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Wie Bad Muskau an seiner Zukunft baut

Noch sind keine Anträge für Strukturwandel-Projekte gestellt. Doch es gibt Ideen, die in der Region unterstützt werden.

Von Sabine Larbig
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Das Bad Muskauer Rathaus.
Das Bad Muskauer Rathaus. © Sabine Larbig

Wer im Kohlegeld-Poker mitspielen will, muss überzeugende und nachhaltige Strukturwandel-Projekte vorlegen und sie mit Fachpersonal inhaltlich soweit entwickelt haben, dass sie dem harten Genehmigungsverfahren standhalten.

An Ideen, wie und wohin sich die Kur- und Parkstadt bis 2030 und darüber hinaus entwickeln soll und will, mangelt es in Bad Muskau nicht. Dies zeigte der 2018 mit breiter Bürgerbeteiligung durchgeführte Leitbildprozess. Seine Ergebnisse, zusammengefasst in Handlungsfelder, Leitsätze und Projektliste, sind Basis für die Stadtentwicklung. Heute soll der Stadtrat die Leitbild-Vorhabensliste beschließen, damit sie schrittweise umgesetzt werden kann.

Leitbild als Wegweiser

Was sich leicht anhört, ist eine Mammutaufgabe. Um Projekte auf den Weg zu bringen, braucht es zeitlich und fachlich aufwendige Vorarbeiten wie Kostenschätzungen, Planungen, Machbarkeitsstudien – und vor allem viel Geld. Aber schon seit Jahren hat Bad Muskau weder ausreichend Personal noch Geld. Andererseits kann sich die Stadt nur weiter entwickeln, neue Arbeitsplätze schaffen, Touristen halten und zusätzlich Einwohner anlocken, wenn in Kurort, Tourismus, Gewerbestandort und Verkehr investiert wird. Die Stadt steht damit vor der fast unlösbaren Aufgabe, die Quadratur des Kreises zu schaffen. Trotzdem gibt es Hoffnung, die eine oder andere Zukunftsidee umsetzen zu können. Gesetzt wird dabei auf Fördermittelprogramme und vor allem Kohlegelder.

Noch hat Bad Muskau kein Strukturwandel-Projekt eingereicht. Doch es ist geplant – spätestens 2022. Im Mittelpunkt stehen dabei die natürlichen Heilmittel Sole und Moor, die der Stadt den Kurortstatus sichern. Der wackelt, wenn die staatlich anerkannten Heilmittel nicht bald in kurortrelevanten Einrichtungen angewandt werden. Abhelfen sollen eine moderne Mooraufbereitungsanlage und eine öffentliche Kureinrichtung – zwei der Vorhaben im Leitbild und Kandidaten für einen Strukturwandel-Antrag.

Kurort- und Soleentwicklung als Ziel

Da ein traditionelles Kurmittelhaus in Bau, Unterhalt und Betreibung für die Stadt zu teuer ist, sollen die Eiskeller in der Alten Brauerei für balneologische Sole-Anwendungen entwickelt und ein Gradierwerk gebaut werden. Der Standort Brauerei hat Vorteile. Zum einen, weil das zur Fürst-Pückler-Stiftung gehörende Gebäude bereits saniert wird. Zum anderen, weil die Leitungen für die in Bad Muskau vorhandene und geförderte Thermalsole schon fast anliegen. „Um Nägel mit Köpfen machen zu können, brauchen wir jedoch Aussagen vom Freistaat, wie er zum Vorhaben steht“, fordert Bürgermeister Thomas Krahl. Von der Aussage hängt ab, ob Bad Muskau das Eiskeller-Projekt in den Kohlegeld-Ring wirft oder es anders realisierbar wird.

Im Hintergrund kursieren die Eiskeller zwar längst als Strukturwandel-Projekt. „Bad Muskau muss sich aber drehen, um im Prozess mitzumischen“, verkündete Landrat Bernd Lange bereits im Frühjahr am Rande der ersten Entscheidungs- und Vergaberunde für Kohlegelder durch den Regionalen Begleitausschuss, dessen Mitglied er als Görlitzer Landrat ist. Andererseits weiß Lange um die vielschichtigen Probleme rund um Kurort und Sole in Bad Muskau. Auch, weil die kreisliche Entwicklungsgesellschaft ENO für die Vermarktung des Thermalwassers, die kaum voranschritt, zuständig ist. „Wir haben in der letzten Gesellschafterversammlung erneut die Probleme angesprochen und auch auf die nötige touristische Stadtentwicklung hingewiesen“, so der Bürgermeister.

Während nämlich mit dem neuen Besucherzentrum vom Geopark Muskauer Faltenbogen – es entsteht mit Geld von Land und Bund im Kavaliershaus im Welterbepark von Bad Muskau – mit jährlich rund 50.000 zusätzlichen Besuchern kalkuliert wird, mangelt es Bad Muskau selbst weiter an touristischen Höhepunkten, Beherbergungsmöglichkeiten, attraktivem Nahverkehr für Einwohner und Gäste. Geplant, laut Leitbild, sind daher die Sanierung des Kulturhauses Lindenhof und sein Ausbau zum Senioren- und Integrationstreff samt Kino-Café. Auch ein E-Bürgerbus, der in der Stadt und den Ortsteilen verkehrt sowie eine Busanbindung von Bad Muskau über Kromlau und Gablenz nach Schleife sind gewünscht. Und der Bus, auch das ist geplant, soll als Waldeisenbahn-Zubringer die Bahnhöfe Kromlau und Bad Muskau anfahren.

Pendelverkehr von Park zu Park

Begeistert von genau diesem Projekt ist der Gablenzer Bürgermeister Dietmar Noack. „Eine direkte, kurze Verbindung zwischen dem Kromlauer und Muskauer Park fordern Touristen schon lange. Bislang müssen sie nämlich entweder per Waldeisenbahn zurück nach Weißwasser, dort umsteigen und neu losfahren, um auch den anderen Park zu erleben, oder sie nutzen das Auto.“ Aus Noacks Sicht braucht es auch gar keinen großen und öffentlichen Nahverkehrsbus als Verbindung. „Ausreichend wäre eine umweltfreundlich betriebene und für Touristen attraktive Variante analog der Kleinbahn Seeschlange, die im Lausitzer Seenland verkehrt. Die Fahrten machen Groß und Klein Spaß und verbänden im Dauertakt die Gemeinden, Sehenswürdigkeiten und Ausflugsziele.“

Gablenz steht in den Startlöchern

Aber auch dieses Projekt steht und fällt mit der Finanzierung. Möglicherweise wird Gablenz es in abgespeckter Form innerhalb seines Strukturwandel-Gesamtpakets einreichen. Zu dem sollen der Ausbau des Gesindehauses am Kromlauer Schloss zu einem Künstlertreff mit Werkstatt und Wohnungen sowie die Sanierung des Campingplatzes am Badesee für eine ganzjährige Nutzung gehören. Laut Noack sollen Experten die erforderlichen Projektunterlagen erarbeiten, um das Vorhaben 2022 einreichen und im Begleitausschuss landen zu können – so der Wunsch der Gablenzer.
„Unterm Radar läuft viel. Wichtig ist, dass die Gemeinden gute Projekte kreieren, damit der Strukturwandel gelingt“, argumentiert Landrat Bernd Lange indes gebetsmühlenartig.

Doch solange weit vom Tagebau entfernte Orte für marode Kulturhäuser Millionen Kohle-Euros bekommen, die Projekte der am Tagebau gelegenen dafür unberücksichtigt bleiben oder ihnen schlicht Kraft und Personal für Anträge fehlen, scheinen solche Appelle verfehlt.

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