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Viel Herz für den Tierpark Weißwasser

Am Jahresende gaben sich Spender die Klinke in die Hand. Entwarnung für den geschlossenen Zoo heißt das aber nicht.

Wie die Weißhandgibbons sehnen sich auch andere Bewohner im Tierpark Weißwasser nach Publikum. Der Zoo ist wegen Corona seit dem 2. November geschlossen.
Wie die Weißhandgibbons sehnen sich auch andere Bewohner im Tierpark Weißwasser nach Publikum. Der Zoo ist wegen Corona seit dem 2. November geschlossen. © Constanze Knappe

Weißwasser. Das hätte sich Gert Emmrich nie und nimmer träumen lassen. Obwohl der Tierpark Weißwasser seit dem 2. November 2020 wegen der Corona-Schutzverordnung in Sachsen geschlossen ist, gaben sich am vorletzten Tag des alten Jahres die Leute beim Tierparkleiter die Klinke in die Hand. Es waren Menschen, denen die Einrichtung sehr am Herzen liegt.

Wie Familie Fischer aus Weißwasser. Sie hatte vom Spendenaufruf des Tierparks in der Zeitung gelesen. Selber im Besitz einer Jahreskarte waren sich die Eltern Tanja und Florian Fischer schnell einig, dass man da unbedingt helfen müsse. „Gerade mit Kindern ist ein Ausflug in den Tierpark Weißwasser immer wieder perfekt“, begründen sie. Sie und Tochter Francis (11) sind Fans der Affenbande, der Weißhandgibbons wie auch der Kapuziner-Äffchen.

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Fischers wollten aber nicht einfach nur so Geld sammeln. So entstand die Idee, Weihnachtssterne zu basteln. Anfang Dezember fingen sie damit an. An die 300 sind es am Ende geworden. Zunächst waren Ideen gefragt, wie man die Sterne verkaufen könne, denn der Tierpark-Shop ist wegen der Pandemie geschlossen. So fragte Familie Fischer zuerst Freunde, Bekannte und Kollegen. Die Bascetta-Sterne wurden nicht zu einem festen Preis verkauft, wer einen (oder mehrere) haben wollte, konnte sich die Sterne aussuchen und gab dafür nach Gutdünken einen Obolus. Große Hilfe kam von der Bahnhof-Apotheke in Weißwasser. Deren Inhaberin Margit Lange bot nicht nur einen Aufsteller für die Sterne an, sondern nahm auch selber eine ganze Anzahl ab. Ursprünglich hatten Tanja und Florian Fischer mit einem Erlös um die 100 Euro gerechnet. Dass die Aktion sage und schreibe 1.200 Euro einbrachte, machte sie sprachlos. Zusammen mit Tobias Jäckel, einem Freund der Familie, überbrachten sie nun die letzten Sterne samt der Spende.

Maria Hasse und Diana Ganick vom Pflegeheim „Waldidyll“ Gablenz überreichen Tierparkleiter Gert Emmrich (v.li.) eine Spende über 500 Euro.
Maria Hasse und Diana Ganick vom Pflegeheim „Waldidyll“ Gablenz überreichen Tierparkleiter Gert Emmrich (v.li.) eine Spende über 500 Euro. © Constanze Knappe
Tobias Jäckel und Florian Fischer bringen Tierparkleiter Gert Emmrich (v.li.) Weihnachtssterne und eine Spende von 1.200 Euro aus ihrer Sterneaktion für den Tierpark.
Tobias Jäckel und Florian Fischer bringen Tierparkleiter Gert Emmrich (v.li.) Weihnachtssterne und eine Spende von 1.200 Euro aus ihrer Sterneaktion für den Tierpark. © Constanze Knappe

Keine fünf Minuten später rückte eine Abordnung aus dem Pflegeheim „Wald-idyll“ in Gablenz an. Hauswirtschaftsleiterin Diana Ganick und Altenpflegerin Maria Hasse übergaben Gert Emmrich 500 Euro. Bei Facebook hatte Diana Ganick von der Notlage des Tierparks Weißwasser gelesen. Sie erzählte das den Mitarbeitern und stellte eine Spendenbox auf. Zum Schluss wurde die Summe aufgerundet. Bis vor einigen Jahren gab es regelmäßig Ausfahrten des Pflegeheims zu Festen in den Tierpark, doch seit die Bewohner des „Waldidyll“ kaum noch mobil sind, ging das nicht mehr. Und nun wegen Corona schon gar nicht. Dennoch wollten die Mitarbeiter die für die Region so bedeutsame Einrichtung unterstützen. Diana Ganick nutzte den kurzen Besuch im Zoo gleich noch, um sich über eine Tierpatenschaft zu informieren. Am liebsten für eine Schnee-Eule.

Gert Emmrich kam an diesem vorletzten Tag des Jahres 2020 aus dem Staunen nicht heraus – über so viel unverhoffte Hilfe. In den Tagen vor Weihnachten hatte er viele Urkunden über Tierpatenschaften ausgestellt. Sie lagen 2020 als besonderes Geschenk unter vielen Christbäumen. Aus ganz Deutschland kamen Anfragen von ehemaligen Weißwasseranern. Einwohner der Stadt spendeten wie auch Unternehmen aus Weißwasser und der Umgebung. Sie alle verbindet die Sorge, dass der kleine Tierpark wegen der nun schon zweiten langen Corona-bedingten Schließung womöglich ganz dichtmachen müsste. Dies nicht zuzulassen, wurde auch in den sozialen Medien immer wieder diskutiert.

Verluste zum Teil abgefangen

Um die 45.000 Euro Verluste sammelten sich bisher durch die Schließungen an. Und anders als nach dem ersten Lockdown im Frühjahr sei nach einer Wiedereröffnung im Winter nicht zu erwarten, dass Besucher den Tierpark stürmen. Deshalb rechnet Gert Emmrich damit, dass die Einrichtung spätestens im Januar/Februar in ernsthafte finanzielle Schwierigkeiten gerät.

So weit aber wollen es die Freunde des Tierparks Weißwasser nicht kommen lassen. Um den Betrieb auch ohne Einnahmen aufrechterhalten zu können, gingen bislang Spenden in Höhe von 30.000 Euro ein. „Darüber sind wir sehr froh“, sagt Gert Emmrich dankbar. Und auch darüber, dass so viele neue Tierpaten den Zoo unterstützen. Die Tierpatenschaften 2020 brachten weitere 5.000 Euro (zum Vergleich 2019: 2.000 Euro) ein. Mit all dem Geld könne ein großer Teil der Verluste ausgeglichen werden. Entwarnung kann der Tierparkleiter aber trotzdem nicht geben. Vorerst bis 10. Januar bleibt der Zoo in Weißwasser wegen des Corona-Lockdowns geschlossen. Doch wie inzwischen zu vernehmen ist, werden sich die Ministerpräsidenten mit der Bundeskanzlerin am heutigen Dienstag wohl auf eine Verlängerung einigen.
Normalerweise vertreten sich viele Besucher über die Weihnachtsfeiertage und den Jahreswechsel im Tierpark die Beine zwischen Gänsebraten und Rosinenstollen. Das musste diesmal leider ausfallen. 2020 zählte der Zoo insgesamt 36.000 Besucher. Das ist angesichts der monatelangen Schließung kein so schlechtes Ergebnis (im Vergleich 2019: 38.000 Besucher). Das, wie auch die große Spendenbereitschaft würde zeigen, „dass der Tierpark Weißwasser ein Anziehungspunkt in der Region ist, auch wenn man noch viel machen muss“, erklärt Gert Emmrich.

Im Zoo hofft man nun, dass das neue Jahr in nicht allzu ferner Zukunft „halbwegs wieder Normalität“ bringt. Bis auf einen Kollegen, der in Quarantäne musste, sind bisher alle Mitarbeiter gut durch die Corona-Pandemie gekommen. Und in Frankreich wartet noch immer ein junger Luchs auf seine Übersiedlung nach Weißwasser. Der Transporter, der diesen Spezialauftrag ausführen sollte, hing wegen der Pandemie tagelang in Großbritannien fest. „Es wird hoffentlich im Januar“, wünscht sich der Tierparkleiter. Denn das Gehege ist schon lange vorbereitet. Zudem soll der Luchs auch nicht alleine bleiben.

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Spenden: Förderverein Tierpark Weißwasser e. V., Spendenkonto bei der Sparkasse Oberlausitz-Niederschlesien, IBAN: DE14 8505 0100 0070 0566 50, Verwendungszweck: Hilfe für den Tierpark.

Kontakt: 03576 208366 oder www.tierpark-weisswasser.de

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