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Wasser marsch im neuen Wasserwerk Boxberg

Für 13 Millionen Euro wurde die Trinkwasserversorgung für den Nordkreis zukunftssicher gemacht. Ein Mammutprojekt.

Von Constanze Knappe
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Blick in die neue Filterhalle mit unterirdischem Bediengang. Bis Ende November läuft noch der Probebetrieb.
Blick in die neue Filterhalle mit unterirdischem Bediengang. Bis Ende November läuft noch der Probebetrieb. © Constanze Knappe

Frisch gezapft, so schmeckt es am besten. Das gilt offenbar nicht nur für Biere aller Art, sondern ebenso für Leitungswasser. Dass es hervorragend schmeckt, bestätigten die Bürgermeister der Mitgliedsgemeinden des Wasserzweckverbands (WZV) Mittlere Neiße – Schöps am Mittwoch nach einem Probeschluck. Es war der symbolische Ausdruck der Inbetriebnahme des neuen Wasserwerks in Boxberg.

Ausgelegt ist es auf eine mittlere Wasserproduktion von 5.600 Kubikmeter pro Tag. An heißen Sommertagen können es durchaus auch 12.800 Kubikmeter sein. Das Wasserwerk wird 35.000 Menschen in Weißwasser sowie in den acht WZV-Gemeinden zuverlässig und sicher mit Trinkwasser versorgen – in hoher Qualität. Denn wie es am Mittwoch hieß, wurden bei der intensiven Beprobung keinerlei Spurenstoffe wie Pestizide, Arzneimittel und dergleichen festgestellt. Kurzum: Es ist hygienisch einwandfreies Wasser. Aber nicht, weil es so gemacht wird, sondern weil es so aus der Erde kommt, lediglich über Kalkstein filtriert. Für die Trinkwasserversorgung werden pro Jahr 500.000 Kubikmeter Wasser aus dem Bärwalder See entnommen, weitere 1,5 Millionen Kubikmeter aus dem unterirdischen Abstrom des Sees.

Es schmeckt, freuen sich die Bürgermeister der WZV-Mitgliedsgemeinden bei einem Probeschluck: Andreas Lysk (Weißkeißel), Achim Junker (Boxberg), Dietmar Noack (Gablenz), Dr. Andreas Eckardt, Referat Siedlungswasserwirtschaft und Trinkwasser des Sächsischen Umweltministeriums, Jörg Funda (Schleife/v.li.).
Es schmeckt, freuen sich die Bürgermeister der WZV-Mitgliedsgemeinden bei einem Probeschluck: Andreas Lysk (Weißkeißel), Achim Junker (Boxberg), Dietmar Noack (Gablenz), Dr. Andreas Eckardt, Referat Siedlungswasserwirtschaft und Trinkwasser des Sächsischen Umweltministeriums, Jörg Funda (Schleife/v.li.). © Constanze Knappe
Inmitten weiterer Beteiligter nimmt der WZV-Verbandsvorsitzende Achim Junker (Mitte) das Werk in Betrieb.
Inmitten weiterer Beteiligter nimmt der WZV-Verbandsvorsitzende Achim Junker (Mitte) das Werk in Betrieb. © Constanze Knappe
Das 1985 errichtete alte Wasserwerk in Boxberg geht bald vom Netz und wird 2022 abgerissen.
Das 1985 errichtete alte Wasserwerk in Boxberg geht bald vom Netz und wird 2022 abgerissen. © Constanze Knappe

Das Vorhaben wurde unter maßgeblicher Mitwirkung der Stadtwerke Weißwasser realisiert. Es beinhaltet den Bau einer Wasserfassung am See, einer zwei Kilometer langen Rohwasserleitung, die Sanierung der Reinwasserbehälter sowie den Neubau eines Wasserwerks. Zunächst war beabsichtigt, das bisherige, 1985 errichtete Wasserwerk durch Umbau zu erweitern. Während der umfangreichen Planungen stellte sich jedoch heraus, dass ein Ersatzneubau in der Investition zwar teurer, die Kosten insgesamt auf die lange Betriebszeit gerechnet jedoch günstiger wären.

Nur ein Jahr seit dem Spatenstich

Spatenstich und Grundsteinlegung vollzogen Ministerpräsident Michael Kretschmer und der Boxberger Bürgermeister und WZV-Vorsitzende Achim Junker (beide CDU) am 19. Juni 2020 wegen der Corona-Einschränkungen in Einem und nur in kleinem Kreis. Zwar regnet es im Nordkreis deutlich weniger als anderswo in der Oberlausitz, aber an jenem Tag schüttete es wie aus Eimern. Alle Beteiligten nahmen das als ein gutes Omen. Jetzt wurde zwar in einem etwas größeren Rahmen, aber immer noch unter Corona-Regeln, gefeiert. Allerdings ohne Landeschef Michael Kretschmer, der sich in Quarantäne befindet.

„Die Inbetriebnahme ein Jahr nach dem Spatenstich ist aus Berliner Sicht geradezu eine blitzartige Realisierung“, so Dr. Gero von Daniels, Leiter der Bund-Länder-Geschäftsstelle Braunkohlensanierung. Da der Neubau im früheren Bergbau begründet sei, habe der Steuerungs- und Budgetausschuss (Stuba) entschieden, einen Großteil der Investitionskosten zu übernehmen. Weil es sich dabei um Steuergelder handelt, müssen solche Beschlüsse immer einstimmig gefasst werden. Persönlich freue es ihn sehr, „dass es gelungen ist, die teilweise schwierigen finanziellen Fragen zu lösen, ohne dass Gerichte bemüht werden mussten“. 13 Millionen Euro, einschließlich aller Planungskosten, stehen zu Buche. Zehn Millionen Euro steuert der Bergbausanierer LMBV auf Beschluss von Stuba bei.

„Die Versorgung mit Trinkwasser ist eine der wichtigsten Aufgaben der kommunalen Daseinsvorsorge“, betonte Dr. Andreas Eckardt. Seit 2008 begleitet der Referatsleiter Siedlungswasserwirtschaft und Trinkwasser im Umweltministerium das Vorhaben. Erste Gedanken zur Notwendigkeit einer bergbauunabhängigen Wasserversorgung waren schon 2007 diskutiert worden. In den Folgejahren erschien die Versorgung aus dem Wasserwerk Sdier die beste Lösung. Sie hätte die Erweiterung des dortigen Wasserwerks und den Bau einer 20 Kilometer langen Leitung, teilweise durch ein Naturschutzgebiet, bedeutet.

Klimasicher und wirtschaftlich

Im Jahr 2015 präsentierten die Planer im Rathaus Weißwasser eine ganz andere Lösung. Und diese brachte, wie man heute weiß, den Durchbruch! Der Bärwalder See in dem gefluteten Tagebaurestloch hatte sich viel schneller erholt als angenommen – mit Wasser in sehr guter Qualität. Noch 2015 gab es grünes Licht von der obersten Wasserbehörde in Dresden. Bis zur Umsetzung dauerte es aber weitere sechs Jahre. Dabei konnten die Investitions- und Betriebskosten deutlich gesenkt werden. Dank der kooperativen Zusammenarbeit aller Beteiligten wurde eine Lösung gefunden, „die dauerhaft, sicher, klimasicher und wirtschaftlich vertretbar ist“.

Bis Ende November läuft im neuen Wasserwerk der Probebetrieb. Abnehmer in Weißwasser und dem WZV werden aktuell durch Mischwasser aus Boxberg und Schwarze Pumpe versorgt. Ende 2022 geht das dortige Wasserwerk vom Netz, wird bis dahin vollständig auf Boxberg umgestellt. Wie Achim Junker versicherte, „wird das Wasser aufgrund der neuen Anlage nicht teurer“. Aber mittelfristig werden die Kosten in die Kalkulation der Preise einfließen.

Die zuverlässige Versorgung mit sauberem Trinkwasser ist aber nicht nur Voraussetzung dafür, dass sich Menschen ansiedeln, wie Staatssekretär Dr. Gerd Lippold betonte, sondern „eröffnet den Transformationsregionen auch neue Chancen im Strukturwandel“. Nach den Investitionen in Boxberg soll ein Trinkwasserverbund Lausitz künftig die optimale Nutzung des Wassers bei regionaler Verteilung garantieren. Allein für den Abschnitt Weißwasser wurden im ersten Regionalen Begleitausschuss Lausitz acht Millionen Euro aus dem Strukturwandelfonds bewilligt.

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