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Tierpark meistert zweites Corona-Jahr

Dank der Spendenbereitschaft – und des großen Interesses. Im Sommer 2021 kamen so viele Besucher wie seit Jahren nicht.

Von Constanze Knappe
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Der Kamelnachwuchs im Tierpark Weißwasser ist kaum noch von seinen Eltern zu unterscheiden.
Der Kamelnachwuchs im Tierpark Weißwasser ist kaum noch von seinen Eltern zu unterscheiden. © Constanze Knappe

Weißwasser. Aus Kindern werden Leute, so heißt es doch landläufig. Das ist leicht auf kleine Kamele zu übertragen. Im Juli zeigten wir den schlaksigen, gerade mal fünf Wochen alten Nachwuchs im Tierpark Weißwasser. Anfangs hatte sich das Kamelbaby mit dem Trinken der Muttermilch ziemlich schwergetan. Es musste sogar zugefüttert werden. Doch nachdem der kleine Hengst quasi den Bogen raus hatte, legte er ordentlich zu. Mittlerweile steht das Jungtier seinen Eltern in der Größe um nichts nach.
Die Besucher haben das mit großer Anteilnahme verfolgt. Alles in allem aber war es für den Tierpark Weißwasser erneut ein durchwachsenes Jahr.

Nach der Pandemie-bedingten Schließung bis Ostern lief es zunächst besser als erwartet. Während der „Bundesnotbremse“ durften Zoos und Tiergärten dann zwar öffnen, jedoch nur unter Maßgabe der Testpflicht. Besucher scheuten den zusätzlichen Aufwand – und blieben weg. Die Folge waren erhebliche Einbußen in den Zoos und Tierparks. Sie mussten trotz Öffnung quasi draufzahlen.

Im Sommer war der schlaksige kleine Kamelhengst einer der Publikumslieblinge.
Im Sommer war der schlaksige kleine Kamelhengst einer der Publikumslieblinge. © Constanze Knappe

Im Sommer durchgestartet

Anfang Juli titelten wir im TAGEBLATT: „Tierpark startet wieder durch“. Und wie er das tat! Von Juli bis Oktober waren es die besten Monate, seit Tierparkleiter Gert Emmrich die Fäden in der Hand hält. Und das sind schon etliche Jahre. „Man hat gemerkt, dass die Leute ein großes Bedürfnis hatten, endlich wieder etwas zu unternehmen“, kommentiert er die Besucherzahlen. Seit November ist es wieder ruhig, was zum einen an der 3G-Regel liegt, zum anderen aber auch am Wetter. Am Ende werden für 2021 um die 29.000 Besucher zu Buche stehen. Das sind weniger als die 33.500 im Vorjahr, aber es war auch länger geschlossen. Interessant dürfte sein, dass bis zu 40 Prozent der Gäste einen Anfahrtsweg von mehr als 50 Kilometer nahmen, 20 Prozent sogar mehr als doppelt so weit weg wohnen. Und das sind nicht nur ehemalige Weißwasseraner, denen der Tierpark auch fern der Heimat am Herzen liegt.

Wie groß die Verbundenheit mit dem Zoo ist, zeigte sich 2021 erneut an der großen Bereitschaft, mit Spenden oder Tierpatenschaften die wirtschaftliche Lage der Einrichtung zu mildern. 35.000 Euro kamen auf diese Weise zusammen. „Darüber freuen wir uns sehr. Es hat uns über die Zeit hinweggeholfen“, bekräftigt Emmrich. Im Frühjahr hatte der Freistaat mit einer Zooförderung den Tierparks unter die Arme gegriffen. Dem in Weißwasser brachte das 25.000 Euro ein. Aus Corona-Hilfe-Töpfen des Bundes bekam der Zoo hingegen nichts. „Da wurden die Spenden gegengerechnet“, so der Tierparkleiter.

Über 30 Igel in der Auffangstation

Der Tierbestand ist mit mehr als 300 Tieren in beinahe 70 Arten zumindest zahlenmäßig nahezu unverändert. Nachwuchs gab es bei Alpakas, Hirschen und Kängurus. Alle Jungtiere dieses Jahrgangs sind noch da. Die Bärin geht schon ins 36. Jahr, was keineswegs selbstverständlich ist. „Die alte Oma ist putzmunter und macht einen richtig guten Eindruck“, so Gert Emmrich schmunzelnd. Publikumslieblinge waren wiederum Erdmännchen und Gibbons. Beliebt sind ebenso Damwild und sogar Schafe und Ziegen. Kurzum alle Tiere, deren Gehege begehbar sind.

Richtig viel Betrieb herrscht derzeit in der Auffangstation, wo viele Jungtiere aufzupäppeln sind – Vögel und mehr als 30 kleine Igel. Neben ihrer eigentlichen Arbeit kümmern sich die Tierpfleger aufopferungsvoll um sie. Die Erfahrung vergangener Jahre zeigt, dass bis zu 80 Prozent später wieder ausgewildert werden können.
Der Tierparkleiter möchte sich ausdrücklich bei seinem Team bedanken. Zwar gab es nur zwei Quarantänefälle im Herbst, aber weitere Ausfälle wegen anderer Krankheiten. Personell sei man derzeit „eng aufgestellt“. Deshalb passiere handwerklich sehr wenig, da alles auf die Tierpflege konzentriert sei und selbst der Chef mit ran müsse, um die Tiere zu versorgen.

Zwar soll der Tierbestand 2022 erweitert werden. Größere Veränderungen wird es aber nicht geben. „Dafür fehlen uns die Möglichkeiten“, begründet er. Neben dem Abenteuerspielplatz soll das leere Gehege mit dem Teich mit einer Voliere überdacht und so zur neuen Heimat für Wasservögel werden. Und dann hofft Gert Emmrich darauf, dass es endlich mit einer Luchsdame klappt – als Gefährtin für den 10-jährigen Kater, der im März einzog. Die Zuteilung einer Katze erfolgt im Rahmen des Europäischen Zuchtbuchs, da sich der Tierpark an einem internationalen Programm zur Erhaltung der Art beteiligt. Daher sei noch völlig offen, ob und wann der Karpatenluchs weibliche Gesellschaft bekommt.

Was für 2022 geplant ist

Eigentlich hatte der Tierpark 2021 seinen 55. Geburtstag. Doch an Feiern war schon das zweite Jahr in Folge nicht zu denken. Wegen der Corona-Pandemie musste das Tierparkfest Ende August ebenso ausfallen wie Halloween im Tierpark und viele andere liebgewonnene Höhepunkte. Einzig ein Sommerkonzert des Stadtchores Weißwasser erinnerte daran, dass Kultur im Tierpark gut aufgehoben ist. Im Frühjahr soll endlich das Spiegellabyrinth eröffnet werden. Die Verzögerung ist weniger schlimm, da es wegen Corona ohnehin hätte geschlossen bleiben müssen. Das Alpakagehege soll fertig und der Abenteuerspielplatz im ersten Halbjahr eröffnet und dann bis 2023 mit weiteren Spielgeräten ergänzt werden. „Im neuen Jahr kann es also nur besser werden“, hofft der Tierparkchef.

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