertreter Michael Kreusche keinen Zweifel: Sie fanden auch diesmal im Kiez wieder ideale Bedingungen vor. „Hier haben wir Platz zum Üben und Marschieren und stören damit niemanden. Es gibt ein Bad in der Nähe und die Anreise ist nicht so weit“, zählen die Beiden die Vorteile auf. Für die 56 Kinder unter den 70 Radebergern ist auch dieses Ferienlager in den Kiez-Bungalows wieder ein Abenteuer.
Der Spielmannszug der Erwachsenen wurde 1968 gegründet, der Nachwuchszug 1972. Er begeht im nächsten Jahr sein 50-jähriges Bestehen.

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Mit Eifer waren die Radeberger Kinder im Kiez bei der Sache: Hier spielt Karolina die Lyra.
Mit Eifer waren die Radeberger Kinder im Kiez bei der Sache: Hier spielt Karolina die Lyra. © Joachim Rehle

Deshalb findet die Landesmeisterschaft 2022 in Radeberg statt. Wegen Corona war sie 2020/21 ausgefallen. Schon 21 Male heimsten die Radeberger den sächsischen Meister-Titel ein. Dass sie ihn auch in ihrem Jubiläumsjahr gerne hätten, daraus macht Gottfried Hesse kein Geheimnis. Das bedeutet: Üben, üben und nochmals üben. Vor Corona hatten die Schüler ein Repertoire von 18 Titeln drauf – auch, weil jeder Auftritt zugleich Training ist und neue Motivation.

Wegen Corona gab es anderthalb Jahre keine Wettkämpfe, musste das Training lange Zeit ausfallen. „Uns fehlt ein Jahr in der Nachwuchsausbildung. Das versuchen wir, hier wieder aufzuholen“, erklärt Gottfried Hesse. Anders als in einer Musikschule, die ihren Einzel- oder Gruppenunterricht online abhalten könne, müssten die Kinder eines Spielmannszuges aber miteinander lernen, ergänzt Michael Kreusche. Im Kiez wurden Anfänger an ihr erstes Stück herangeführt, übten die Mittelgruppen „Lion King“, ein Medley mit Filmmelodien aus „König der Löwen“. Beim Vorspiel schafften vier Mädels den Aufstieg von der einfachen Querflöte zur Silberflöte. „Ein Anreiz für die Kinder, damit gehören sie nun richtig dazu“, so der Gerätewart.

Und bei der Trommelwerkstatt im weiträumigen Gelände musste man auf Nachbarn keine Rücksicht nehmen.
Und bei der Trommelwerkstatt im weiträumigen Gelände musste man auf Nachbarn keine Rücksicht nehmen. © Joachim Rehle

Action bis zum letzten Ferientag

Am Mittwoch reisen die Radeberger ab. Für die 15 Mitarbeiter im Kiez ist der Feriensommer 2021 damit aber nicht abgehakt. Noch bis Sonnabend „steppt der Bär“, verbringen 112 Ferienkinder und ihre Betreuer im Tanzcamp, Sportcamp, Entdeckercamp oder als junge Erfinder erlebnisreiche Ferientage. Dabei stehen Neptunfest, Poolparty, Nachtwanderung und Ausflüge ebenso auf dem Programm wie Kickboxen im Selbstverteidigungskurs oder eine Verbrecherjagd beim Blaulichtprojekt mit der Polizei. Auch die Feuerwehren von Weißwasser und Boxberg sorgen für spannende Eindrücke. Und gemäß dem neuesten Trend lassen sich nach den Worten von Petra Helbig selbst Jungs eine Wellnessstunde mit Gurkenscheibchen im Gesicht nicht entgehen. „Bis zum letzten Ferientag wird es nicht langweilig“, versichert die Mitarbeiterin der Kiez-Verwaltung.

Der Feriensommer am Braunsteich lief so gut wie nie zuvor. Nach der langen Zeit des Homeschoolings wollten Eltern ihren Kindern was Gutes tun und schickten sie ins Ferienlager, weiß Katja Keller vom Kiez-Team.
Der Feriensommer am Braunsteich lief so gut wie nie zuvor. Nach der langen Zeit des Homeschoolings wollten Eltern ihren Kindern was Gutes tun und schickten sie ins Ferienlager, weiß Katja Keller vom Kiez-Team. © Constanze Knappe

Etwa 450 Teilnehmer in Ferienlagern, darunter über 50 aus Weißwasser, wurden im Sommer 2021 gezählt. „Das sind so viele wie noch nie“, freut sich Katja Keller vom Org.-Team. „Man spürt das Bedürfnis der Eltern, den Kindern nach der langen Zeit zu Hause, in der sie kaum andere Kinder treffen durften, etwas Gutes zu tun“, sagt sie. In dem großen Gelände seien sie regelrecht aufgeblüht. Zum Beispiel im neuen Escape-Raum, wo es mit detektivischem Gespür gilt, die Schlösser eines Tresors zu knacken.
Wenn an diesem Sonnabend der letzte Zimmerschlüssel abgegeben ist, heißt es für die Mitarbeiter im Kiez verschnaufen. Durchatmen können sie aber nur kurz. Beinahe nahtlos geht es weiter. Allerdings, so gibt Petra Helbig zu bedenken, sei die Verunsicherung noch immer sehr groß. „Alle schauen auf die Inzidenzwerte. Wir hoffen, dass es nicht wieder zu großen Einschränkungen kommt“, begründet sie.
Für 2019 weist die Statistik 21.500 Übernachtungen im Kiez aus. 2020 waren es mit 11.200 halb so viele. Zu tun gab es trotzdem viel. Stornierungen mussten bearbeitet, Interessenten beraten werden. Während der Corona bedingten Grenzschließung brachten Unternehmen der Region ihre polnischen Mitarbeiter im Kiez unter. In der Schließzeit des Kiez‘ wurden die ersten fünf der insgesamt 42 Bungalows abgerissen und neu aufgebaut, der Sportplatz umgestaltet, Zimmer im Bettenhaus renoviert. Und ganz neu können seit diesem Mai zwei Ferienwohnungen für fünf bzw. zwei Personen mit Aufbettung vermietet werden.

Viele Buchungen für den Herbst

„Für Frühjahr/Sommer 2021 waren wir nahezu ausgebucht. Das wäre ein Träumchen gewesen“, sagt Petra Helbig. Doch wie 2020 brach wegen Corona auch diesmal viel weg – im Kiez selber und bei den Kooperationspartnern wie Tierpark und Glasmuseum Weißwasser, Safariwildgehege Uhyst und anderen. Anmeldungen für den Herbst gingen zögerlich ein. Inzwischen gibt es Buchungen von Schulklassen, von Karnevalklubs zu Probelagern oder von Feuerwehren, die hier Wettkämpfe bestreiten. Sie alle sind Stammgäste wie die TU Dresden, die ihr Mathecamp in den Herbstferien einst mit 15 Schülern begann, jetzt 52 Teilnehmer mitbringt. 11.500 Übernachtungen stehen 2021 zu Buche. „Wir sind mit einem blauen Auge davon gekommen“, betont Petra Helbig und klopft dreimal auf Holz.

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