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Über neuen VEW-Chef wird erst 2022 entschieden

Die Ver- und Entsorgungswerke (VEW) Bad Muskau brauchen einen neuen Geschäftsführer, da Stephan Kaiser in Rente geht.

Von Sabine Larbig
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Symbolbild
Symbolbild © Sabine Larbig

Bad Muskau. Seit 1993 gibt es das städtische Tochterunternehmen, welches Bad Muskau und umliegende Gemeinden aktuell noch mit Trinkwasser aus dem eigenen Wasserwerk beliefert sowie für Gas- und Wärmeversorgung und die Abwasserentsorgung im Versorgungsgebiet zuständig ist.

Doch der Kampf am Markt ist für kleine Unternehmen wie die VEW sehr hart. Aufgaben und Rahmenbedingungen werden komplexer. Verwaltungsaufwand, regulierende Vorgaben, Preisdruck steigen und führen zu wirtschaftlich angespannter Unternehmenslage, beschrieb Geschäftsführer Stephan Kaiser noch 2020 bei einer Berichterstattung vorm Stadtrat die Lage. Erschwerend hinzu käme, dass Anlagen – je nach Geschäftsfeld stammen sie aus den 1970er- bis 1990er-Jahren – schrittweise erneuert oder ersetzt werden müssten, wodurch Geld für die Investitionen erforderlich werde. Und auch Corona habe sich negativ ausgewirkt, da Absatzmengen bei Trinkwasser und Gas und damit der Umsatz zurückgingen. Denn Hotels, Praxen, Firmen, touristische Einrichtungen oder auch Schulen arbeiteten in der Pandemie nicht oder stark eingeschränkt.

Wohnort vor Ort ist Voraussetzung

Trotz des Spannungsfelds zwischen Wirtschaftlichkeit, Unternehmenserhalt und moderater Preisgestaltung für Kunden behauptete sich die VEW am Markt. Nun geht ihr langjähriger Geschäftsführer in den Ruhestand, weshalb die Stadt Bad Muskau im Herbst den offenen Geschäftsführerposten ausschrieb und Bewerbungen bis zum 18. November 2021 erbat. Parallel wurde auf Stadtratsbeschluss ein aus Mitgliedern aller Fraktionen bestehender zeitweiliger Ausschuss gegründet, der den, laut Bürgermeister Thomas Krahl, „offenen Prozess der Stellenbesetzung“ begleitet.

Laut Ausschreibungstext für den Geschäftsführerposten bei der VEW Bad Muskau wurde „zum nächstmöglichen Zeitpunkt eine qualifizierte, branchenerfahrene und engagierte Führungspersönlichkeit“ mit Diplom, Master oder gleichwertiger Ausbildung im Bereich Wasserwirtschaft, Engineering oder Wasser- und Umweltingenieurwesen gesucht. Die muss aber künftig in Bad Muskau oder der näheren Umgebung wohnen. Das ist Voraussetzung. Deshalb wurde gleich mit der Idylle von Welterbe-Park und Stadt, der geschichtsträchtigen und landschaftlich einzigartigen Landschaft, mit Dienstfahrzeug, Vereinbarung von Beruf und Familie, verantwortungsvoller Tätigkeit mit großem Gestaltungsspielraum, strukturierter und aktiver Einarbeitung und Hilfe geworben.

Mehrere Bewerbungen sind eingegangen

Das alles kam an. Immerhin liegen, so Bürgermeister Thomas Krahl auf TAGEBLATT-Nachfrage, fünf Bewerbungen vor. Darunter möglicherweise die von Mirko Bartell, Stadtrat der Fraktion „Wir für Bad Muskau“. Er hatte sich, im Vorfeld der Ratssitzung vom 24. November, hinsichtlich der VEW-Stellenbesetzung mit einem Schreiben an alle Fraktionen gewandt, in dem Rechercheergebnisse und Fragen aufgeführt waren. Stadtrat Tobias Kunath (CDU) hatte daher in der Sitzung öffentlich angefragt, ob er Recherchen und Fragen aus eigenem Interesse unternommen habe und ob er sich für den zu besetzenden Posten bewerben wolle. Bartell erklärte daraufhin, dass es sich um eigenes Interesse und Recherchen handele. Was die andere Frage betreffe, so erklärte er nur, dass sie „aus Persönlichkeitsrechten im öffentlichen Teil der Stadtratssitzung deplatziert“ sei.

Beschluss im Januar-Stadtrat

Ob er oder andere bekannte Persönlichkeiten aus Bad Muskau, Weißwasser oder Umgebung unter den Bewerbern sind, wird voraussichtlich im Januar 2022 bekannt. Dann soll die VEW-Personalie offiziell in der Stadtratssitzung behandelt werden. Vorgesehen war dies bereits für Mittwoch dieser Woche. Doch wegen der Corona-Lage wurde die Stadtratssitzung als öffentliche Veranstaltung abgesagt. Da sie nur den Tagesordnungspunkt der Nachbesetzung der Geschäftsführerstelle beinhaltet hätte und wegen Corona auch nicht öffentlich stattgefunden hätte – nachdem zuvor der temporäre Ausschuss ebenso getagt und beraten hatte – wurde die letzte Ratssitzung des Jahres gänzlich abgesagt.

Somit bleibt es, wie ursprünglich geplant, bei einer öffentlicher Beratung zum vakanten Posten bei dem kleinen regionalen Ver- und Entsorger, zu dem sich Stadt und Räte allerdings bekennen. Von dieser Grundeinstellung wird der/die Nachfolger/in von Stephan Kaiser partizipieren. Ebenso von der Arbeit des Vorgängers. Der sorgte bereits dafür, dass die Planzahlen 2020 bis 2022 für Trinkwasser, Abwasser und Gas stehen, was etwas Luft während der Einarbeitungs- und Übergangszeit im Unternehmen schafft. Das hat übrigens nur sechs Mitarbeiter. Dass dennoch alle Geschäftsfelder, Aufgaben und Versorgungsaufträge im Team gestemmt werden – auch dies ist dem langjährigen VEW-Chef Stephan Kaiser mit zu verdanken.

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