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Solarpark bei Bärwalde geplant

Um überhaupt bauen zu können, müssten für 1,2 Millionen Euro Altlasten beseitigt werden. Ein Investor hat das vor.

Symbolfoto
Symbolfoto © Kristin Richter

Eine Photovoltaikanlage soll auf dem ehemaligen Militärgelände im Boxberger Ortsteil Bärwalde entstehen. Mit dem Strom der geplanten 35.500 Solarmodule könnten 5.100 Haushalte versorgt werden. Einen Beschluss zur Aufstellung eines vorhabenbezogenen Bebauungsplanes für den südlichen Bereich des Armeegeländes hatte der Gemeinderat schon eher gefasst. Wie Bauamtsleiterin Cortina Kokles in der Sitzung an diesem Montag nun sagte, habe man im Sommer „im Technischen Ausschuss vorgefühlt, wie es mit einer nördlichen Erweiterung aussehen würde“. Mehrheitlich hätten die Ausschussmitglieder Zustimmung signalisiert. Umso überraschter sei die Verwaltung, dass die Abstimmung nun anders ausfiel, als man es nach der Beratung im Sommer erwarten durfte. Zwei Ausschussmitglieder waren dafür, drei dagegen und drei enthielten sich.

Dennoch stand jetzt die Aufstellung eines vorhabenbezogenen Bebaungsplanes für die Erweiterungsfläche „An der Schachtanlage“ im Gemeinderat zur Diskussion. Zuvor waren bei einem Vor-Ort-Termin mit den wichtigsten Trägern öffentlicher Belange die Möglichkeiten dieser zweiten Ausbaustufe erörtert worden.

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Zurzeit hohes Gefahrenpotenzial

Knackpunkte des gesamten Vorhabens sind die Vermüllung, die sich immer weiter ausbreitet, sowie die stark einsturzgefährdeten Gebäude der einstigen Kommandantur. Ein Vertreter der mit den Planungen beauftragten BPM Ingenieurgesellschaft mbH Freiberg machte eindringlich auf die Gefährdungslage aufmerksam. So bestehe eine erhöhte Entzündungsgefahr. Das Gelände sei durch starke Unebenheiten geprägt, die man einst durch Modellierung beseitigen wollte. Auch habe man Unterbauten gefunden, die deutliche Spuren von illegalen Übernachtungen aufwiesen.

Zudem befinden sich auf dem Flurstück Filterbrunnen, um die sich jedoch der Bergbausanierer LMBV kümmern würde. Damit das Vorhaben nicht an den im ehemaligen Gebäude der Kommandantur festgestellten Fledermäusen scheitert, sollen diese in Fledermauskästen umgesiedelt werden.

Vorgesehen ist der Bau eines Solarparks mit einer Leistung von jährlich 18 Gigawattstunden, die sich auf zwei Bauabschnitte gliedert. Auch sei die Trassenlänge von zwölf Kilometern bis zum Netzanbindungspunkt „eine ungewöhnlich lange Geschichte“. Auf dieser Strecke würden viele Grundstücke liegen, so dass viele Eigentümer angeschrieben werden müssten. Alles in allem 5,4 Millionen Euro will sich der Investor die Errichtung des Solarparks bei Bärwalde kosten lassen.

Zweiter Abschnitt wird als Bedingung gestellt

„Doch die sehr komplexe Fläche ist ein unschönes Bild mit unschönen Aufgaben“, bezeichnete es Bernd Neitzel. Wie der Geschäftsführer des Projektentwicklers, der MN projects GmbH Hamburg, im Gemeinderat ausführte, war zunächst zu klären, „was an Geld man in die Hand nehmen muss, um erst einmal den alten Kram wegzuräumen“. So wären allein im ersten Bauabschnitt für den Abriss der alten Bausubstanz 230.000 Euro nötig. Die Altgebäude sollen abgebrochen und auf Tischtennisballgröße zerkleinert werden, um damit die Unebenheiten im Gelände ausgleichen zu können. Weitere 255.000 Euro würden für die Entsorgung des Sondermülls fällig. Für diese und weitere Zusatzkosten sind insgesamt 1,2 Millionen Euro veranschlagt – zusätzlich zu den eigentlichen Investitionskosten. Diese Kosten stünden an, bevor der Bau überhaupt beginnen könne.

Bei Zusatzkosten von 23,9 Prozent würde sich das Vorhaben daher nur rechnen, wenn die Gemeinde Boxberg grünes Licht für die Erweiterungsfläche gibt. „Wenn Baufeld 2 nicht dazukommt, wird Baufeld 1 nicht stattfinden“, stellte Bernd Neitzel klar. „Ich bitte um Verständnis und Kooperation“, wandte er sich an die Gemeinderäte. „Ohne diesen zweiten Abschnitt sind wir ’raus“ – daran ließ er keinen Zweifel.

Gemeinde hätte gute Einnahmen

Im Gegenzug benannte er die Vorteile für die Gemeinde Boxberg: Mit der Investition wäre auf dem einstigen Armeegelände das Verschmutzungsproblem ein- für allemal gelöst sowie die Renaturierung gesichert. Ohne die Investition würden die drei Offenlandbiotope durch den vordringenden Wald bald ganz verschwunden sein. Hingegen verpflichtet sich der Investor, diese Biotope wieder herzustellen. Die Solarmodule selber würden die Tier- und Pflanzenwelt an dem Standort nur in geringem Maße beeinträchtigen. Als Ausgleichspflanzungen sollen mehr als sechs Hektar Flächen bei Lohsa und Lübben aufgeforstet werden.

Abgesehen davon sei die Errichtung des Solarparks bei Bärwalde nach den Worten von Bernd Neitzel „ein starker Beitrag zur Energiewende“. Und der würde sich für die Gemeinde Boxberg auch in barer Münze auszahlen – beispielsweise in Gestalt der Gewerbesteuer. 90 Prozent davon würden in der Gemeinde verbleiben: Das sind etwa eine Million Euro Gewerbesteuer über die Laufzeit von 30 Jahren. Hinzu kämen 0,2 Cent pro erzeugter Kilowattstunde, also pro Jahr 20.000 Euro, als Umlage gemäß einer Neuregelung des EEG-Gesetzes.

Für den Bärwalder Ortsvorsteher Frank Zschippang ist die Sache klar. Er sieht die Investition „als einzige Chance, den absoluten Schandfleck loszuwerden“, zumal es auf dem ehemaligen Militärgelände schon Brände und Explosionen gab. „Wir wollen, dass das Gelände wieder in Ordnung gebracht wird, und das geht nur durch diese Investition“, sprach er aus, was sich viele Bärwalder wünschen.

Im Gemeinderat denkt man ähnlich. Das Gelände war einst von der Treuhand verwaltet und dann an einen Privatmann vergeben worden. Dieser habe sich seit vielen Jahren gegen alles gesperrt, „deshalb sieht es so aus, wie aus aussieht“, hieß es am Montag. Daraufhin entgegnete Bernd Neitzel, dass man mit dem Eigentümer mehrfach zusammengesessen und letztlich einen langen Pachtvertrag mit optionaler Verlängerung geschlossen hätte. „Wenn es eine schöne Fläche wäre, würde er eine interessante Pacht bekommen, aber alles geht nicht“, sagte er. Sofern der Gemeinderat zustimmt, biete sich „die Möglichkeit, alles einvernehmlich zu lösen“.

Solarstrom auch aus Nochten

Der Aufstellung des vorhabenbezogene Bebauungsplanes für die Erweiterungsfläche „An der Schaltanlage“ stimmten zehn Räte zu, einer war dagegen, drei enthielten sich. Im Rahmen der öffentlichen Auslegung können sich die Bürger später detailliert über das Projekt informieren sowie Einwände und Bedenken vorbringen. Mit gleichem Ergebnis wurde anschließend beschlossen, den Flächennutzungsplan zu ändern – mit der Absicht, dass die Geltungsbereiche der zu erarbeitenden Bebauungspläne „Ehemaliges Militärgelände“ und „An der Schaltanlage “ künftig als Sondergebiete für Photovoltaikanlagen gelten.

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Bereits im September hatte der Gemeinderat Boxberg mehrheitlich der Erarbeitung eines vorhabenbezogenen Bebauungsplanes mit dem Namen „Solarpark Kraftwerk Boxberg“ zugestimmt. Am Ortsrand von Nochten will die Lausitz Energie Bergbau AG (Leag) eine rund 21 Hektar große Photovoltaikanlage errichten.

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