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Viel Arbeit, Ärger und ein Namenloser

Die „Abenteuer Gletscherwelt“ in Krauschwitz wird immer attraktiver. Doch nur wenige kümmern sich um sie.

Von Sabine Larbig
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Dieser kleine Kerl ist eine Sonderanfertigung und wird die Besucher auf dem Spielplatz Abenteuer Gletscherwelt künftig am Eingang begrüßen. Schon jetzt hat er Fans wie Birgit Trepzik. Aber noch ist er namenlos.
Dieser kleine Kerl ist eine Sonderanfertigung und wird die Besucher auf dem Spielplatz Abenteuer Gletscherwelt künftig am Eingang begrüßen. Schon jetzt hat er Fans wie Birgit Trepzik. Aber noch ist er namenlos. © Sabine Larbig

Wenn Birgit Trepzik mit einem voll gepackten Laubsack zum Abfallcontainer läuft, kommt sie immer an einer lebensgroßen Figur vorbei. Meist lächelt sie im Vorbeigehen. „Ich finde das Kerlchen lustig und habe sogar schon Selfies mit ihm gemacht“, verrät sie beim Arbeitseinsatz auf dem Gelände der „Abenteuer Gletscherwelt“. Zum Arbeitseinsatz hatte der Verein „Krauschwitzer Neißeland“, Pächter des einstigen Helmut-Just-Stadions, auf/in dem in den letzten knapp drei Jahren der Mehrgenerationen-Spielplatz entstand, am letzten Wochenende öffentlich aufgerufen.

Trotz Aufrufs: keine Helfer ...

Gekommen waren nur acht Vereinsmitglieder. „Es ist schade, dass sich keine weiteren Helfer aus der Gemeinde beteiligten. Arbeit gab es genug, die wir nun teilweise wieder verschieben müssen“, so Rolf Seilberger beim Laub-Harken. „Der Platz ist für alle offen und wird gut genutzt. Vor allem von Familien mit Kindern. Oft sehen sie uns auch beim Arbeiten zu. Aber niemand fragt, ob Hilfe gebraucht wird. Irgendwie scheint es selbstverständlich, dass der Platz gepflegt wird. Wenn wir dann erzählen, dass der Verein dafür zuständig ist und wir ehrenamtlich arbeiten, führt dies meist zu Erstaunen, manchmal gibt es Lob. Aber das ist auch schon alles.“Stefan Hofmann, der Vereinsvorsitzende, würde sich ebenfalls mehr Unterstützung und Interesse durch die Bevölkerung wünschen. „Leider ist das nicht so, obwohl wir unsere Einsätze immer bewerben. Aber wenn etwas dreckig oder ungepflegt aussieht, wird geschimpft.“ Täglich vor Ort sein und arbeiten, sagt er, könnten die Vereinsmitglieder jedoch nicht. Und für Personal, zusätzlich zum über den Bundesfreiwilligendienst tätigen Platzwart, oder für Dienstleister fehle einfach das Geld.Umso mehr ärgert es die Vereinsmitglieder, dass sich immer öfter Besucher nicht an die Spielplatzordnung halten. „Hunde werden trotz Leinenpflicht und Kotverbot frei laufen gelassen und ihre Geschäfte machen Herrchen oder Frauchen meist nicht weg. Dabei sind genügend Papierkörbe vorhanden“, kritisiert Hofmann. Denn nicht nur Vereinsmitglieder würden bei Kontrollen oder beim Arbeiten ständig in Tretminen laufen. Auch für die spielenden Kinder sei, so Hofmann, Hundekot unschön und eine gesundheitliche Gefahr.

Immer wieder Randale und Müll

Gefährlich sind auch Splitter achtlos weggeworfener Flaschen. In den Abendstunden, auch das ist trotz Platzordnung und erfolgender Polizeistreifen weiterhin ein Problem, wird gefeiert und randaliert. Meist sind es Jugendliche. „Als wir heute zum Arbeitseinsatz kamen, lagen beispielsweise verbrannte Mund-Nasen-Masken, Müll und Unrat und kaputte Flaschen rum – und sogar das für Besucher aufgestellte Dixi-Klo war umgeworfen worden“, erzählt Stefan Hofmann verärgert. Und obwohl nicht alle schätzen, was aus Steuergeldern und freiwilliger Arbeit in Krauschwitz entstand und entsteht, arbeiten die Vereinsmitglieder weiter, lassen sich nicht entmutigen. Nachdem seit Sommer dieses Jahres alle Spielgeräte stehen, fehlt nur der begehbare Stollen im Seilbahn-Berg. Seine Errichtung laufe, so Hofmann, über die Geopark-Geschäftsstelle. Denn die „Abenteuer Gletscherwelt“ liegt, wie ganz Krauschwitz, mitten im Unesco-Geopark Muskauer Faltenbogen. Da der durch die Eiszeit entstand, trägt der Spielplatz einen entsprechenden Namen, wird Krauschwitz als „Eiszeitdorf“ touristisch beworben.

Spielplatz als Geopark-Attraktion

Denn letztlich, weiß Stefan Hofmann, seien Platz und Gemeinde für Besucher eine Attraktion im sächsischen Teil des Geoparks. „Daher haben wir in Krauschwitz auch geschichtliche Rundwege, einen Geo-Pfad zum Drachenberg und einiges mehr in Planung“, unterstreicht Rolf Seilberger, der sich im Arbeitskreis Eiszeitdorf des Neißeland-Vereins für die touristische Geopark-Entwicklung und die des Eiszeitdorfs engagiert. Und dazu gehören für ihn, Birgit Trepzik und viele andere Vereinsmitglieder auch Arbeitseinsätze am Spielplatz.

Beim jüngsten Einsatz wurden zehn Kubikmeter Laub entsorgt. „Dankenswerterweise hat uns die Niederschlesische Entsorgungsgesellschaft dafür einen Container gesponsort“, sagt Stefan Hofmann. Wie er weiter erzählt, sei vor dem Arbeitseinsatz auch die Abwasseranbindung auf dem Gelände, größtenteils durch Eigenleistung des Vereins, erfolgt. Nun suche man noch ein Förderprogramm, mit dem bald eine öffentliche Toilettenanlage im Bungalow errichtet werden kann. Denn schon im Frühjahr 2022 werde die Ringleitung für die Strom und Wasser gebaut. „Das Material ist schon da. Es fehlt im Verein nur an Zeit“, gesteht der Vorsitzende.

Dies gelte auch für den zusätzlichen Parkplatz vorm Bungalow, den künftig Senioren, Behinderte und Eltern mit Kinderwagen nutzen können. „Der Platz ist vorbereitet. Doch er muss noch beschildert werden.“ Eine Art Zaun samt Beschilderung, in dem Fall mit mietbaren Werbeflächen, soll zudem zwischen Park- und Spielplatz entstehen. Zum einen, um eine räumliche Unterbrechung zu schaffen. Zum anderen, damit Radfahrer nicht mehr über Anpflanzungen quer durchs Gelände rasen können – obgleich auch dies laut Platzordnung untersagt ist. Aber auch dafür fehlten dem Verein bislang Zeit und Helfer. Deshalb werden ebenfalls erst 2022 die Mehrgenerationen-Trainingsgeräte auf dem Stadion-Rundweg aufgestellt.

Wettbewerb für Namenssuche

Personal sowie Geld sind die größten Probleme beim Unterhalt und der Weiterentwicklung des Spielplatzes. Denn nicht alles kann kommunal unterstützt oder mit Fördermitteln bezahlt werden, zu denen der Verein zudem eigenes Geld zuschießen muss. Das sollen öffentliche Feste, Veranstaltungen und Vermietung bringen. Das fiel seit Corona aus. Nun plant der Verein zusätzlich mit Werbeflächen und Spendenbox. Für beides, sagt Hofmann, gäbe es Nachfragen.

Was die Box betreffe, so habe man jedoch nach einer Möglichkeit gesucht, die das Thema Eiszeit und Geld verbinde. Bei Recherchen sei man auf einen Hersteller von witterungsbeständigen Figuren gestoßen, deren Inneres als Spendenbox fungiert. „Dieser witzige Kerl hier, der im Eingangsbereich aufgestellt und verankert wird, ist das Ergebnis“, erklärt Stefan Hofmann und zeigt auf den „Liebling“ von Birgit Trepzik. „Natürlich soll er einen Namen bekommen. Doch dafür planen wir 2022 einen öffentlichen Wettbewerb.“

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