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Was Bürgermeister Weihnachten bewegt

Vier Bürgermeister aus dem Norden des Landkreises erzählen, wie sie Weihnachten erleben, was sie sich und ihrer Gemeinde wünschen.

Von Constanze Knappe & Sabine Larbig
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© Symbolfoto: dpa

Kommunalpolitiker stehen ganzjährig im Fokus der Öffentlichkeit. Dies gilt auch und gerade für Bürgermeister. Immerhin lenken sie die Geschicke der Gemeinden und Städte, wodurch Politik (und ihre Folgen) für die Menschen direkt miterlebbar wird, nicht mehr abstrakt scheint. Doch Bürgermeister sind auch Privatpersonen. Gerade zu Weihnachten. Hier lernen Sie sie von einer ganz anderen Seite kennen.

Torsten Pötzsch, Weißwasser:

Wie sieht bei Ihnen ein typischer Heiligabend-Tag aus? Mehrere gute Freunde haben Heiligabend Geburtstag; die bekommen alle morgens einen Anruf. Gemeinsames Frühstück, Vorbereitungen für die Bescherung, Telefonate mit lieben Menschen. Ich besuche Leute (unter Corona-Beachtung), die an dem Tag für andere Menschen da sind, um einfach Danke zu sagen. Die Bescherung ist natürlich für die Kinder das Größte. Abends ist Zeit für Ruhe und Entspannung. Meine Schwester und mein Vater kommen zu Besuch, wir machen gemeinsam ein Raclette.

Nach welchen Kriterien suchen Sie Ihren Weihnachtsbaum aus, wird er traditionell oder jährlich anders geschmückt? Ganz bunt. Mit getrockneten Orangenscheiben, Holzspielzeuganhängern, kleinen Holzfiguren; einen Weihnachtsstern als Spitze. Eine schöne Nordmanntanne hat mein ältester Sohn mit mir ausgesucht. Am 3. Advent haben wir unseren Baum aufgestellt mit großen und kleinen Lichtern. Licht ist Hoffnung. Weihnachten ist Familie, Freude, Hoffnung und Frieden.

Was hätten Sie gern auf’m Gabentisch? Ich bin kein materieller Mensch. Mir macht ein extra rausgesuchtes Gedicht, ein Fotokalender, eine persönliche Karte Freude. Wenn wir gesund sind, Zeit füreinander haben, ist mein größter Wunsch erfüllt.

Was hat Sie persönlich in diesem Jahr am meisten bewegt? Es ist der Tod meines Freundes, OB-Vertreters und Ratskollegen Hartmut Schirrock infolge einer Covid-19-Infektion. Und weitere Menschen, die mir nahe standen, sind an den Folgen dieser Krankheit gestorben, wie unser Pfarrer der evangelischen Kirche, Martin Zinkernagel.

Welches Ereignis prägte aus Ihrer Sicht als Kommunalpolitiker 2021 besonders? Das ist eine schwierige Frage. Wenn ich das Auf und Ab von Corona – zwischen Hoffnung und Verzweiflung – rauslasse, war es der Volkshausbrand. Wir haben die Aufgabe, das Identifikationsmerkmal mit Ideen und Mut in die Zukunft zu retten.

Wann haben Sie zuletzt ein Buch gelesen oder einen Film gesehen und weshalb nahmen Sie sich gerade dafür Zeit? Ich habe mit meinem Sohn den Zeichentrickfilm „Tabaluga & Leo – Der Weihnachtsfilm“ gesehen. Diese Augenblicke sind unbezahlbar. Ein neues Buch zu lesen, muss leider auf sich warten lassen.

Haben Sie ein Lebensmotto? Ich glaube, mehrere, aber eines lautet „Den Optimismus nie verlieren!“. Auch wenn es manchmal schwerfällt.

Was wünschen Sie sich, Ihrer Kommune und den Einwohnern für 2022?Den Gemeinschaftssinn und seine Gestaltungskraft wieder neu entdecken. Viel Gesundheit, Zuversicht und Miteinander.

Jörg Funda, Schleife:

Wie sieht bei Ihnen ein typischer Heiligabend-Tag aus? Ab etwa 14 Uhr sind wir fertig mit den Vorbereitungen. Wir feiern immer im familiären Kreis, meist sind wir so 12 oder 13 Leute. Um 17.30 geht’s in die Kirche, gegen 19 Uhr haben wir Bescherung und essen gemeinsam Abendbrot. Danach mache ich Feuerzangenbowle – die zum Schluss immer etwas gehaltvoller wird.

Nach welchen Kriterien suchen Sie Ihren Weihnachtsbaum aus, wird er traditionell oder jährlich anders geschmückt? Meine Frau sucht ihn bei Strucks aus, ich schmücke das meiste und meine Frau ordnet das Ganze. Traditionell in Rot und/ oder Gold. Niemals bunt.

Was hätten Sie gern auf’m Gabentisch? Ein neues Wakeboard, mein altes ist zu Bruch gegangen.

Was hat Sie persönlich in diesem Jahr am meisten bewegt? Als wir im Sommer in Familie wieder (zwar mit Einschränkungen) Urlaub machen konnten, war das einfach schön. Ein besonders tolles Erlebnis war die Besteigung des 2.744 Meter hohen Paternkofel mit meinem Bergkameraden Holger Klein. Das ist zwar ein nicht allzu komplizierter Berg, aber mit einer grandiosen Aussicht. Das bleibt im Kopf, für lange Zeit.

Welches Ereignis prägte aus Ihrer Sicht als Kommunalpolitiker 2021 besonders? Ganz klar Corona, wie wir damit umgehen, was es für uns bedeutet. Natürlich auch alles, was mit dem Strukturwandel zusammenhängt. Wir erleben in dem Kontext täglich, wie wichtig Verlässlichkeit ist.

Wann haben Sie zuletzt ein Buch gelesen oder einen Film gesehen und weshalb nahmen Sie sich gerade dafür Zeit? Ich lese gerade „Rettet die Demokratie“ von Dirk Neubauer, es beschreibt sehr gut die derzeitigen Probleme, zeigt aber auch Lösungsmöglichkeiten auf. Ich finde hier interessante Ansätze für meine Arbeit.

Haben Sie ein Lebensmotto? Das Glas ist halb voll. Immer.

Was wünschen Sie sich, Ihrer Kommune und den Einwohnern für 2022? Das kann ich zusammenfassen: Gesundheit, allen. Und dass wir gemeinsam die Dinge anfassen, die wir bewegen wollen; dass wir bei den Sachen, die uns trennen, trotzdem beieinanderbleiben. Leider erleben wir derzeit, dass das in vielerlei Hinsicht nicht so ist. Daher, gerne kritisch in der Sache, aber niemals unsachlich oder gar beleidigend.

Ralf Brehmer, Rietschen:

Wie sieht bei Ihnen ein typischer Heiligabend-Tag aus? Der Tag beginnt mit verspätetem Frühstück. Anschließend wird der Weihnachtsbaum geschmückt. Danach wird er mit etwas Glühwein im Familienkreis „schön getrunken“. Später besuchen uns die Eltern meiner Frau, gemeinsam geht es zum Gottesdienst, weil das ja Anlass fürs Weihnachtsfest ist. Im Anschluss sitzen wir zuhause zusammen, singen Weihnachtslieder, meine Frau spielt Akkordeon. Die Bescherung danach ist wichtiger Teil der Tradition. Dann folgt traditionelles Abendessen: Abernmauke, Weihnachtsbratwurst, von Schwiegereltern selbst gemachtes Sauerkraut. Abends wird meist Karten gespielt.

Nach welchen Kriterien suchen Sie Ihren Weihnachtsbaum aus, wird er traditionell oder jährlich anders geschmückt? Den Baum, immer heimische Kiefer, sucht Schwiegervater aus. Geschmückt wird er jedes Jahr anders. Es kommt auch vor, dass nur rot dekoriert wird. Einmal habe ich drangehangen, was unser Vorrat hergab, und es sah auch nicht schlecht aus.Was wünschen Sie auf dem Gabentisch?Mit Geschenken ist es schwierig. Eigentlich habe ich alles, was ich brauche. Den Wunsch nach Gesundheit aber kann selbst der Weihnachtsmann nicht erfüllen.

Was hat Sie 2021 am meisten bewegt? Ich freute mich sehr über den Anbau an unserem Kindergarten. Bewegt hat mich auch der Strukturwandel. Der Kurs muss an einigen Stellen korrigiert werden. Das Novembergespräch der Nordkreis-Bürgermeister mit dem Ministerpräsidenten gab mir wieder etwas Hoffnung.

Welches Ereignis prägte aus Ihrer Sicht als Kommunalpolitiker das Jahr besonders? Ich habe Perspektiven als Bürgermeister, Kreisrat, SPD-Mitglied. Mich bewegt die Pandemiebekämpfung. Es sorgt mich, dass sich einige von Wissenschaft abwenden und es der Politik schwer gelingt, Menschen mitzunehmen. Es freut mich, dass wir einen SPD-Bundeskanzler haben. Und ich sehe die Chance, dass die Gesellschaft durch Mischung der unterschiedlichen Politik-Ansätze besser werden könnte.

Wann haben Sie zuletzt ein Buch gelesen oder einen Film gesehen und weshalb nahmen Sie sich gerade dafür Zeit? Am Nachttisch liegen einige Bücher. Ich lese, wenn ich nicht schlafen kann. Es entspannt, lenkt von Tagesproblemen ab.

Haben Sie ein Lebensmotto? „Tu, was du kannst, mit dem, was du hast und dort, wo du bist“ (T. Roosevelt).

Was wünschen Sie sich, Ihrer Kommune und den Einwohnern für 2022? Wahrscheinlich könnte ich Seiten füllen von konkreten Projekten über Gesundheit, Zufriedenheit, Zusammenhalt bis zu einem Leben wie vor Corona.

Waldemar Locke, Trebendorf:

Wie sieht bei Ihnen ein typischer Heiligabend-Tag aus? Dieser Tag beginnt mit einem guten Frühstück, denn die Kinder sind ja da. Darüber bin ich sehr froh. Wegen der Pandemie waren meine Frau und ich zum Weihnachtsfest im vorigen Jahr allein.

Nach welchen Kriterien suchen Sie Ihren Weihnachtsbaum aus, wird er traditionell oder jährlich anders geschmückt? Zusammen mit unserem Sohn passe ich den Weihnachtsbaum ein, Frau und Tochter schmücken ihn dann. Ob Gold, Rot oder Weiß – das ist immer eine Überraschung. Das überlassen wir den Frauen.

Was hätten Sie gern auf’m Gabentisch? Geschenke, die mit Liebe ausgesucht wurden. Da lass’ ich mich überraschen.

Was hat Sie persönlich in diesem Jahr am meisten bewegt? Wenn aus dem 1396 erstmals erwähnten Dorf Mühlrose nach 624 Jahren der letzte Lkw fährt und Schicht im Schacht ist. Das ist, glaube ich, für alle Menschen hier sehr bewegend. Anderswo wird das leider nicht so wahrgenommen. Deshalb haben wir Bürgermeister aus dem Nordkreis am 6. November in Mühlrose die Mahnglocke geläutet, damit man deren Glockenschlag bis in die Bundesregierung hört.

Welches Ereignis prägte aus Ihrer Sicht als Kommunalpolitiker 2021 besonders? Dass das gesprochene Wort offenbar nichts mehr gilt. Mit dem Teilfeld Mühlrose sollte bis 2038 die Verstromung im Kraftwerk Boxberg gesichert werden. Das ist nun offenbar null und nichtig. Und auch die Verteilung der Gelder nach dem Strukturstärkungsgesetz läuft längst nicht so, wie wir uns das hier im unmittelbar kernbetroffenen Gebiet gewünscht hätten.

Wann haben Sie zuletzt ein Buch gelesen oder einen Film gesehen und weshalb nahmen Sie sich gerade dafür Zeit? Seit dem Nikolaustag lese ich „Das Weihnachtsschaf“ von Susanne Niemeyer. Das sind 24 schöne, aber auch sehr nachdenkliche Weihnachtsgeschichten.

Haben Sie ein Lebensmotto? Ich halte es mit Gandhi: „Die Zukunft hängt von dem ab, was du heute tust.“

Was wünschen Sie sich, Ihrer Kommune und den Einwohnern für 2022? Zuallererst Zuversicht und Gesundheit, wenn wir weiter durch das Tal der Pandemie gehen. Dass Corona endlich überstanden sein wird und wir uns wieder in Freiheit bewegen können. Dass wir in der Verwaltungsgemeinschaft Geld aus dem Strukturwandeltopf zur Entwicklung des Halbendorfer Sees bekommen. In Trebendorf haben wir noch viele Baustellen. Dort, wo man aufgehört hat, muss man wieder anfangen. Deshalb wünsche ich mir auch, dass Einsatz und Ideenreichtum die Einwohner weiterhin zusammenschweißen.

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