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(Un)Schönheiten im Rhododendronpark

Corona-Lockerungen bringen dem Kromlauer Park samt Rakotz-Ensemble wieder Besucher. Das hat nicht nur gute Seiten.

Die einst streunende Hauskatze reagiert inzwischen auf „Miez, Miez“ und lässt sich jeden Morgen zu Füßen der Herkulesfigur am Rakotzsee füttern. Aus Dankbarkeit patrouilliert die Katze durchs historische Bau-Ensemble und fängt Mäuse.
Die einst streunende Hauskatze reagiert inzwischen auf „Miez, Miez“ und lässt sich jeden Morgen zu Füßen der Herkulesfigur am Rakotzsee füttern. Aus Dankbarkeit patrouilliert die Katze durchs historische Bau-Ensemble und fängt Mäuse. © Joachim Rehle

Manfred Brommer aus Kromlau zieht es seit drei Jahren jeden Morgen in den Landschaftspark vor seiner Haustür. Hier hat er eine Aufgabe und einen tierischen Freund gefunden, da er sich eines herrenlosen Stubentigers annahm, den er regelmäßig besucht und bei der Herkules-Figur am Rakotz-See füttert.

In den Morgenstunden trifft Manfred Brommer am sanierten Rakotz-Ensemble meist noch nicht viele Parkbesucher an. Meist sind es eher Radfahrer, die aber inzwischen zum Problem werden. Nicht nur wegen der steigenden Zahl. Vor allem, weil die Parkordnung das Radfahren außerhalb des Hauptweges zwar untersagt, sich radelnde Einheimische und Gäste jedoch wenig daran stören. Stattdessen wird im Park geradelt, was das Zeug hält: auf Haupt- und Seitenwegen, über Holzbrücken und Wiesen; ja, selbst zwischen Anpflanzungen quetschen sich Parkbesucher samt Rädern auf der Suche nach Entdeckungen oder Abkürzungen durch. Dabei werden selbst angebrachte Flatterbänder ignoriert.

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Problem 1: Zu wenig Gäste-WCs

„Von den Rhododendren werden so die Triebe runtergehauen und zwischen den Pflanzen Pfade getrampelt“, erklärte Bürgermeister Dietmar Noack jüngst erbost im Gemeinderat. Gemeinderätin Josephine Melling (Wir für Euch) erzählte zudem von Bürgerbeschwerden, weil Besucher im Park und hinterm Gutshof-Komplex urinieren und koten. „Weil es so viele Besucher gibt, reicht die Toilettenanlage am Besucherzentrum nicht mehr aus oder sie ist zu weit weg“, vermutet Melling. Sonja Petow (Die Linke) entgegnete, dass man nicht an jeder Ecke WC-Häuschen aufbauen könne. „Außerdem wollen viele einfach nicht die 50 Cent Toilettengebühr zahlen, obwohl sie vorher 150 Kilometer oder mehr Anfahrt zurücklegten“, erklärte sie. Auch Jürgen Siegmar (CDU) sieht dies so und kritisiert, dass ganze Familien sich die Klinke in die Hand geben, nur um Geld zu sparen. „Es kann nicht sein, dass deshalb inzwischen unsere Gemeindearbeiter am WC stehen und aufpassen müssen.“ Da es in Kromlau mittlerweile auch keine Gaststättenmehr gibt, sondern nur noch Imbissanbieter, die keine Toiletten vorhalten, erschwert sich die Lage mit der Notdurft.

Abhilfe brächte eine größere Toilettenanlage. Doch die, so der Vorsitzende des Verwaltungsausschusses, Johannes Rakel (CDU), wäre nur mit einem größeren Funktionsbau am Parkplatz möglich. Das sei geplant gewesen, aber an der Finanzierung gescheitert. „Dann müssen wir wenigstens Drehkreuze wie bei Autobahn-Toiletten anbringen. Wir sollten dies überdenken“, riet Mathias Mersiovsky, um zumindest die Gebührenzahlung durchzusetzen.

Problem 2: Parken, Radler, Drohnen

Bürgermeister Dietmar Noack weiß, dass viele Besucher ebensoviele Probleme bringen, „Macht euch mal Gedanken, was möglich ist und sein könnte zur Lösung der vielen Schwierigkeiten“, rief er die Räte auf. Denn während der Park von Pflanzen über Tiere bis zu Gebäuden, Skulpturen und dem weltberühmten Rundbogen-Spiegelbild der Rakotzbrücke viele Schönheiten aufweist, häuft sich auch Unschönes durch Besucher. So haben die seit diesem Jahr eingesetzten ehrenamtlichen Park-Ranger bereits von weit her angereiste Touristen ertappt, wie sie mit Standup-Board, auf dem sogar ein Hund saß, über den Rakotz-See paddelten.

Immer öfter treffen sie zudem auf Gäste, die im Park Drohnen für außergewöhnliche Fotos fliegen lassen. Und weil nach Lockerung der Corona-Regelungen der Tourismus inzwischen wieder boomt, wird man selbst auf dem neuen Parkplatz mit Besucherinformationszentrum der Gästemassen nicht mehr Herr, weshalb fast regelmäßig die Wiesen vor Schloss und Kavaliershaus als Parkflächen genutzt werden müssen. „Mit solch riesigem Andrang haben wir wirklich nicht gerechnet und es wird noch Wochen so weitergehen, weshalb ich mich für die Arbeit, Hilfe und Unterstützung von Bürgern, Räten und Vereinen auf und neben dem Parkplatz bedanken möchte“, äußerte Johannes Rakel. Er unterstrich, dass das Parken auf den Wiesen nicht im Sinne der Gemeinde sei. Es gehe aber nicht anders. Um langfristig eine Lösung zu finden, soll laut Information des Bürgermeisters die Parkfläche am Besucherzentrum durch neue Schotterflächen erweitert werden. Das Geld dafür sei aus nicht verbrauchten Denkmalschutz-Mitteln vorhanden. Das zuständige Landesamt habe das Vorhaben bereits „abgenickt“.

Problem 3. Nichtachtung von Regeln

Was Drohnen und Radfahren betrifft, so erklärte der Bürgermeister, „die Schonzeit“ nach Einführung der neuen Parkordnung für beendet. „Ab sofort werden wir die Parkordnung massiv durchsetzen und Vergehen abstrafen.“ Für die Kontrollen eingesetzt werden sollen die Park-Ranger – und dies vorrangig in den Früh- und Abendstunden. „Am Tag passen die Leute gegenseitig auf sich auf“, begründete Karin Krahl (Unabhängige Wählervereinigung) ihren Vorschlag. Und sie riet, zusätzlich zur aushängenden Parkordnung sogenannte Piktogramme gut sichtbar anzubringen. „Die Zeichen für Radfahr-, Urinier-, Schwimm-, Betretungs- oder Drohnenverbot sind international und somit auch für ausländische Besucher oder bei schlechter Sicht sofort erkennbar und verständlich.“ Laut Bürgermeister werde man den Vorschlag umsetzen und zudem selbst hergestellte Hinweis- und Verbotsschilder im Park anbringen, da sie nicht genehmigungspflichtig sind. Andere Schilder, „die stellenweise falsche Standplätze“ haben, sollen umgesetzt werden. Geplante Neupflanzungen werden mit Flatterbändern abgesperrt.

Hinsichtlich der Drohnen hat der Gemeinderat schon eine Regelung getroffen: Er verabschiedete eine Änderung der Parkordnung, die Drohnenflüge im Park aus Sicherheitsgründen untersagt. Ausnahmen gibt es nur auf Antrag; Genehmigung, gegen Gebühr und samt Parksperrung; etwa für Film-, TV-, oder Werbeteams.

Nicht nur Manfred Brommer und seine Miez wird es freuen, dass durch die Neuregelungen bald mehr Ruhe im Park ist.

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