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Weißwasser

Spannend, aber kein Abstiegskampf

Pech nach sehenswertem Rauf-und-Runter: Die Lausitzer Füchse verlieren in Bayreuth in der Verlängerung.

Weisswassers Verteidiger Ondrej Pozivil (links) ist vor Tim Zimmermann an der Scheibe.
Weisswassers Verteidiger Ondrej Pozivil (links) ist vor Tim Zimmermann an der Scheibe. © Thomas Heide

Gäbe es in dieser DEL 2-Saison Absteiger, wäre das ein ganz anderes Spiel geworden. Die Füchse reisten als Tabellenvorletzter nach Bayreuth zu den Tigers, die als Neunte nur zwei Punkte mehr auf dem Konto hatten. Am Ende gewannen die Gastgeber mit 3:2 nach Verlängerung – in einer Partie, die zwar unterhaltsam war, aber nicht von der Brisanz, welche diese Konstellation in der Saisonphase ohne die coronabedingten Veränderungen im Ligabetrieb mit sich brächte.

Vielleicht erklärt sich so auch die Nachlässigkeit der Füchse in der Anfangsphase, für die die Trainer aber dennoch wenig Verständnis haben dürften. Es dauerte nur neun Sekunden, bis das erste Tor fiel. Und es waren die fränkischen Gastgeber, die jubeln durften. Markus Lillich startete vom Mittelkreis, hatte nach schnellen ersten Metern nur noch Nick Walters zwischen sich und dem Tor. Der Füchse-Verteidiger wirkte unentschlossen, Lillich nahm Maß und traf genau neben den rechten Pfosten. Zwei Dinge blieben im ersten Abschnitt prägend:

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Der Bayreuther Lillich wollte Spaß an dem Abend, manchmal etwas zu viel. Etwa als er später im ersten Drittel an allen vorbei skatete, aber dann allein den Abschluss suchte und seine zwei perfekt positionierten Mitspieler ignorierte.

Das andere Omen war der Platz, den die Gäste auf dem Eis oft hatten. Gerade im Spielaufbau und vor dem Angriffsdrittel wurden sie von den Füchsen zu wenig gestört. Weitere gute Gelegenheiten waren die Folge, die beste hatte Ville Järveläinen nach acht Minuten. Er lief allein auf Mac Carruth zu, wollte Weißwassers Goalie umkurven, traf aber dann nur das Außennetz.

Die Füchse brauchten etwas, um besser ins Offensivspiel zu kommen. Oft wirkten die Aktionen zusammenhanglos und konnten von der Bayreuther Abwehr im Verbund erstickt werden. Dafür zeigten sie eine bemerkenswerte Effizienz in Überzahl. Nach einer Strafe gegen sich und kurz darauf gegen die Tigers hatten sie reichlich 20 Sekunden Powerplay. Das reichte für einen Angriff, in dem Tomas Andres hinter dem gegnerischen Tor kurvte, von dort für Nicholas Ross auflegte und der direkt abzog. Der Puck rutschte zwischen Pfosten und Torwart, wo eigentlich kein Centstück durchzupassen schien, ins Tor. Philipp Kuschel hätte gleich darauf sogar das 2:1 erzielt, scheiterte aber frei vor Marco Wölfl am Bayreuther Schlussmann.

Für Wölfl war die Partie nach dem ersten Drittel beendet. Timo Herden nahm seinen Platz ein – ob eine Verletzung der Anlass war, blieb zunächst unklar. Herden flog die Scheibe gleich buchstäblich um die Ohren, Nicholas Ross donnerte sie in der 22. Minute an die Querlatte, Herden schien sogar den Kopf wegzuziehen. Gleich darauf unterlief ihm noch ein Fehler, aber Nirschl konnte die Scheibe, die ihm vor den Schläger prallte, nicht im Tor unterbringen.

Das gelang aber Andrew Clark, dessen deutlich verbesserte Körpersprache symptomatisch für die Füchse in dieser Phase war. Bayreuth schwamm vor dem eigenen Tor, eher zufällig gelangte die Scheibe zum Lausitzer Angreifer, und der fand die Lücke unter den Schonern von Herden zur Führung. Weißwasser hatte ein ganz andere Präsenz und gab klar den Ton an. Ob der Antritt von Lars Reuß, der Schuss von Jakub Kania, das Solo von Thomas Reichel – die Tigers hatten fortgesetzt Probleme, die Aktionen abzuwehren. Aber sie konnten jetzt immerhin auf Herden zählen, der zunehmend an Sicherheit gewann, manchmal aber auch Glück hatte, wenn er allzu aufreizende Pässe wagte. Wie gesagt, das hätte im Abstiegskampf sicher ganz anders ausgesehen. Nicht mehr zu sehen war hingegen Lillich, der Aktivposten der Anfangsphase. Er war komplett abgemeldet. Auch eine zweimalige Überzahl brachte den Bayreuthern keine echten Chancen, die Füchse standen gut und wirkten cleverer – trotz der vielen jungen Spieler auf dem Eis.

Den ersten Aufreger im Schlussdrittel verzeichneten die Füchse in Überzahl. Die Scheibe trudelte vor dem Tor zwischen vielen orientierungslosen Männern und landete am Ende doch neben dem Gehäuse – Pech für Weißwasser, und es kam noch dicker. Nach Dani Bindels guter Chance und starkem Save könnten zwei Füchseverteidiger klären, behindern sich aber gegenseitig und laden Jusso Rajala ein. Der macht es wie Weißwasser beim 1:1 und findet zwischen Carruth und dem Pfosten die Lücke, die es gar nicht gibt.

Die Partie blieb sehenswert und reich an Gelegenheiten, wobei die Füchse optisch im Vorteil waren. Ein Treffer fiel in der regulären Zeit aber nicht mehr, auch weil von Lillich wieder einmal etwas zu sehen war, als er mit dem Handschuh ein Lausitzer Tor auf der Linie verhinderte – im Eishockey ist das völlig legitim.

In der Overtime glänzten die Goalies mit tollen Paraden, es ging hoch und runter. Am Ende war es ein Fehlschuss von Reichel und ein präziser Konter, der die Entscheidung zugunsten der Tigers brachte.

Weiter geht es in dieser ungewöhnlichen Saison am Sonnabend mit einem Heimspiel gegen Ravensburg, am Montag kommt Crimmitschau in den Fuchsbau.

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