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Was Nochtener Bauern ihrem Pfarrer zu verdanken haben

In einer Lesung wurde jetzt an Bogumił Šwjela erinnert. Der Mitgründer der Domowina hat sich sehr für die Lebenslage der einfachen Menschen interessiert.

Von Andreas Kirschke
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In der Kulturscheune Nochten las jetzt die Historikerin Annett Bresan aus den Tagebüchern des einstigen Pfarrers Bogumił Šwjela. Unter den 30 Zuhörern war auch dessen Enkel Dietrich Schwela aus Essen.
In der Kulturscheune Nochten las jetzt die Historikerin Annett Bresan aus den Tagebüchern des einstigen Pfarrers Bogumił Šwjela. Unter den 30 Zuhörern war auch dessen Enkel Dietrich Schwela aus Essen. © Andreas Kirschke

Nochten. Nochten bewahrt sich die Erinnerung an seinen sorbischen Pfarrer, Redakteur und Sprachforscher Bogumił Šwjela (1873-1948). In der Šwjela-Kulturscheune stellte jetzt Annett Bresan, Historikerin und Leiterin des Sorbischen Kulturarchivs, ihr Buch „Aus dem Alltag eines wendischen Pfarrers. Die Tagebücher von Bogumił Šwjela. Gotthold Schwela 1897-1945“ vor.

Dazu eingeladen hatten der Domowina-Verlag, das Sorbische Institut und der Verein Šwjela-Scheune Nochten.Michał Nuk, Lektor für allgemeine und wissenschaftliche Literatur beim Domowina-Verlag, las auf Sorbisch und Deutsch Bogumił Šwjelas Notizen. Rund 30 Interessierte waren gekommen, darunter auch Dr. Dietrich Schwela aus Essen und Dr. Gerhard Schwela aus Erfurt (zwei Enkel des Pfarrers); ebenso eine Urenkelin und ein Urenkel. „Nochten war für meinen Großvater eine glückliche Zeit. Die Kirchengemeinde hat ihn geliebt und anerkannt. Diese Liebe war gegenseitig“, erzählte Dietrich Schwela: „Großvater hatte ein feines Gespür für die Lage der Menschen und für die Ressentiments gegen die Sorben.“

Von 1908 bis 1913 war Bogumił Šwjela (deutsch: Gotthold Schwela) Pfarrer in Nochten im Kirchenkreis Rothenburg/Weißwasser. Zur Pfarrgemeinde gehörten außerdem Boxberg, Tzschelln und Sprey. In den Heidedörfern lebten viele sorbische Kleinbauern. Notizen zu ihrer Lebenslage, zur Schule, zu Kirche und Zurückdrängung der sorbischen Sprache durch die deutsche Obrigkeit prägen seine Tagebücher.

Gerade die Nochtener Zeit des Pfarrers steht für sein Engagement. 1910 initiierte er den „Serbske ewangelske towarstwo we Wochozach“ (den Sorbischen Evangelischen Verein in Nochten). 1911 gründete er den lokalen Sparkassenverein. Dank ihm konnten die Bauern günstiger Getreide und Saatgut einkaufen. Der Pfarrer interessierte sich für ihre wirtschaftliche Lage. 1912 war Bogumił Šwjela in Hoyerswerda Mitgründer der Domowina. Er hielt den Gründungsvortrag, erläuterte Ziele und Bedeutung der Organisation. Auf seinen Vorschlag hin erhielt sie den Namen „Domowina“ (Heimat). „Darüber verrät sein Tagebuch wenig. Umso interessanter sind seine wenigen, in schriftlichen Quellen kaum zu fassenden Pläne zur Erschließung der Braunkohlenvorkommen durch die einheimische Bevölkerung und eines sozialreformerischen Siedlungsprojektes“, so Bresan.

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Das Sorbische Kulturarchiv erhielt 2009 Šwjelas Tagebuch: vier A5-Hefte, ein A6-Notizbuch, gebundene Fragmente und Einzelblätter. Das Original ist durchgängig mit Hand geschrieben und zweisprachig: entweder niedersorbisch (mitunter obersorbisch) oder deutsch verfasst. In intensiver Abschreib- und Übersetzungsarbeit erschloss Annett Bresan die Inhalte. Sie beließ dabei Quellen so original wie nur möglich. „Ohne Schön- und Schwarzfärbung schreibt Šwjela, wenn auch sehr episodenhaft“, sagte die Historikerin. Er schrieb wenig über sich. Vielmehr notierte er Beobachtungen und Erfahrungen des Alltags. Das Tagebuch ist kein vergnügliches Lesebuch. Der Leser muss sich damit sprachlich und inhaltlich auseinandersetzen.“

Lesetipp: „Aus dem Alltag eines wendischen Pfarrers. Die Tagebücher von Bogumił Šwjela. Gotthold Schwela 1897-1945“. Domowina-Verlag Bautzen 2022. Veröffentlicht in der Reihe Schriften des Sorbischen Instituts.ISBN-Nr.: 978-3-7420-2264-6. Preis: 34,90 Euro.

Offizielle Eröffnung der Šwjela-Scheune ist am 18. September (10 Uhr) mit dem 6. Hof- und Erntedankfest.

Ein Sorbisch-Kurs über biblische Texte beginnt am 2. September 17 Uhr in der Šwjela-Scheune. Er richtet sich an Pfarrer, Lektoren, Prädikanten und alle Interessierten. Anmeldungen bis 26. August bei Pfarrer Daniel Jordanov unter Telefon 035895 50212 oder Email: [email protected]

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