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Stich um Stich zum kleinen Kunstwerk

Seit 30 Jahren besteht der Stickzirkel Schleife. Die schönsten Arbeiten werden ab morgen in einer Jubiläumsschau im SKC gezeigt.

Obwohl allesamt in die Jahre gekommen, möchten Maria Handrick, Petra Nakoinz, Irene Lühnemann, Brigitte Henschel, Christel Schur, Christa Sprejz und Anita Maiwald ihren Stickzirkel nicht missen. Es gehe ja nicht nur um die reine Handarbeit, sondern auch
Obwohl allesamt in die Jahre gekommen, möchten Maria Handrick, Petra Nakoinz, Irene Lühnemann, Brigitte Henschel, Christel Schur, Christa Sprejz und Anita Maiwald ihren Stickzirkel nicht missen. Es gehe ja nicht nur um die reine Handarbeit, sondern auch © Joachim Rehle

Ein bisschen aufgeregt sind sie schon, die Frauen des Schleifer Stickzirkels. „Wie ein Kind vor dem Aufsatz“, so geht es Christa Sprejz, die 84 Jahre ist. Morgen wird im Sorbischen Kulturzentrum Schleife (SKC) die Sonderausstellung „Kreuzweise – přez křiž“ eröffnet. Sie ist dem 30-jährigen Bestehen des Stickzirkels gewidmet. Bürgermeister Jörg Funda (CDU) wird ein Grußwort halten und Manfred Hermasch vom Domowina-Regionalverband Jakub Lorenc-Zalěski die Laudatio. Für die musikalische Unterhaltung sorgt Björn Sobota.

In Vorbereitung darauf haben die Frauen ihre schönsten Stücke in die Vereins- und Begegnungsstätte „Alter Bauhof“ mitgebracht. Gemeinsam wählten sie aus, um einen Querschnitt ihrer Arbeiten in den unterschiedlichsten Techniken zu zeigen.

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Muster nach sorbischem Vorbild

Es sind bestickte Trachtenteile wie Kinnschleifen und Schürzen, Türschleifen mit sorbischen und deutschen Grüßen, gehäkelte Hauben und gestrickte Strümpfe mit sorbischen Motiven. Von besonderem Wert sind die drei Twelkas (Hochzeitsbitterschärpen) wie auch die drei Bühnenbanner in Kreuzstickerei, die einst für das Schleifer Dudelsackfestival entstanden. Darauf sind sie schon etwas stolz. Noch heute erinnern sie sich gern, wie sie um einen langen Tisch herum saßen und jede an einer anderen Ecke den Stoff bestickt hat. 2010 muss das wohl gewesen sein. Von Februar bis Juni hätten sie jedenfalls damit zugebracht.

Den Stickzirkel gegründet haben Edith Penk, Gudrun Stankalla und Hildegard Berton. Sie fanden sich mit ihrem Hobby zusammen, weil man zu jener Zeit immer seltener habe Trachten ergänzen oder Teile ersetzen können. Es gab ja kaum noch jemanden, der sich mit den bisweilen mühseligen Kreuzsticharbeiten befasste. So erzählen es die Frauen vom Stickzirkel heute.

Aus Neugier wurde Herzblut

Etwa zwei Jahre nach der Gründung stieß Maria Handrick dazu. „Erst war es Neugier, dann ist Herzblut draus geworden“, sagt die gebürtige Schleiferin. Die 87 Jahre sieht man ihr ganz und gar nicht an. Trotz ihres Alters mache es ihr immer noch Freude. Außerdem müssten ja auch die Finger bewegt werden. Viele Jahre hat sie im Kreuzstich gestickt. „Aber zum Sticken braucht man gutes Auge und gutes Licht“, sagt sie. Mittlerweile packt sie lieber die Stricknadeln aus und deckt ihre Verwandtschaft mit dicken Socken ein, vor allem die Männer für deren Gummistiefel.

Den anderen Frauen geht es ähnlich. Auch Christa Sprejz, die seit 1994 zum Kreis der Stickerinnen gehört, nimmt inzwischen lieber die großen Nadeln zum Stricken in die Hand. Während Irene Lühnemann, die fast von Anfang an dabei ist, noch immer überwiegend stickt.

Auf den meisten Arbeiten finden sich die „uralten“ traditionellen Muster wieder, durch den Kreuzstich stilisiert. Einige Muster sind auch selbst entworfen, sagt Petra Nakoinz. Sie habe schon immer gestrickt. 1996 erfuhr sie durch Zufall von dem Handarbeitszirkel. Und weil sie damals in einer ABM (Arbeitsbeschaffungsmaßnahme) beschäftigt war und nebenher Zeit hatte, ging sie zu den regelmäßigen Treffen. Aktuell bestickt sie eine Haube für eine verheiratete Frau. Zum Ausprobieren, wie sie sagt. Sie habe sich das von älteren Hauben abgeguckt. „Weil es so viel Arbeit macht, werden solche Hauben kaum noch getragen“, weiß ihre Tischnachbarin Maria Handrick. Auch Petra Nakoinz gibt zu bedenken, dass zwar viele Frauen in Schleife eine Tracht im Schrank haben, aber diese höchstens noch bei Festen ’rausholen. So werde sie immer mehr zur Truhentracht. „Man findet ja auch kaum noch das passende Material für die Trachtenstickerei“, wirft Christa Sprejz ein. Manchmal hätten sie sich das Notwendige sogar aus Tschechien besorgt.

Inspirationen von Festivals

Bei Veranstaltungen wie dem Tag der Sachsen oder dem Brandenburgtag sind sie immer gern gewesen. Auch beim internationalen Folklorefestival in Crostwitz. Dort hätten sie sich von den bunten Trachten der Polen und Tschechen so manches abgucken können – oder auch von der Hohlsaumstickerei der Franzosen. „Solche Treffen sind immer sehr lehrreich gewesen“, sagt Maria Handrick. Mitunter folgten dort sogar Aufträge auf Zuruf. Wie jene 40 Paar Trachtenstrümpfe. Für eine Trachtentenkapelle in Bayern haben sie die 2009 gestrickt. „Da haben wir aber genadelt“, weiß Christa Sprejz noch.Auftragsarbeiten für den Stickzirkel gibt es aber auch jetzt noch. So ließ der Ortschaftsrat Schleife Babysöckchen stricken, um sie zur alljährlichen Begrüßung der Neugeborenen verschenken zu können. 25 Paar solcher Begrüßungsgeschenke lieferten die Frauen 2020 ab.

Mitstreiterinnen erwünscht

Bis heute ist der Stickzirkel Schleife eine lose Interessengruppe. Zehn Frauen gehen gemeinsam ihrem Hobby nach: Brigitte Henschel ist mit ihren 88 Jahren die Älteste, Peggy Bache mit 39 die Jüngste. Sie kommen aus Weißwasser, Spremberg, die meisten aber aus Schleife. „Wir werden alle nicht jünger. Deshalb wäre es schön, wenn wir den Stickzirkel verjüngen könnten“, erklärt Irene Lühnemann. Hin und wieder seien mal junge Frauen dabei gewesen, die dann zur Ausbildung weggingen oder wegen Arbeit und Familie keine Zeit mehr zum Sticken hatten.

Jeden Donnerstag treffen sie sich. Nach vielen Jahren im Keller der inzwischen abgerissenen Schule nutzt der Stickzirkel seit Oktober 2020 den „Alten Bauhof“ . Das sei ein Glücksfall, findet nicht nur Irene Lühnemann. Dort hätten sie eine warme Stube und noch dazu kostenfrei, betont Christa Sprejz. Im Stickzirkel wünschen sie sich, noch lange gesund und miteinander im Kontakt zu bleiben und dass sich Jüngere für ihre Arbeit interessieren. Jetzt freuen sie sich aber erstmal auf die Ausstellung.

Vernissage zur Sonderausstellung „Kreuzweise – 30 Jahre Stickzirkel Schleife“ am 22. September um 15 Uhr im Sorbischen Kulturzentrum Schleife, Friedensstraße 65. Die Arbeiten werden bis 20. Februar 2022 gezeigt.

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