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Das große Krauschwitz-Interview

Bürgermeister Tristan Mühl zu effektiverer Verwaltungsarbeit, mehr Bürgernähe, Straßenlicht, zur Ortsumgehungsstraße und mehr.

Im November 2019 wurde Tristan Mühl zum Bürgermeister von Krauschwitz gewählt, im Februar 2020 wurde er vereidigt und ist somit knapp ein Jahr im Amt.
Im November 2019 wurde Tristan Mühl zum Bürgermeister von Krauschwitz gewählt, im Februar 2020 wurde er vereidigt und ist somit knapp ein Jahr im Amt. © Sabine Larbig

Vor fast genau einem Jahr, Anfang Februar 2020, wurde Tristan Mühl (Freie Wählervereinigung) als neu gewählter Bürgermeister von Krauschwitz vereidigt. Wie sein erstes Amtsjahr verlief, welche Herausforderungen und Veränderungen es brachte und was in diesem Jahr in der Gemeinde erreicht werden soll, darüber sprach TAGEBLATT mit dem Gemeindeoberhaupt.

Herr Mühl, wie schätzen Sie das erste Jahr ihrer Amtszeit ein?

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Es war ein sehr spezielles Jahr für den Start als Bürgermeister. Ich hatte einen Plan, was ich im ersten Jahr alles erreichen möchte. Doch Einschränkungen durch die Corona-Pandemie und die Schweinepest waren Einschläge, mit denen nicht nur ich nicht rechnen konnte. Aber man wächst mit seinen Aufgaben und letztlich konnte trotzdem einiges auf den Weg gebracht werden.

Was meinen Sie damit konkret?

Wir haben als Gemeinde zwei neue Feuerwehrfahrzeuge über den Katastrophenschutz bekommen und einen Brandschutzbedarfsplan bis 2025 erarbeitet, der im Dezember 2020 beschlossen wurde. Wir führen inzwischen Gespräche mit Investoren für die Nachnutzung vom Deutschen Haus und sind kurz vor Abschluss einer Allianz für eine künftige Sport- und Jugendeinrichtung in Krauschwitz. Parallel sind wir dabei, ein Personalentwicklungskonzept für die Verwaltung zu erarbeiten. Denn es gibt auch in Krauschwitz viel Arbeit, die effektiver und schneller erledigt werden muss. Das bedeutet auch, dass wir 2021 definitiv in Verwaltungssoftware investieren müssen. Außerdem gibt es im Amt Strukturen, die nicht mehr zeitgemäß sind. Was Investitionen betrifft, so konnten wir die Sanierung der Grundschule Sagar so voranbringen, dass sie mit Errichtung der Außenanlagen ihren Abschluss findet. Besonders erfreulich ist, dass wir bei der Maßnahme im Kostenrahmen blieben und die Turnhalle den lang ersehnten Anprallschutz bekam. Toll ist ebenfalls, dass wir für den Bauhof endlich einen neuen Multicar anschaffen konnten, der diesen Monat geliefert werden soll. Positiv hervorzuheben ist gleichfalls, dass wir einen soliden Haushalt aufstellen konnten. Der ermöglicht es uns unter anderem, die lang geplante und wichtige Umstellung der kommunalen Straßenbeleuchtung auf LED voranzubringen. Die Vergabe dafür soll im März oder April und der Baustart zeitnah erfolgen.

Welche Bedeutung hat die Umstellung der Straßenbeleuchtung?

In Krauschwitz und Ortsteilen gibt es insgesamt 903 Straßenlampen. Die sind technisch veraltet, kosten in Unterhalt, Betreibung, Reparatur und Strom sehr viel Geld, weshalb sie aus Spargründen seit Jahren nur begrenzt brennen. Ihre Umrüstung bis Ende 2021 und die Betreibung durch eine Fachfirma spart der Gemeinde künftig Kosten von rund 15.000 Euro pro Jahr. Und das, obwohl die Lampen nachts durchleuchten werden. Diesen Aspekt sehe ich übrigens als sehr wichtig an. Denn gut beleuchtete Straßen dienen letztlich der Sicherheit der Einwohner und Verkehrsteilnehmer.

Sie erwähnten ein Personalentwicklungskonzept. Benötigt die Gemeindeverwaltung denn Mitarbeiter?

Generell gibt es mehrere Gründe, weshalb das Konzept wichtig ist. Zum einen geht es um Prozessverschlankungen, wodurch Mitarbeiter freigesetzt werden für andere Verwaltungsaufgaben. Zum anderen stehen Mitarbeiter der Verwaltung vor dem Ruhestand. Es ist also ein bunter Blumenstrauß von Lösungen gefragt, um die Verwaltung personell dauerhaft arbeitsfähig, effektiv, bezahlbar und bürgerfreundlich zu halten.

Gibt es Überlegungen, wie all das erreicht werden kann?

Zum einen können wir enger mit Umlandgemeinden zusammenarbeiten, indem wir über Dienstleistungsverträge bestimmte Aufgaben an sie vergeben, die bislang in der Krauschwitzer Gemeindeverwaltung erledigt werden. Ich denke da an Möglichkeiten wie die Abgabe des Meldewesens an die Stadt Weißwasser oder die Zusammenarbeit mit Nachbarkommunen im Bereich Bauhöfe. Noch sind wir in der Phase der Prüfung, was möglich und umsetzbar ist, ohne an Bürgerfreundlichkeit zu verlieren.

Passen interkommunale Aufgabenteilung und Bürgernähe zusammen?

Kostengünstigere und effektivere Verwaltungsarbeit schließt Bürgerfreundlichkeit nicht aus. In Krauschwitz haben wir beispielsweise schon die Öffnungszeiten der Verwaltung verlagert und den Empfangsbereich wieder besetzt, so dass Bürger dort bereits viele Dinge klären, Unterlagen abgeben oder abholen können, ohne Sprechzeiten oder Sachbearbeiter in Anspruch nehmen zu müssen. Das bringt jetzt, unter Corona-Bedingungen, viele Vorteile. Umgestellt wurde auch der Ablauf der öffentlichen Gemeinderatssitzungen, damit interessierte Bürger vor der Bürgerfragestunde alle wichtigen Informationen zu Top-Themen in der Gemeinde erhalten. Und wir planen, den Gemeindeboten ab März 2021 als Informationsblatt kostenlos und digital oder, wenn gewünscht, gegen einen geringen Preis in gedruckter Form an alle Haushalte zu verteilen. Abgesehen davon wurde die Internetseite der Gemeinde überarbeitet und mit vielen neuen Funktionen zur Kontaktaufnahme der Bürger versehen. Folgen wird noch ein Bereich Schadensmeldungen, wo Bürger defekte Bänke und Straßenlampen, kaputte Wege, Sichtbehinderungen durch Bäume und vieles mehr unkompliziert in Text und Bild an die Verwaltung melden können. Um den Informationsfluss zwischen Verwaltung und Einwohnern zu verbessern, testen wir aktuell mit der Kita-Leitung und Eltern eine Feuerwehr-Alarmierungs-App. Sie funktioniert gut. Unser Ziel ist es, so während Corona gezielt und schnell wichtige Informationen übermitteln zu können. Vielleicht ist das System sogar dauerhaft und selbst auf anderen Gebieten anwendbar. All dies sind Beispiele für effizientere Verwaltungsarbeit und Bürgernähe. Leider warf uns die Pandemie bei der Thematik ein Stück zurück. So machte sie nicht nur geplante Feste, sondern auch Einwohnerforen, Gesprächsrunden oder Vor-Ort-Begehungen unmöglich. Doch all das soll es künftig öfter geben, da der Informationsbedarf bei einigen Themen durchaus groß ist.

Haben sich Corona und seine Folgen bereits negativ auf wichtige Investitionsvorhaben, wie Oberschulsanierung oder Neubau des Feuerwehr-Gerätehauses in Skerbersdorf, ausgewirkt?

Glücklicherweise nicht. Es hat sich manches zeitlich etwas verzögert, aber die Vorbereitung der Maßnahmen läuft. So erwarten wir für das Gerätehaus den Fördermittelbescheid im Sommer, so dass mit einem Baustart in 2022 gerechnet werden kann. Was die weitere Sanierung der Oberschule Krauschwitz betrifft, so ist auch hier der Fördermittelbescheid in der Pipeline. Allerdings arbeiten wir aufgrund unserer Haushaltslage auf eine 90-prozentige Förderung hin, statt der üblichen 75 Prozent. Mit dem Bescheid in der von uns erhofften Höhe wird es daher wohl noch etwas dauern. Nicht zuletzt brauchen wir als Gemeinde noch Zeit, um dieses Jahr all unsere Hausaufgaben zu erledigen, damit die Sanierung endlich starten kann.

Umsetzungsreife Projekte vorbereiten und den nötigen Finanzbedarf anmelden müssen Kommunen in der nächsten Zeit ebenfalls für Vorhaben und Projekte im Rahmen des Strukturwandels. Was will Krauschwitz erreichen?

Wie alle vom Kohleausstieg und Strukturwandel betroffenen Kommunen haben wir natürlich konkrete Wünsche und Pläne, die in einem Grobkonzept zusammengefasst sind, welches mit Räten, Bürgern sowie einheimischen Firmen besprochen werden soll. Vorrangig geht es dabei um die Umstellung der Infrastruktur in der Gemeinde Krauschwitz, um in allen Branchen Arbeitsplätze erhalten und neu schaffen zu können. Das Konzept ist ein roter Faden, an dem sich Einzelprojekte anknüpfen.

Welche Rolle spielt dabei der Bau einer Ortsumgehungsstraße?

Eine sehr große und zentrale Rolle. Wir werden daher nicht locker lassen, denn Krauschwitz braucht und will die Ortsumgehung! Im 2. Quartal 2021 sollen übrigens mögliche Varianten vom Land an den Bund, wo das Vorhaben im Bundesverkehrswegeplan verankert und somit finanziell gesichert ist, gemeldet werden. Dann werden wir als Gemeinde auch die Einwohner entsprechend informieren und darauf einwirken, dass das Vorhaben nicht wieder stirbt oder sich immens verzögert. Doch auch andere Infrastrukturprojekte außerhalb des Strukturwandels sind wichtig für die Bürger sowie die wirtschaftlich-touristische Weiterentwicklung der Gemeinde. Beispielsweise der Bau der Radwege zwischen Krauschwitz und Bad Muskau, die laut Information des Landesamtes für Straßenbau und Verkehr, so kommen sollen wie von Krauschwitz gewollt. Wir haben auch Fördermittel für die Sanierung des überregionalen Radwanderwegs beantragt. Sollten wir den Bescheid erhalten, wollen wir noch dieses Jahr im Gemeindegebiet starten. Im ersten Bauabschnitt betrifft es den Bereich Krauschwitz und Sagar bis Skerbersdorf und 2022 ab Skerbersdorf in Richtung Pechern bis Klein Priebus.

Gab es auch Dinge, die Sie in ihrem ersten Amtsjahr noch nicht umsetzen konnten?

Natürlich. Ich hatte mir beispielsweise vorgenommen, die Umstellung der Straßenbeleuchtung schon 2020 abschließen zu können. Doch dies scheiterte daran, dass die Prozessanalyse länger dauerte als geplant und weil es zwischenzeitlich viele Finanzierungs- und Fördertöpfe nicht mehr gab. Auch bei den Strukturwandelprojekten hätte ich Krauschwitz gerne einen Schritt weiter gesehen, doch dies war wegen der notwendigen Verhandlungen mit Bund, Land und Kreis leider nicht möglich.

Wenn Sie auf 2020 zurückblicken: Was hat Sie da besonders gefreut?

Ich bin ehrlich stolz, dass wir den Haushalt hinbekommen haben, ihn nicht überplanmäßig strapazieren und wir 2021 keine Steuererhöhunge planen. Doch das ist nicht mein Verdienst, sondern das Ergebnis der super Arbeit aller Verwaltungsmitarbeiter und Gemeinderäte. Dafür ganz großen Dank! Denn letztlich ist und bleibt es Ziel aller, dass wir in Krauschwitz die Bürger nicht noch stärker belasten müssen, um den Haushalt auszugleichen.

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