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Wie Neu-Mühlrose zum Leben erwacht

Am neuen Standort gibt es schon Ortsschild und Straßen – bald auch das erste Haus. Hoffentlich ohne Einmischung.

Ernst-Gerd Paufler (li.) vom Seniorenverein bespricht mit dem Architekten Falk Schubert Details der Einrichtung des neuen Dorfgemeinschaftshauses. Die Architektenpartnerschaft Schubert und Horst hat den Wettbewerb dazu gewonnen.
Ernst-Gerd Paufler (li.) vom Seniorenverein bespricht mit dem Architekten Falk Schubert Details der Einrichtung des neuen Dorfgemeinschaftshauses. Die Architektenpartnerschaft Schubert und Horst hat den Wettbewerb dazu gewonnen. © Constanze Knappe

Gut feiern wird man können in dem großen Raum mit 40 Plätzen. Einen zweiten, kleineren Kulturraum wird es geben, dazu Zimmer für den Musikverein, Billard und Sport. Auf dem Plan von Falk Schubert steht schon jeder Stuhl an seinem Platz. So könnte das neue Dorfgemeinschaftshaus von Mühlrose aussehen. „Herzstück ist die Kegelbahn. Weil sie Standardmaßen genügen muss, wird das Gebäude drumherum gebaut“, erklärt der Architekt. Alle Räume werden separat zu nutzen, aber bei Bedarf auch miteinander und mit dem Foyer zu verbinden sein. Damit bieten sich unzählige Möglichkeiten für Veranstaltungen aller Art – bis hin zu privaten Feiern. Wie Hochzeiten zum Beispiel. Und eben die soll es schließlich auch geben in Neu-Mühlrose.

Gebaut wird das Dorfgemeinschaftshaus, um – wie sein Name sagt – die Gemeinschaft der Mühlroser zu fördern. Und zwar derer, die sich dazu entschieden haben, gemeinsam an den Nordrand von Schleife umzusiedeln. Genau dort, wo das funktionale Gebäude für Sport und Kultur einmal stehen soll, wurde jetzt gefeiert. Ein großer Teil der Mühlroser war dazu in einem Fahrradkorso gekommen. Die Menschen in dem Ortsteil hatten über viele Jahre, aber ganz besonders in den vergangenen Wochen so einiges auszuhalten. Das wurde in Neu-Mühlrose ausgeblendet.

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Umsiedlung kann beginnen

Der Standort ist fertig erschlossen. Straßen und Wege sind angelegt, das Ortseingangsschild steht wie auch die Verteilerkästen für die 41 Bauparzellen. „Jetzt kann die aktive Phase der Umsiedlung beginnen“, erklärte Bürgermeister i. R. Reinhard Bork (parteilos). Er wünschte den Mühlrosern „viel Kraft, Ausdauer und Mut und möglichst wenig Einmischung von Leuten, die damit nichts zu schaffen haben.“ Wie sein Vorgänger hofft Schleifes neuer Bürgermeister Jörg Funda (CDU), „dass alles ruhig, geordnet und ohne Einmischung von außen abläuft“ und dass die Mühlroser ihren neuen Lebensmittelpunkt finden. Diese zeigten mit ihrem Beifall, dass sie sich auch selber nichts sehnlicher wünschen.

Im Februar 2019 hatte die Leag verkündet, dass die Umsiedlung trotz der Bestrebungen zum Kohleausstieg stattfindet. Im März wurde der Mühlrose-Vertrag unterzeichnet, im Juli 2019 begann die Erschließung. „Wir haben Wort gehalten“, erklärte Umsiedlungsmanager Thomas Penk von der Lausitz Energie Bergbau AG (Leag). 14 Bauparzellen sind bereits an die Eigentümer übergeben. Es sei mit einem baldigen Baubeginn zu rechnen. Die Leag ihrerseits kümmert sich „um die Erinnerungswerte“. Mit der Erweiterung des Schleifer Friedhofs, „ein sehr sensibles und wichtiges Thema“, sei für die Mühlroser ein würdiger Ort der Friedhofskultur im sorbischen Siedlungsgebiet gefunden. „Für einen gewissen Zeitraum werden zwei Mühlroser Friedhöfe parallel bestehen. Es gibt kein festes Datum für die Schließung in Mühlrose.“.

Erneut betonte Penk die Notwendigkeit, den Ort umzusiedeln. Der Tagebau Nochten sei elementarer Bestandteil der Planungen der Leag. Es gehe um 145 Millionen Tonnen Braunkohle für die Kraftwerke Boxberg und Schwarze Pumpe und die Veredelung. „Wir brauchen die Kohle in dieser Menge und in dieser Qualität“, erklärte er.

Den Worten folgen endlich Taten

Der Trebendorfer Bürgermeister Waldemar Locke (CDU), selbst ein Mühlroser, sprach von „Loslassen und Aufbrechen“. Es gebe nicht nur Wehmut und Trauer, jetzt biete sich die Chance, die Zukunft neu zu gestalten. „Die wichtigsten alten Wurzeln sind die Menschen, die man am neuen Ort wiederfindet“, sagte er. Er freue sich, dass der neue Ort zum Leben erwacht „nach einer einvernehmlichen Entscheidung für eine intakte neue Dorfgemeinschaft“.

Das bekräftigte auch Sten Kowalick. „Über 20 Jahre wurden in Mühlrose viele Worte über die Umsiedlung geredet. Jetzt sehen die Mühlroser, dass den Worten endlich Taten folgen“, so der Vorsitzende des Beirats Umsiedlung Mühlrose. Man könne den Bewohnern nur für ihre Geduld und ihr Verständnis danken. Ausdrücklich bat er sie, sich mit ihren Ideen in die Planung des neuen Dorfgemeinschaftshauses einzubringen. Im Frühjahr soll, so hieß es von der Leag, der erste Spatenstich erfolgen.

Eine Linde neben der Rotbuche

Ein Spaten wurde schon jetzt in die Hand genommen und mehrere Schaufeln noch dazu, um einen Baum zu pflanzen. Ex-Bürgermeister Reinhard Bork hatte zum Abschied von der CDU-Fraktion des Gemeinderats eine Linde geschenkt bekommen. Er befand, dass es dafür keinen besseren Platz gebe als in der Nähe jener Rotbuche, die 2019 beim ersten Spatenstich für Neu-Mühlrose gepflanzt worden war. Womöglich sei dies der Beginn einer schönen Tradition. 

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Zur Geburt eines jeden Mühlroser Kindes könne ja ein neues Bäumchen hinzukommen. „Wir sind am Überlegen“, so Ortsvorsteher Detlef Rölke (CDU). Außerdem hatte Reinhard Bork als Dank dafür, dass sich viele Mühlroser für den Verbleib im Schleifer Kirchspiel entschieden, eine Bank gespendet. Sie lädt nun in Sichtachse zur Kirche zum Verweilen ein. Zum Feiern eingeladen waren auch die Anwohner des neuen Standorts – auf gute Nachbarschaft.

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