Weißwasser
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Unfall war Grund für Störung im Bahnverkehr

Für mehr als 50 Reisende war am vorigen Freitag in Schleife Schluss. Dort fühlten sie sich im Stich gelassen. Die Odeg verweist auf unglückliche Umstände.

Von Constanze Knappe
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Von Cottbus nach Görlitz kamen die Reisegäste am Freitag nicht mit dem Odeg-Zug. In Schleife war plötzlich Schluss.
Von Cottbus nach Görlitz kamen die Reisegäste am Freitag nicht mit dem Odeg-Zug. In Schleife war plötzlich Schluss. © SZ-Archiv / Rolf Ullmann

Weißwasser/Schleife. Bundesweit führte das Neun-Euro-Ticket zeitweise zu einer Überforderung der Verkehrsgesellschaften, zu vollgestopften Zügen, überlastetem Personal und genervten Fahrgästen. All das erlebte unser Leser Frank Schneider am vorigen Freitag nicht. Ganz im Gegenteil. Die Reise aus Thüringen sei planmäßig und sehr angenehm verlaufen, da die Züge an jenem 22. Juli weniger voll als im Juni waren. Doch entspannt am Ziel kam er dennoch nicht an. Der Zug der Ostdeutschen Eisenbahn GmbH (Odeg) endete abrupt in Schleife – und fuhr zurück nach Cottbus.

Die Zugbegleiterin hatte für die Reisenden in Richtung Görlitz lediglich die schlechte Botschaft parat, dass es genau einen Bus als Ersatzverkehr gebe und dieser sei eine Stunde zuvor in Schleife weggefahren. Und so standen am Freitag gegen 11.30 Uhr geschätzte 50 Menschen vor dem Bahnhofsgebäude in Schleife und waren ratlos. Der eine Bus konnte noch nicht aus Horka zurück sein, und weitere Busse waren offensichtlich nicht verfügbar.

Was dann passierte, beschreibt unser Leser Frank Schneider so: „Ich telefonierte mit einem Taxiunternehmen aus Weißwasser und schilderte die Situation. Der gute Mann lehnte ab, alle Fahrzeuge seien unterwegs. Aber er wolle tun, was er kann. Fünf Minuten später rief ich nochmals an, bat darum, dass er andere Taxianbieter aus Weißwasser um Unterstützung bitten möge. Ich glaube, das tat der gute Mann nicht.

So verging die Zeit. Eine Stunde später waren zwei Taxis durchgekommen, doch hatten sie andere Ziele, die Lampen waren auch jeweils aus. Ein Bus, erkennbar älteren Baujahrs, kam voller Fahrgäste an, fuhr jedoch leer weiter.

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Ich kam dann auf die Idee, den Fahrplan des Linienbusses 259 Richtung Weißwasser zu prüfen. Die Abfahrt 11.32 Uhr konnten wir nicht erreichen, die nächste Abfahrt war für 12.57 Uhr zu erwarten. Der nächste Zug aus Cottbus entließ weitere Fahrgäste. Einige junge Leute marschierten schnurstracks zu der Haltestelle des Linienbusses, das tat ich gegen 12.40 Uhr auch.

Genau in dem Augenblick kam ein gefüllter Reisebus mit Cottbuser Kennzeichen aus der Friedensstraße zum Bahnhof gefahren. Das war ganz offensichtlich der eine Bus, den die Zugbegleiterin angekündigt hatte. Dieser Bus war also vor 11 Uhr in Schleife abgefahren und kam nun aus Horka zurück.

Ich fuhr schließlich mit dem Linienbus. Erfreulicherweise fuhr wenige Minuten nach unserer Ankunft am Busbahnhof Weißwasser ein Linienbus Richtung Niesky ab. Das freute besonders ein Ehepaar aus Schleswig-Holstein, das nach Görlitz wollte. Dieses Ehepaar lernte ich in der langen Wartezeit in Schleife kennen.“

Mit vielen Hindernissen erreichte unser Leser dann doch noch sein Ziel. Dass mitunter unvorhergesehene Streckensperrungen notwendig werden, leuchtet ihm ja ein. Doch wie die Odeg damit umging und letztlich den Stau der Reisenden auflöste, das hätte er aber doch gar zu gern gewusst.

Nur ein Ersatzbus verfügbar

Wie von Odeg-Sprecherin Dietmute Graf zu erfahren war, gab es an jenem 22. Juli gegen 9.50 Uhr einen Personenunfall auf der Bahnstrecke Cottbus – Görlitz, etwa drei Kilometer vom Bahnhof Weißwasser entfernt. Daraufhin wurde der Bereich für den gesamten Zugverkehr gesperrt. „In diesen Fällen wird eine streng festgelegte Handlungskette ausgelöst“, erklärt Dietmute Graf auf Nachfrage von TAGEBLATT. Man habe sich umgehend um Schienenersatzverkehr bemüht, allerdings nur einen einzigen Bus bekommen können. In der Urlaubszeit seien weder Busse noch Personal dafür auf die Schnelle verfügbar. Der Chef des betreffenden Unternehmens sei deshalb sogar selbst eingesprungen.

Auch habe man die Störungsmeldung sofort auf der eigenen Website als auch über die sozialen Netzwerke bekanntgegeben. Und man habe umgehend die DB Service und Station informiert, die für die Fahrgastinformation an und in den Bahnhöfen zuständig ist. Von Odeg-Seite aus habe man jedoch keinen Einfluss darauf, wie die Deutsche Bahn auf derlei Meldungen reagiert. Auch seien Bahnsteiganzeiger zum Teil veraltet, gebe es an einigen Bahnhöfen gar keine Durchsagen mehr.

Um 13.01 Uhr wurde die Strecke am Freitag wieder für den Zugverkehr freigegeben. Für den Triebwagenführer habe man erst noch einen Ersatz organisieren müssen. Der vorherige Zugführer musste nach Aussage von Dietmute Graf „psychologisch betreut“ werden. Gegen 13.30 Uhr sei der Odeg-Bahnverkehr an jenem 22. Juli zwischen Cottbus und Görlitz dann aber wieder regulär verlaufen.

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