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„Wir erheben uns langsam aus dem Sumpf“

Krauschwitz kann ein neues Bauhof-Fahrzeug kaufen. Auch das Bad ist perspektivisch kein Problemkind mehr.

Die Erlebniswelt nabelt sich wirtschaftlich immer mehr von der Gemeinde ab.
Die Erlebniswelt nabelt sich wirtschaftlich immer mehr von der Gemeinde ab. © Sabine Larbig

Die GemeindeKrauschwitz ist noch immer verschuldet, hat aktuell ein Minus von 371.500 Euro in der Kasse, befindet sich weiter auf Sparkurs, um von den Schulden runter zu kommen. Trotzdem erhält der Bauhof nach zwölf Jahren endlich einen neuen Multicar. Kostenpunkt für das orange Multifunktionsauto mit Aufbauten und Zusatzteilen wie Kran, Sinkkasten und Schlegelmäher: rund 192.000 Euro. Geliefert werden soll das Fahrzeug möglichst noch dieses Jahr von der Spezialfahrzeuge Lausitz GmbH in Kolkwitz, die nach Ausschreibung das einzige Angebot abgab.

Kredit statt Leasing für Multicar

Wie die Neuanschaffung funktioniert, zeigte die Sonderratssitzung am Dienstag. Da wurden der dafür nötige 2. Nachtragshaushalt samt Nachtragssatzung 2020 mehrheitlich beschlossen. Der Haushalt weist demnach, trotz Neuanschaffung, sogar einen um 250 Euro verbesserten Kontostand aus. Denn die Gemeinde least das neue Fahrzeug nicht mehr, sondern finanziert es aus unterschiedlichen Quellen. Dazu gehören: „Schutzschirm Kommunale Finanzen“ (Freistaat-Zuschüsse für kommunale Steuerausfälle durch Corona); Landesmittel „Stärkung ländlicher Raum“; umgeschichtete und für Fahrzeugleasing im Haushalt 2020 eingestellte Gelder; Erlöse aus dem Verkauf des alten Autos sowie 60.000 Euro Kreditaufnahme.

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Weil Letztere wegen der Schulden von Krauschwitz eigentlich untersagt ist, sind die Nachträge und eine Genehmigung der Rechts-- und Kommunalaufsicht nötig. Die Aufsicht gab grünes Licht für die Neuanschaffung, die den überalterten, stetig reparaturbedürftigen und nicht ganzjährig einsetzbaren Bauhof-Multicar ersetzt, der allein 12.00 Euro Reparatur- und Unterhaltungskosten pro Jahr verschlingt. Auch den Kredit sah die Behörde wirtschaftlicher als Leasing an. Durch die aktuell niedrigen Zinsen, erläuterte Kämmerin Maren Helbig, zahle man bei 60.000 Euro Kredit über sechs Jahre jährlich 10.000 Euro. Beim Leasing in acht Jahren Laufzeit jährlich 24.000 Euro. Und, so Helbig weiter, nach Ablauf des Kredits könne, wenn gewünscht, das Fahrzeug gut verkauft werden. „Schon für das alte Auto ergaben Recherchen und erste Angebote einen Erlös von 9,000 Euro“, unterstrich Bürgermeister Tristan Krahl. Überhaupt sei er froh, dass das „wehleidige Thema Multicar“ endlich gelöst und das Auto künftig selbst im Winterdienst einsetzbar sei, weil das Paket des Vorgängers passe. „Nur das Flattern des Schiebeschildes müssen wir noch in Griff bekommen.“

Finanztechnisch Licht am Ende des Tunnels

Prinzipiell, so der Bürgermeister weiter, sei Krauschwitz auf gutem Weg hinsichtlich Konsolidierung und Schuldenabbau. „Wir erheben uns langsam aus dem Sumpf.“ So stehe man für die geplante Sanierung der rund neun Millionen Euro teuren Oberschule stetig mit Görlitz und Dresden im Gespräch, um den Eigenanteil auf 10 Prozent zu drücken. Eine Übernahme der Trägerschaft der Grund-- und Oberschule durch den Kreis, die Entlastung bringen würde, sei nämlich nicht möglich. „Aber die Sanierungen senken auf Dauer die Betriebskosten erheblich.“ Allerdings sei auch klar, dass Krauschwitz bei Investitionen weiter auf Fördermittel angewiesen sein werde und auch noch nicht wisse, welche Zusatzkosten und Steuerausfälle Corona bringe. „Aber dafür haben wir aber die Erlebniswelt bald so gut wie abgeschrieben“, so Tristan Mühl optimistisch.

Fremdbetreiber für Erlebniswelt?

Den Hinweis von Heike Krahl (Linke), dass im Haushalt hinsichtlich des Bades plötzlich eine Fremdbetreibung ab 2021 anvisiert sei, bestätigte Mühl. „Als Gemeinde werden und können wir ab dann nur noch maximal 100.000 Euro Jahreszuschuss wegen der Haushaltskonsolidierung zahlen. Wie das passiert, steht auf einem anderen Blatt.“ Daher, so Mühl weiter, stelle man die Weichen hinsichtlich einer Fremdbetreibung. Die Aussichten stünden gut. Interessenten seien bereits vorhanden. Außerdem führe die Gemeinde intensive Finanzgespräche mit Landkreis und Freistaat.

Indes wurde, unabhängig von diesen Entwicklungen, bereits der geänderte Pachtvertrag zwischen Gemeinde und Erlebniswelt unterzeichnet, wonach das Bad künftig Wartungsverträge selbst übernimmt und zahlt. Auch die Bauleistungen für den Einbau des neuen Kassensystems im Bad wurden durch die Gemeinde vergeben, so dass der Einbau starten konnte. Finanziert wird das 68.000 Euro teure System aus Leader-Fördergeldern und Eigenmitteln der Erlebniswelt Krauschwitz (EWK).

Bad-Aufsichtrat ist optimistisch

Die EWK steht, so Aufsichtsratsvorsitzender Rene Marko, laut Jahresabschluss 2019 wirtschaftlich positiv da. „Wir gehen sogar von Überschuss aus.“ Auch Geschäftsführer Jörg Funda bestätigt, dass sich „Speck angefuttert“, Revisionen und Wartungen vorgezogen und Kurzarbeitergeld in Anspruch genommen wurden, wodurch die Schließung durch Corona und die Folgen abgefedert würden. „Die Erfolge sind Teamleistung. Dafür ein großes Danke. Und sie sind wichtig. Für uns und den Gesellschafter Krauschwitz, weil wir das einzige Bad in Sachsen ohne zusätzliche Corona-Förderung sind“, so Funda. Wie René Marko gegenüber Tageblatt äußerte, habe man im Aufsichtsrat bereits den Wirtschaftsplan 2020/21 aufgestellt. „Er sieht ausgeglichen und ohne zusätzliche Belastungen für die Gemeinde aus.“

Dies bestätigt Bürgermeister Mühl. „Außer den 100.000 Euro Zuschuss hat die Gemeinde eigentlich keine Verpflichtungen. Und die EWK hat Entwicklungspotenzial.“ Hier, so Marko, setze man auf die Umsetzung von Erweiterungsplänen und Ideen im Rahmen des Strukturwandels. Auch dies zeige, dass man unternehmerische Aufgaben und Verantwortung übernehme, um Krauschwitz zu entlasten und bei der Haushaltskonsolidierung zu unterstützen.

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