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Wehren aus dem Nordkreis Görlitz helfen in der brennenden Sächsischen Schweiz

Die Kameraden verlegen Schlauchleitungen für das Löschwasser ins Gebirge. Und sie sichern den Grundschutz in Bad Schandau, um im Ernstfall einsatzbereit zu sein.

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Großer Bahnhof am vergangenen Freitag im Depot der Freiwilligen Feuerwehr von Bad Muskau. Viele Schaulustige und Feuerwehrmänner waren angetreten, um den neuen Rüstwagen feierlich in Empfang zunehmen.
Großer Bahnhof am vergangenen Freitag im Depot der Freiwilligen Feuerwehr von Bad Muskau. Viele Schaulustige und Feuerwehrmänner waren angetreten, um den neuen Rüstwagen feierlich in Empfang zunehmen. © Constanze Knappe

Wenn über einem Hubschrauber alle vier Minuten Wasser abwerfen und unter einem die verbrannte Erde glüht, habe das etwas Gespenstisches. „Fast wie im Krieg“, findet Dirk Enax sogar noch deutlichere Worte. Der für den Brand- und Katastrophenschutz der Stadt Bad Muskau zuständige Mitarbeiter war mitten in diesem Szenario – als Teil einer Abordnung der Feuerwehren des Görlitzer Nordkreises. Zur Unterstützung der Kräfte in der Sächsischen Schweiz hatte die Landesdirektion beim Landkreis Görlitz einen Katastrophenschutz-Löschzug Wasserversorgung angefordert, wie es fachmännisch heißt.

Am vergangenen Dienstag gegen 16 Uhr erging der Marschbefehl – an Feuerwehrleute in Bad Muskau, Sagar und Krauschwitz-West. Man traf sich in Weißkeißel. Von dort aus machte sich der Konvoi – bestehend aus einem Kommandowagen, zwei Löschfahrzeugen und einem Schlauchwagen mit 2.000 Metern Schläuchen sowie den dazugehörigen Besatzungen – unter Blaulicht auf den Weg. Zweieinhalb Stunden später wurden die Kameraden auf einem zum Stellplatz umfunktionierten Touristenparkplatz in Empfang genommen und zusammen mit der Feuerwehr Eckartsberg der Hauptfeuerwache in Bad Schandau zugeteilt.

Wie der Bad Muskauer Stadtwehrleiter Sebastian Krahl erzählt, hatten seine Kameraden „Grundschutz für das Territorium der Stadt Bad Schandau zu gewährleisten“. Während die dortige Feuerwehr gegen die Flammen in den Wäldern kämpft, sollten die Auswärtigen die Einsatzbereitschaft sichern, um bei einem Wohnungsbrand, einer Ölspur oder anderen Notfällen einzuspringen. Ein Ortskundler stand ihnen zur Seite. Einen Einsatz habe es nicht gegeben, sagt Dirk Enax. Er gehört der Feuerwehr Krauschwitz-West an, verstärkt tagsüber jedoch die Muskauer Stadtwehr zur Sicherung von deren Tageseinsatzbereitschaft.Im Laufe des Mittwochs wurde es für die Kameraden aus dem Nordkreis richtig ernst – mit dem Einsatzbefehl ins Waldgebiet. Sie hatten zwischen zwei Abschnitten eine stabile Schlauchleitung aufzubauen. Auftrag: Wasserversorgung an der Rübezahlstiege sichern! Damit das Wasser auf dem Berg ankam, war ein großer logistischer Aufwand nötig. „Aus der acht Kilometer entfernten Elbe wurde das Wasser ins Gebirge gepumpt. Dazu waren knapp 20 Kilometer Schläuche zu verlegen“, sagt Enax, an beiden Tagen als Führungsassistent im Kommandowagen vor Ort. Anderthalb Kilometer Schläuche verlegten die Wehren des Görlitzer Nordkreises.

An Brand bei Weißwasser erinnert

Im Bereich der Brandbekämpfung bekamen die Kameraden dann einen Eindruck von den großflächigen Brandstellen auf dem Kamm, an den Hängen und in den Schluchten. Ihr Gruppenführer Andreas Haertel fühlte sich unweigerlich an jenen Waldbrand vor 30 Jahren vor den Toren von Weißwasser erinnert, als es nur mit großer Mühe gelang, die Flammen von der Stadt fernzuhalten. Doch während man im Nordkreis Görlitz Kiefernwälder mit Wegen links und rechts hätte, sei das im Gebirge noch mal eine ganz andere Nummer.

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„Es ist ein unwegsames Gelände, wo die Feuerwehr schlecht ’rankommt und der Löscheinsatz richtig gefährlich ist“, schildert Enax die Situation. Selbst die Fahrt dahin mit den großen Feuerwehrautos auf den schmalen Waldwegen sei nicht ohne gewesen. Er beschreibt es als „große sportliche Aufgabe für die Maschinisten“. Wohlwissend, dass es den Kern nur annähernd trifft. Zwar hätten die Maschinisten regelmäßig fahrerische Fortbildungen im Gelände, aber die seien eben auf die üblichen Einsatzszenarien im Nordkreis Görlitz, auf das hügelige Gelände mit viel Sand, ausgerichtet. Das Elbsandsteingebirge sei da was ganz anderes. Auch hätten die Fahrer ja die Verantwortung für ihre Kameraden im Fahrzeug. Von „langwierig und kräftezehrend“ war die Rede. Bei Gegenverkehr sei es sogar richtig gefährlich geworden.

Dank der Anwohner motiviert

Am Mittwoch gegen 19 Uhr waren die 23 Kameraden aus Bad Muskau, Krauschwitz und Sagar wieder zu Hause. Nach einer „immensen Materialschlacht und hohem Kräfteverschleiß“, wie es hieß. Nach 28 Stunden Dauereinsatz waren sie zwar alle erschöpft, aber zum Glück wohlauf.

Die Versorgung der Einsatzkräfte im Elbsandsteingebirge funktioniere gut. Darüber hinaus kämen Privatleute aus der Umgebung, aber auch Firmen wie Bäcker und Fleischer, um Getränke und Verpflegung zu bringen – und sich für den Einsatz der Kameraden zu bedanken. „Das ist nicht selbstverständlich in der heutigen Zeit. Es macht die Arbeit leichter und ist ein Motivationsschub vor Ort“, weiß Dirk Enax.

Den werden sie alle brauchen. Noch immer sind die Feuer in den Wäldern des Nationalparks nicht aus. Deshalb erhielt am Donnerstag um 9 Uhr der 1. Löschzug Retten und Bergen den Marschbefehl. Mit dabei sind neben drei Kameraden aus Bad Muskau mit ihrem Rüstwagen für den Katastrophenschutz Männer der Ortswehren Schleife und Mulkwitz mit einem Hilfeleistungsfahrzeug und einem Kommandowagen. Ihnen zugeordnet ist die Feuerwehr Reichenbach. Nach Aussage von Sebastian Krahl halfen die 24 Leute mit, eine Riegelstellung aufzubauen, um zu verhindern, dass der Brand sich weiter ausbreitet. Beim großen Waldbrand 1992 vor Weißwasser war er sechs Jahre alt – zu jung, um sich bewusst daran zu erinnern. Die Dimension des Brandgeschehens in der Sächsischen Schweiz nötigt dem Bad Muskauer jetzt umso mehr Respekt ab.

Gefahr auch hier hoch

Auch hier besteht wegen der anhaltendem Trockenheit eine hohe Gefährdungslage in den Wäldern. Dirk Enax klopft dreimal auf Holz, dass in der Zeit ihres Einsatzes im Nationalpark in den Orten hier nichts passiert ist. Zwar wären umliegende Feuerwehren zur Stelle gewesen, doch hätte es die Kameraden dort zusätzlich belastet. Die Feuerwehr Bad Muskau musste 2022 bereits 44-mal ausrücken. Die Einsätze reichten von einer Havarie im Kraftwerk Boxberg, der Beseitigung von Sturmschäden wie auch von Gefahrengut an einer Tankstelle in Bad Muskau über den Brand an einem Nebengebäude in Haide bis hin zum Feldbrand in Kromlau. Der Einsatz bei den Waldbränden in der Sächsischen Schweiz ist einer der größten. Kaum jemand von den hiesigen Kameraden hatte so etwas zuvor schon einmal erlebt.

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