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Weißwasser

Wer stoppt Kassel in dieser Form?

Die Lausitzer Füchse sind es am Sonnabend nicht. Sie verlieren bei den aufstiegswilligen Huskies 5:1.

Hier ist Brad Ross (Nummer 37) unter die Räder gekommen, am Ende ist es in Kassel die gesamte Füchse-Mannschaft.
Hier ist Brad Ross (Nummer 37) unter die Räder gekommen, am Ende ist es in Kassel die gesamte Füchse-Mannschaft. © Thomas Heide (Archiv)

Kassel/Weißwasser. Seit Dienstag stehen die Kassel Huskies da, wo sie erklärtermaßen hinwollen: An der Spitze der DEL 2 und damit auf Kurs erste Eishockeyliga. „Auch in schweren Zeite alles für den Aufstieg“ lautet ein Banner der Fans im dortigen Eisstadion. Waren die Füchse im November noch in der Lage, die Schlittenhunde 4:3 zu bezwingen, zeigte deren Formkurve seitdem so steil nach oben, dass klar war: Nur mit einer Vorstellung an der eigenen Leistungsgrenze konnte Weißwasser vom Auswärtsspiel am Sonnabend in Hessen etwas mitnehmen.

Acht der vergangenen neun Spiele hatten die Gastgeber gewonnen, dazu kam die bemerkenswerte Bilanz von durchschnittlich weniger als zwei Gegentoren pro Spiel. Wie die Huskies das geschafft hatten, bekam Weißwasser ab der ersten Minute zu spüren. Physisch stark schlossen die Kasseler die Räume, zeigten sich in jeder Zone des Feldes extrem hungrig auf den Puck und ließen den Füchsen kaum Raum zur eigenen Entfaltung.

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Oft viel zu zaghafter Widerstand

Bei zwei Riesenchancen machten die Kasseler Stürmer Bekanntschaft mit Füchse-Goalie Mac Carruth, der jeweils aus kuzer Entfernung parierte. Carruth war schnell warm geschossen, während seine Vorderleute kaum konstruktive Angriffe zu Ende brachten. Kale Kerbashian zog mal über links an, zielte aber am Dreiangel vorbei. Weißwasser war mit der Abwehrarbeit mehr als genug gefordert, die Zweikämpfe gingen meist an die Spieler der Huskies – phasenweise konnte man beim Zuschauen wähnen, man sei bei jenem Privatsender gelandet, auf dem sich Bud Spencer den Weg durch das Festtagsprogramm bahnte. So wenig hatte Weißwasser mitunter entgegenzusetzen. Beeindruckend, wie ein Kassler Verteidiger Feodor Boiarchinov bei dessen Breakchance noch einholte und beinahe spielerisch von der Scheibe trennte.

Weit weg von der Form, die es gebraucht hätte, um Kassel gefährlich zu werden, sei man an dem Tag gewesen, gab Füchse-Coach Corey Neilson nach dem Spiel zerknirscht zu Protokoll. Während sich sein Gegenpart Tim Kehler sichtlich freute, dass ausgerechnet Neuzugang Marc Schmidpeter im vierten Spiel für seine Mannschaft endlich traf. Es war die 13. Minute, als der frühere Landshuter einen Pass mitnahm, in Richtung Füchsetor antrat und Carruth durch die Beine überwand.

Gleich im Anschluss bekam Weißwasser eine Strafe aufgebrummt, kam aber schadlos durch die Unterzahl. Kurz bevor diese ablief, wurden Tomas Andres bei einem Befreiungsversuch die Beine gestellt, Weißwasser durfte im Powerplay ran. Dort hatte Kerbashian frei vor Gerald Kuhn die Chance zum Ausgleich, aber auch der Kasseler Goalie demonstrierte, dass er was von seinem Job versteht. Stattdessen zeigte Kassel mit dem klasse herausgespielten 2:0 durch Troy Rutkowski, der dabei noch den Innenpfosten mitnahm, wo der Weg hinführte.

Im Pausengespräch forderte Ex-Fuchs Joel Keussen von seiner Mannschaft mehr: Konsequenter hinten rausspielen, vorn noch zielstrebiger sollte es zugehen. Und tatsächlich, die Schlittenhunde kamen noch stärker aus der Kabine. Mehrfach war Carruth oder ein Abwehrspieler stark zur Stelle, dann aber spielte es Kassel wieder zu stark. Die Scheibe ging auf die Seite zu Brett Cameron, der sah wieder Rutkowski im Rückraum anrauschen, der Schuss des Verteidigers schlug zum 3:0 ein.

Für Weißwasser hatte Thomas Reichel einen guten Abschluss, richtig gefährlich wurde es für Kuhn aber nicht. Seine Vorderleute räumten vor ihm ordentlich auf; noch einmal, das wurde deutlich, wollten sie sich eine solch dominante Führung nicht mehr so vom Brot nehmen lassen, wie neulich gegen Crimmtischau. Da verlor Kassel nach 3:0-Führung noch 4:5.

Reuss schafft doch noch den Treffer

Anders am Sonnabend: Kurz vor Ende des Mitteldrittels legte Clarke Breitkreuz, ebenfalls einer mit Füchse-Vergangenheit, das 4:0 nach. Er bewies bei mehreren Kasseler Nachschussversuchen mehr Übersicht als die Füchse-Verteidiger und arbeitete die Scheibe ins Gehäuse.

So konnte es nicht weitergehen. Weißwasser zeigte sich im letzten Abschnitt dann noch einmal von einer anderen Seite, erhöhte Schlagzahl und Druck und kam dem eigenen Treffer endlich näher. Jonathon Martin vergab eine gute Gelegenheit, statt drüber zu schießen, hätte er da auch querlegen können (43.). Auf der anderen Seite half Philip Kuschel in letzer Not auf der Torlinie aus.

Und dann war er da, der Treffer der Füchse. Lars Reuss traf aus dem Handgelenk präzise neben den Pfosten. Das Spiel war nun wesentlich ausgeglichener, aber im Prinzip entschieden. Corey Neilson wolle das noch nicht hinnehmen und beorderte drei Minuten vor Schluss Carruth zugunsten eines sechsten Feldspielers vom Eis. Es dauerte nur Sekunden, da nutzte Kassel die erste sich bietende Chance zum 5:1 ins leere Tor.

Am Montag kommt Landshut zum Gastspiel in die wee-Eisarena nach Weißwasser. Ein Gegner, der sicher nicht so übermächtig wie aktuell Kassel ist. Aber auch über brandgefährliche Sturmreihen verfügt und in der Liga mit 19 Punkten dicht vor den Füchsen (17 Punkte) rangiert.

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