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Weißwassers erster Stadthonig

Wie sich die Stadtwerke mit ihrem Bienenprojekt für den Artenschutz engagieren – und was Kinder dabei lernen.

Mio, Linus, Lukas und Jannis (v.l.n.r.) aus der 3. Klasse der Pestalozzi-Grundschule Weißwasser kosten den ersten Stadthonig, den ein Bienenvolk der Stadtwerke Weißwasser GmbH (SWW) produziert hat. Der ist echt lecker, sind sie sich einig. Und obendrein
Mio, Linus, Lukas und Jannis (v.l.n.r.) aus der 3. Klasse der Pestalozzi-Grundschule Weißwasser kosten den ersten Stadthonig, den ein Bienenvolk der Stadtwerke Weißwasser GmbH (SWW) produziert hat. Der ist echt lecker, sind sie sich einig. Und obendrein © Constanze Knappe

Hmmm. Dass es den Drittklässlern der Pestalozzi-Grundschule Weißwasser schmeckt, ist nicht zu übersehen. Sie sind die Ersten, die den Honig frisch aus der Wabe kosten dürfen. Und der ist echt lecker. Da sind sich die Kinder schnell einig. Sie kommen in den Genuss der ersten Ernte eines Bienenvolks der Stadtwerke Weißwasser GmbH (SWW).

Im Frühjahr hatte der kommunale Ver- und Entsorger sein Bienenprojekt gestartet, um nach der Schmetterlingswiese im vorigen Jahr noch mehr gegen das Artensterben zu tun. Das firmeneigene Bienenvolk ist Teil der SWW-Nachhaltigkeitsstrategie. Fachlich begleitet wird das Projekt von Imker Jens Ebert. Der Zwickauer hat sein Hobby zum Beruf gemacht und betreut Unternehmen in ganz Sachsen, die sich in Sachen „Firmenbiene“ engagieren. Neben Banken seien es vor allem Stadtwerke, die die gesamtgesellschaftliche Verantwortung als ihre ureigenste Aufgabe verstehen würden, sagt er.

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Später Start im kalten April

Im Nordkreis sind die Stadtwerke Weißwasser das erste Unternehmen, welches summende Mitarbeiterinnen eingestellt hat. Gleich 12.000 an der Zahl. Wegen des kalten Frühjahrs konnte die Aktion aber erst später als gedacht starten. Mitte April wurde die Bienenbeute, also die hölzerne Behausung eines Bienenvolks, samt Innenleben hinter dem Heizhaus in Weißwasser Süd aufgestellt. Es schien „der perfekte Platz“ zu sein: Weitaus ruhiger, als es an dem zunächst beabsichtigten Standort an der SWW-Hauptverwaltung der Fall gewesen wäre. Und sonnig, aber nicht zu viel Sonne. Zudem konnten die Bienen von dort aus mit ihrem Tages-Flug-Radius von etwa drei Kilometern Obstbäume, Linden und viele andere Blüten erreichen.

Allerdings machte es ihnen Mutter Natur nicht gerade leicht: „Der April war viel zu kühl, um aus den ersten Blüten den Nektar zu sammeln“, so Jens Ebert. Nach den ersten warmen Flugtagen im Mai ist die Natur gegen Ende des Monats dann „regelrecht explodiert“. Mit dem plötzlichen Überangebot ging der Schwarmtrieb einher, also der Drang zur natürlichen Vermehrung eines Bienenvolks durch Teilung.

Umzug an die Kläranlage

Auch aus einem anderen Grund erwies sich der Platz am Heizhaus doch nicht so günstig wie anfangs gedacht. Denn im nahen Tagebau betreibt der Imkerverein Reichwalde/Vierkirchen eine sogenannte Belegstelle. Dort werden Königinnen gezüchtet. Um die Beeinflussung der Zuchtlinie auszuschließen, darf im Umkreis von sieben Kilometern kein anderes Bienenvolk aktiv sein. Der Abstand zu den Bienen am Heizhaus in Weißwasser Süd betrug 6,45 Kilometer. „Wir haben uns diplomatisch geeinigt“, sagt Jens Ebert schmunzelnd, was Volker Schönig vom Imkerverein bestätigt.

Imker Jens Ebert, der das Bienenprojekt der Stadtwerke betreut, hatte viele Fragen der Kinder zu beantworten. Einige wussten sogar schon recht gut Bescheid.
Imker Jens Ebert, der das Bienenprojekt der Stadtwerke betreut, hatte viele Fragen der Kinder zu beantworten. Einige wussten sogar schon recht gut Bescheid. © Constanze Knappe

Kurzerhand wurden die Stadtwerke-Bienen umgesiedelt. Seit Anfang Juni steht deren Bienenbeute nun an der Kläranlage Weißwasser am Halbendorfer Weg. Und dort wird sie wohl auch bleiben. Das Ambiente auf dem Gelände sei viel besser, findet nicht nur Jens Ebert. Die summenden Honigproduzentinnen wohl ebenso. Tatsächlich scheinen sich die Bienen dort so richtig wohl zu fühlen. Jedenfalls haben sie schon reichlich Nektar in Honig umgewandelt, in den Waben eingelagert und nach dem richtigen Reifegrad mit einer dünnen Wachsschicht überzogen. Alles in allem aber ist die Natur gut drei Wochen hinter dem Vorjahr zurück.

Zwei prall gefüllte Waben aus der Bienenbeute herauszuholen, ist an diesem Tag eine durchaus heikle Sache. Bei dem strömenden Regen hätten die Bienen „schlechte Laune“, wie Jens Ebert begründet. Damit die Verkostung nicht ins Wasser fallen muss, wurde ein Pavillon aufgebaut und ein Schaubienenkasten aufgestellt. Die Kinder erfahren beispielsweise, dass der Honig nicht vollständig aus der Beute geholt wird, da er den Bienen als Winternahrung dient. Sie staunen, dass eine Arbeitsbiene etwa drei Monate lebt und täglich bis zu 4.000 Blüten anfliegt. Vor Eifer sind die Mädels und Jungs ganz „hibbelig“. Und wie sich in der Quiz-Runde zeigt, ist das Thema für einige nicht ganz neu. Nach Aussage ihrer Lehrerin passt es super in den Unterricht und wird in der Schule fortgesetzt. Andere Klassen der Pestalozzi-Grundschule hätten ebenfalls Bedarf angemeldet.

Nächste Aktion mit dem Imkermobil

Wie von SWW-Sprecherin Bettina Brandt zu erfahren ist, sei die Nachfrage aus Kitas und Grundschulen zu dem Bienenprojekt riesengroß. Am 22. Juli kommt das Imkermobil nach Weißwasser. Dann werden Kinder einer weiteren Grundschule an mehreren Stationen ihr Wissen über Bienen und Honig erweitern. Zuguterletzt werden sie sogar den ersten Stadtwerke-Honig in Gläser abfüllen und diese etikettieren.

Um so viele Kinder wie möglich für das Thema zu interessieren, hatten die Stadtwerke Weißwasser zum Weltbienentag am 20. Mai einen Mal- und Bastelwettbewerb veranstaltet. 40 originelle Arbeiten wurden daraufhin von Kindern, Kitas und Hortgruppen eingereicht – und unter allen Beteiligten wurden dann fünf Pflanzgutscheine einer regionalen Baumschule verlost. Nach Aussage von Bettina Brandt seien Obstbäume und Beerensträucher nicht nur perfekt zum Naschen, sondern da würden sich auch die Bienen drüber freuen.

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Bei den Stadtwerken überlegt man derweil, ob sich zu dem einen Bienenvolk an der Kläranlage im nächsten Jahr nicht noch ein zweites hinzugesellt. Der naturbelassene Bienenhonig der ersten Ernte soll all jenen Kunden zugutekommen, die sich für ein Naturstromprodukt entscheiden.

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