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Spreestraße soll bald bis Schwarze Pumpe führen

Der Landkreis Bautzen schiebt das Planverfahren an. Verein wünscht sich durchgängig einen Radweg an der Straße.

Seit Freitag ist die Spreestraße wieder befahrbar. Sie verbindet die Industriezentren Boxberg und Schwarze Pumpe. Während der monatelangen Bauarbeiten musste man die Umwege über Weißwasser oder über Hoyerswerda nehmen. Seit dem 18. Juni können Verke
Seit Freitag ist die Spreestraße wieder befahrbar. Sie verbindet die Industriezentren Boxberg und Schwarze Pumpe. Während der monatelangen Bauarbeiten musste man die Umwege über Weißwasser oder über Hoyerswerda nehmen. Seit dem 18. Juni können Verke © Constanze Knappe

Sie gilt als wichtige Verbindungsstraße auf der Route Bautzen – Boxberg – Schleife. Die Spreestraße K 8481/K 9281 ist seit Freitagnachmittag wieder durchgehend vom Abzweig an der B 156 bis zur Einmündung nahe Mulkwitz befahrbar. Seit April wurde sie in drei Bauabschnitten von der Einmündung Sprey bis Abzweig S 130 Mulkwitz saniert. Der Landkreis Görlitz als verantwortlicher Baulasten-Träger ließ die Straße instandsetzen. Der Landkreis Bautzen als verantwortlicher Baulasten-Träger wiederum plant – beginnend vom Abzweig Mulkwitz – die Fortführung der Spreestraße in Richtung Schwarze Pumpe.

„Die Vollsperrung lief am 18. Juni aus. Zudem erfolgten an diesem Tag außer den Kontrollprüfungen auch die Zustandsfeststellung der Fahrbahn der Kreisstraße. Die Restarbeiten am straßenbegleitenden Rad-weg werden noch einige Tage andauern“, informiert Julia Bjar, Pressesprecherin des Landkreises Görlitz. Die Umleitungsstrecke führte seit April über Weißwasser nach Schleife.

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Sachsen gibt reichlich Fördermittel

Die Sanierung der Spreestraße war dringend notwendig, wie Julia Bjar unterstreicht. Der Straßenbelag war schon über 20 Jahre alt und verschliss stark. „Zudem wurden im Auftrag der LMBV im Vorfeld entlang der Verkehrsflächen Filterbrunnen nachverwahrt“, erläutert sie. „Diese Arbeiten machten teilweise das Öffnen von Straßen- und Radweg-Flächen erforderlich. Am bestehenden straßenbegleitenden Radweg traten zudem verkehrsgefährdende Wurzelaufbrüche auf, die beseitigt werden mussten.“ Die Gesamtkosten für die Erneuerungen des circa 10,5 Kilometer langen Abschnittes lagen bei 2,75 Millionen Euro. Der Freistaat Sachsen fördert die Maßnahme mit 80 Prozent für die Sanierung der Fahrbahn und mit 90 Prozent für die Sanierung des straßenbegleitenden Radweges. Die Eigenanteile übernimmt der Landkreis Görlitz.

Der Landkreis Bautzen wird jetzt die Maßnahme an der Spreestraße vom Abzweig S 130 Mulkwitz bis zur B 97 in Richtung Schwarze Pumpe fortführen. „Der Ausbau als Kreisstraße soll künftig eine noch fehlende Ost-West-Verbindung zwischen den Industriestandorten Schwarze Pumpe und Boxberg schaffen“, sagt Mandy Noack, Pressesprecherin des Landkreises Bautzen. „Die Herstellung des Baurechts für die Spreestraße erfolgt derzeit im Rahmen eines Planfeststellungsverfahrens mit Öffentlichkeitsbeteiligung, das von der Landesdirektion Sachsen durchgeführt und voraussichtlich bis Ende 2021 abgeschlossen sein wird.“

Die erweiterte Spreestraße führt auch entlang Neustadt/Spree. Dort am Ortsrand ansässig ist der 2013 gegründete Verein „Eine Spinnerei – vom nachhaltigen Leben e.V.“ Seit dieser Zeit organisiert er regelmäßig Umweltbildungs-Angebote wie Kindercamps, Podiumsdiskussionen, Workshops und weitere Termine. Seit August 2020 rollen kleine „Velotaxis“ als Fahrrad-Transportmittel mit Elektroantrieb über die Radwege im Bereich Weißwasser, Hoyerswerda und Spremberg. Solch ein „Velotaxi“ wurde ursprünglich für den Personentransport und als Träger von Werbeflächen entwickelt und kommt vor allem in größeren Städten zum Einsatz. Hersteller ist die bayrische Firma BAYK. Ein „Velotaxi“ hat eine Elektro-Unterstützung bis 25 km/h, eine maximale Zuladung von 300 kg und bietet mit seiner Kabine und Wetterschutzfolien einen gewissen Schutz gegen Wind und Regen, informiert der Verein.

Verein will Radweg auch für Velotaxis

„Doch gerade direkt am Hauptstandort des Vereins soll beim Bau der Spreestraße auf einen Radweg verzichtet werden“, kritisiert Sprecherin Friederike Böttcher. „Das bedeutet, dass die innovativen Kabinen-fahrräder, wenn sie in Richtung des Nachbarortes Spreewitz oder nach Spremberg unterwegs sind, die geplante Kreisstraße gemeinsam unter anderem mit den Lkws nutzen müssten, die nicht selten mit 100 km/h unterwegs sind. Das Gefahrenpotenzial für die Menschen im Fahrzeug ist auf dieser Strecke viel zu hoch, als dass wir dieses Wagnis eingehen würden.“

Der Verein, so Friederike Böttcher, verwies bereits in der Vergangenheit immer wieder auf die Notwendigkeit eines straßenbegleitenden Radweges. Das wurde nicht berücksichtigt. Der Verein reichte daraufhin Einwendungen gegen die Planung ein. „Doch bisher ohne Erfolg“, kritisiert Friederike Böttcher. „In den seit 19. April 2021 erneut ausliegenden Planungsunterlagen wird dabei auf einen Radweg verzichtet. Dieser ist laut Friederike Böttcher jedoch unproblematisch realisierbar. Die von den Planern als unkompliziert erachtete Alternativ-Route über den Spreeradweg ist kein angemessener Vorschlag für den Verein. „Mit einem Umweg von drei Kilometern, nur um den Nachbarort Spreewitz zu erreichen, wird die Distanz dahin nahezu verdoppelt.“

Unverständlich für den Verein ist laut Friederike Böttcher, dass mit dem Straßenbau-Projekt kein durchgängiger Ausbau des Radweges vorgesehen ist. Dies wider-spreche der vielfach verkündeten „Mobilitätswende“ bundesweit. Unverständlich ist es auch deshalb, „weil in den Planungsunterlagen sogar ausdrücklich damit geworben wird, dass es sich um einen Projektvorschlag der Kommission Wachstum, Strukturwandel und Beschäftigung handeln soll. Was soll das für ein Strukturwandel sein, der innovative Mobilitätsprojekte zurückdrängt zugunsten eines zunehmenden Lkw-Verkehrs?“, fragt Adrian Rinnert, im Verein Projektkoordinator und Verantwortlicher für die „Velotaxis“. Er wünscht sich mehr Unterstützung für die Vorstöße aus der Bevölkerung, zumal die Fahrzeuge von den eigenen idealistischen Vereinsmitgliedern finanziert und zur freien Verfügung gestellt wurden.

Wird 500-Meter-Betonbrücke gebaut?

Für ihn ist klar: „Wird die Spreestraße wirklich ohne begleitenden Radweg realisiert, so haben Bevölkerung und Tourismus einmal mehr verloren und die viel beschworene Bürgerbeteiligung im Strukturwandel-Prozess ist Makulatur.“ Der Verein verweist auch darauf, dass eine 500 Meter lange Betonbrücke mitten durch das FFH-Gebiet „Spreetal und Heiden zwischen Uhyst und Spremberg“ in der Spreeaue bei Spreewitz errichtet werden soll. Auf Nachfrage beim Landkreis Bautzen nach der Bürgerbeteiligung und dem Mitsprache-Recht der Einwohner verweist Pressesprecherin Mandy Noack auf das laufende Planfeststellungsverfahren. Erst nach dessen Abschluss seien konkrete Aussagen möglich. Wie der Landkreis auf die Einwendungen, Hinweise und Kritiken des Vereins „Eine Spinnerei – vom nachhaltigen Leben.“ aus Neustadt Spree reagiert, ist noch offen.

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