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Stelldichein von Fabelwesen, Vögeln und Rittern

Die Ziergeflügel- und Exotenzüchter laden diesmal zum Vereinsfest nach Weißkeißel ein. Eine Rückkehr zu den Wurzeln.

Passend zum Programm mit Elfen, Zauberern und Fabelwesen schnitzt Julian Zaplatynski aus Gubin bei Schauvorführungen lustige Kobolde und andere Figuren.
Passend zum Programm mit Elfen, Zauberern und Fabelwesen schnitzt Julian Zaplatynski aus Gubin bei Schauvorführungen lustige Kobolde und andere Figuren. © Sabine Larbig

Schon zu Wochenbeginn wurde in und um den Festpavillon im Freizeitpark gearbeitet. Dort waren Bewohner vom Haus am Hain in Weißwasser ebenso fleißig wie Gemeindearbeiter, Vereinsmitglieder und freiwillige Helfer. Immerhin braucht es mehrere Tage, um ein ganzes Festwochenende im Zeichen von exotischen Vögeln und Mittelalter vorzubereiten. Da sind Transporte nötig, müssen Volieren samt Zubehör rechtzeitig stehen und Dekorationen ebenso stimmen wie Ambiente und Umfeld im Freien. Da treffen große und kleine Besucher ab Sonnabendvormittag nämlich auf die Welt der Fabelwesen, Gaukler, Zauberer, Spielleute, Ritter, Handwerker. Dort gibt es Schaukämpfe, Pferdedressuren, Turniere, Kindershows, Spaß und Unterhaltung aus uralten Zeiten.

Seit 15 Jahren findet die Mischung aus Vereinsfest und Mittelalterspektakel, an dem sich Mitwirkende aus Deutschland, Polen, Tschechien beteiligen, statt. Die Kombination kommt bei Besuchern an. Gründe, weshalb die Euroregion Neiße das Fest fördert. Ohne könnte der 14 Mitglieder zählende Veranstalter „Vereinigung der Ziergeflügel- und Exotenzüchter“ e.V. Weißwasser (VZE) es nicht stemmen. Doch 2021 gibt es einige Veränderungen. Wegen Angst vor Corona oder damit verbundener Auflagen und Hürden sagte manch ausländischer Teilnehmer ab. Zudem müssen Besucher, Mitwirkende und Veranstalter durch die Pandemie Schutzauflagen wie Abstand und Mundschutz beachten. Doch dies sei besser als ein erneuter Ausfall. „Vereinsarbeit und Feste müssen wieder anlaufen“, begründet Hagen Hördler, der seit 21 Jahren Vorsitzender des VZE ist und sich mit den Vereinsmitgliedern, trotz einiger bedenken, für die Veranstaltung ihren Austragungsort in Weißkeißel entschied. Falls möglich, soll das Fest hier auch in Zukunft stattfinden, nachdem der traditionelle Veranstaltungsort Farmerhaus in Weißwasser wegfiel, das Event zwei Jahre in der Telux zu Gast war und dann coronabedingt gar nicht mehr zustande kommen konnte.

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Skulptur-Geheimnis wird gelüftet

„In Weißkeißel wurden wir von der Gemeinde sehr gut aufgenommen und in allen Belangen unterstützt. Ich war noch nie so entspannt vor der Veranstaltung wie dieses Jahr“, bekennt Hördler. Vielleicht liege das auch am Heimvorteil, mutmaßt er. Denn nicht nur die Amazonen- und Papageien-Züchter-Familie Hördler lebt in Weißkeißel. Hier waren einst auch die meisten Mitglieder des 1964 gegründeten Vereins zuhause. 2021 kehrt der Verein mit seinem Traditionsfest also zu seinen Wurzeln zurück. Und vielleicht wissen dadurch künftig viele Einwohner und Besucher von Weißkeißel auch, was es eigentlich mit der Figur vor der Heimatstube am Freizeitpark auf sich hat.

„Das bin ich im historischen Gewand eines Markgrafen, den ich bei jedem Mittelfest darstelle“, verrät Hagen Hördler, der die Skulptur als Leihgabe an die Gemeinde gab. Angefertigt als „Dankeschön“ hat sie einst der polnische Holzschnitzer Julian Zaplatynski, der seit Jahren sein Handwerk auf dem Mittelalterfest zeigt. Mit seinem Freund Mirek, einem in Polen bekannten und, besonders bei Kirchensanierungen, gefragtem Maler ist er auch diesmal vor Ort. Bereits angefertigt oder vorbereitet haben sie seit Wochenbeginn ein paar Skulpturen, die Kobolde und andere Fabelwesen darstellen. Passend zum Festthema werden sie bei Schauvorführungen vervollkommnet. „Ich komme gerne zu der Veranstaltung, hole mir dabei Inspirationen, pflege Freundschaften und erkunde die Gegend“, verrät Julian, der in Polen eine eigene Holzwerkstatt hat.

Vereinsarbeit und Corona

In Weißkeißel hofft er, wie alle Mitwirkenden, trotz Pandemie auf viele Zuschauer und Besucher. Dies gilt auch für die Vogelzüchter, die gerne neue und junge Mitstreiter aufnehmen. Doch nicht nur Hagen Hördler weiß, dass es schwierig ist. „Für Vogelzucht braucht man Haus und Hof, Zeit und Liebe und viel Wissen, selbst in Gesetzgebungen, welches man sich über Jahre aneignen muss. Außerdem kostet das Hobby von Tierkauf über Futter bis Volieren viel Geld. Das macht die Vereinsarbeit nicht leicht.“ Noch schwieriger sei sie mit Corona geworden. Entweder, weil Nachfragen nach Tieren und Ausstellungen wegbrachen oder es an Interessenten und geeigneten Haltungsbedingungen haperte. Andererseits gab es das Phänomen, dass Tiere, auch Vögel, im Lockdown angeschafft und danach in großer Zahl in Tierheimen oder wieder bei Züchtern landeten. „Jeder, der ein Tier kauft, übernimmt Verantwortung“, appelliert Hördler. Weil dies leider nicht immer so sei, habe er während Corona die Zuchtmenge zurückgefahren.

Apropos Virus. Damit er nicht zuschlägt, kommen zur Eröffnung zwei „Pest-Doktoren“ samt Weihrauch und Beschwörungsformeln und die Ex-Pfarrerin von Weißwasser hält als historische Figur Feldgottesdienste ab. Bei so viel Segnung kann das Fest 2021 nur ein Erfolg werden.

Tipps rund ums Fest

Termin: 11. und 12. September, je 10 bis 18 bzw. 17 Uhr, mit halbstündig wechselnden Programmteilen sowie Verkaufsständen, Ausstellungen und Mitmach-Angeboten Eintritt: Kinder (bis Schwertlänge 1,50 Meter frei) 1 Euro; Erwachsene 5 Euro Veranstaltungsort: Freizeitpark Weißkeißel, Kaupener Straße 6
Infos: exoten-mittelalter.de

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