merken
Weißwasser

„Wir erwarten ein Konzept zur Rekonstruktion“

Zum verheerenden Brand des Volkshauses Weißwasser meldet sich jetzt dessen Förderverein „Denk-mal-mit-Leben“ zu Wort. Ein Gastbeitrag.

Ein Blick auf das, was das Feuer vom Volkshaus übriggelassen hat.
Ein Blick auf das, was das Feuer vom Volkshaus übriggelassen hat. © Joachim Rehle

"Am 25. April wurde das dunkelste Kapitel in der Geschichte des Volkshauses in Weißwasser geschrieben. Wir beklagen die Zerstörung des stadteigenen Festsaals und sind zutiefst erschüttert über dieses Ereignis und dessen Folgen.

Mit großer Erleichterung erfuhren wir, dass ein großer Teil des Volkshauses intakt ist. Der Sozialbau hat den Brand verhältnismäßig „gut“ überstanden. An dieser Stelle bedanken wir uns bei den Einsatzkräften der Feuerwehr, des THW, der Polizei und aller im Ehrenamt befindlichen Helferinnen und Helfer für ihren herausragenden und höchst professionellen Einsatz.

ECHT.SCHÖN.HIER
Sachsen entdecken und erleben
Sachsen entdecken und erleben

Lernen Sie unbekannte Orte der Region kennen - wir geben Ihnen Insidertipps um die Heimat neu zu erkunden und lieben zu lernen.

Der Förderverein ist seit seiner Gründung damit beschäftigt, auch über die Grenzen der Stadt hinaus das Volkshaus als Bauwerk in den Fokus der Bauhaus-Wahrnehmung zu setzen und die Stadt bei der Wahrung ihrer Pflichten zu unterstützen. Er verfolgt den Zweck, Mittel zur Förderung der Denkmalpflege zu beschaffen. Bis zuletzt sammelten wir Spenden für Instandsetzungsmaßnahmen. Unserer Meinung nach wurde die Hilfe des Fördervereins von den Verantwortlichen der Stadt nicht gewollt und von Anfang an erschwert. Zudem wurde versucht, die Verantwortung um das Gebäude den verschiedenen Interessengemeinschaften bei unterschiedlichen Veranstaltungen zuzuschreiben und von der eigenen Zuständigkeit abzulenken.

Kein Bild der Zerstörung zeichnen!

Die Berichterstattung ist aus unserer Sicht von einer destruktiven Natur geprägt. Schlagzeilen wie „Flammen zerstören Volkshaus“ suggerieren ein endgültiges Bild vom Zustand des Volkshauses. Zudem setzte der Oberbürgermeister Torsten Pötsch (Klartext) subjektive Maßstäbe dafür an, wer das Gebäude betreten darf. Der Förderverein durfte das Gebäude mit dem angeblich „baufälligen“ Festsaal nur unter strengsten Sicherheitsmaßnahmen betreten. Auch wurde dem Vorstand zu verstehen gegeben, dass das Betreten des Volkshauses nur auf eigene Verantwortung und mit Haftungsausschlusserklärung möglich sei sowie der Genehmigung des Oberbürgermeisters bedarf. Der Förderverein ist der Auffassung, dass der ungesicherte Zustand des Gebäudes den Brand maßgeblich begünstigte. So wurden Mahnungen, den Gebäudekomplex zu sichern und wiederherzustellen, ignoriert.

Viele Argumentationen der vergangenen Jahre, die gegen die Betreibung des stadteigenen Kulturhauses sprachen, sind nicht nachvollziehbar und zeugen vom Unwillen, das Kultur- und Vereinswesen in Stadthänden zu belassen. Zur Begründung hieß es zum Beispiel, Weißwasser biete nicht genügend Kultur und Kulturvereine, um das Volkshaus zu betreiben. Nicht zuletzt seit der Gründung des „Soziokulturellen Zentrums“ auf dem privaten Gelände der „Telux“, ist die Kultur- und Vereinsargumentation unhaltbar. Bei dem Verweis auf fehlende Finanzierungs- und Nutzungskonzepte offenbarte sich der Unwille der derzeitigen Stadtführung, für das Volkshaus einzustehen und die Interessen der Bürger zukunftweisend zu vertreten in besonderen Maßen.

Aus unserer Sicht sprach sich der OB nie für den Erhalt des Volkshauses aus und unternahm keine Anstrengungen, das Volkshaus gänzlich in das Stadtleben zu integrieren. Die Verantwortlichen in der Stadtverwaltung sind aufgefordert, die Hergänge transparent durch unabhängige Gutachter aufzuarbeiten zu lassen und die Ergebnisse der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Ferner sprechen wir uns dafür aus, dass sich die Amtsträger ihrer politischen Verantwortung stellen. Wir sind der Auffassung, dass sie einigen ihrer Kernaufgaben, z.B. der Wahrung des Stadtbesitzes und des Kulturschatzes, nicht nachgekommen sind. Der durch die Versäumnisse entstandene Schaden am Stadteigentum in Millionenhöhe ist ein finanzielles Debakel und trifft das kulturelle Erbe der Stadt Weißwasser bis ins Mark.

Unsere Erwartung an die Stadtverwaltung ist es, ein Konzept zur „modernen“ Rekonstruktion des Festsaales auszuschreiben, Finanzierungsmodelle zu entwickeln und die Herrichtung des Sozialbaus nicht länger aufzuschieben beziehungsweise diese durchzuführen. Der Förderverein steht einer öffentlichen Debatte offen gegenüber und wirbt für eine konstruktive Zusammenarbeit. Wir sind entschlossen, motiviert und sehen die Chancen für das Volkshaus überwiegend positiv. Für die Bewältigung der anstehenden Aufgaben benötigt Weißwasser jede Unterstützung aus der Bevölkerung. Daher werben wir für eine aktive oder stille Mitgliedschaft im Förderverein Volkshaus Weißwasser."

Der Verein Denk-mal-mit-Leben setzt sich für die Erhaltung des Volkshauses Weißwasser ein. In der Satzung sind aber auch andere Baudenkmäler in Weißwasser einbezogen. Kontakt zum Verein: 03576 21 58 66
Mail: [email protected]
www.denk-mal-mit-leben.de

Mehr Nachrichten aus Weißwasser und Umland lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Weißwasser