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Zukunft des Eissports steht auf dem Spiel

Wann endet die Eiszeit? Wie Betreiber und Nutzer der Eisarena Weißwasser um Optionen für den Sommer ringen.

Milton Tauche ist Leiter der Eisarena Weißwasser. Er äußert vollstes Verständnis für die Interessen und Belange des ESW, ihm sind angesichts der hohen Infektionszahlen die Hände für den Betrieb der Eishalle gebunden. Und wie lange die Sommerpause n
Milton Tauche ist Leiter der Eisarena Weißwasser. Er äußert vollstes Verständnis für die Interessen und Belange des ESW, ihm sind angesichts der hohen Infektionszahlen die Hände für den Betrieb der Eishalle gebunden. Und wie lange die Sommerpause n © Steffen Bistrosch

Weißwasser. Eiskalt hat Ende vergangenen Jahres der sofortige Stopp des gesamten Trainings- und Spielbetriebes die Weißwasseraner Jungfüchse erwischt. Seither pausieren die Nachwuchssportler entsprechend einer Verordnung des sächsischen Freistaates. Und das, obwohl ein kurz zuvor genehmigtes Hygienekonzept vorlag und bislang keine Erkrankungen in Zusammenhang mit Coronainfektionen bekannt geworden waren. Ein möglicher Neustart ist jetzt frühestens auf den 8. Februar terminiert worden. Zur Erinnerung: Bereits 2020 verloren die Jungfüchse durch den vorzeitigen Saisonabbruch einige Wochen Eis- und Trainingszeit. Sebastian Wolsch, Leiter der Nachwuchsabteilung, meint, das sportlich aufzuholen sei eine riesige Herausforderung.

Zu einer Katastrophe beim zunehmend von Standortnachteilen gebeutelten Eissport Weißwasser könnte es sich auswachsen, wenn nach diesem Winter keine Wege gefunden werden könnten, das Versäumte aufzuholen. Dazu bedürfe es zusätzlicher Eiszeit nach dem Saisonende der Profis, das aus jetziger Sicht allerspätestens Mitte Mai sein wird. Dann aber wird das Eis in der Halle abgetaut. Davon zeigt sich der städtische Leiter der Eisarena, Milton Tauche, überzeugt. Denn Anfang Juni beginnt der jährliche Revisionszyklus für die Technik. Wenigstens vier Wochen veranschlagt Tauche dafür. Auf das Eis soll es dann wieder ab dem 23. August gehen.

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Große Sorge vor der Konkurrenz

„Die Pause ist viel zu lang“, sagt Sebastian Wolsch. Zum einen für das tägliche leistungsorientierte Training, aber auch für die Nachwuchsgewinnung im Kita- und Grundschulalter. „Uns fehlen aktuell die Kinder aus zwei Winterhalbjahren. Dazu haben Leistungsträger der oberen Altersklassen angekündigt, kommende Spielzeit zu anderen Vereinen wechseln zu wollen. Andere Standorte haben das Training bereits wieder aufgenommen oder werden es in Kürze aufnehmen – und zum Teil im Sommer durchweg Eiszeit haben“, erläutert Wolsch die kritische Situation für die rund 200 Kinder, Trainer und Betreuer und erinnert an den Wettkampfcharakter, unter dem die Teams in der regulären Saison in weiten Teilen der Republik an den Start gehen. Dass Weißwasser nach wie vor eine gute Adresse für Nachwuchsarbeit ist, zeigt eine zweistellige Anzahl Aktiver in den beiden höchsten Eishockeyspielklassen, die im Fuchsbau die Ausbildung durchlaufen haben. Und ohne genügend Mädchen und Jungen in den Laufgruppen, die meist aus den Kitas heraus an das Eis herangeführt werden, fehlen später die Talente, die im Fuchsbau bis in den Erwachsenenbereich geführt werden können.

Das weiß auch Milton Tauche. Für ihn sind jedoch die Beschlüsse des Freistaates beziehungsweise von Landratsamt, Gesundheitsamt und der Kommunalaufsicht des Landkreises bindend. „Dort wird festgelegt, was sein darf und was nicht.“ Tauche hat volles Verständnis für die Sorgen und Interessen des Vereins. Dass die Eishalle indes ein Zuschussgeschäft für die Stadt ist, stellt kein Geheimnis dar. Tauche beziffert die kalkulierten Kosten für eine Stunde Eiszeit auf exakt 327,96 Euro. Der Spielraum für ein Entgegenkommen beim Kürzen der Sommerpause wird somit von wirtschaftlichen Zwängen bestimmt.

Dennoch hält der Leiter der Eisarena eine ergebnis-offene Diskussion zwischen den Beteiligten für zielführend. Für den kommenden Freitag wurden daher Vertreter des Vereins gebeten, an der Sitzung der AG Eisarena mit Oberbürgermeister Torsten Pötzsch teilzunehmen, um sich dort entsprechend zu erklären.

Es gibt nicht nur die Profis

Der Vorstandschef des ESW, Bernhard Stefan, sieht auch die Landes- und Kommunalpolitik in der Pflicht. „Einerseits gehen die Profis, wenngleich unter strengen Auflagen, ihrem Beruf nach; andererseits dürfen die ebenfalls leistungssportlich orientierten Nachwuchsteams nicht auf ihr funktionierendes Hygiene- und Besucherkonzept zurückgreifen“, findet er kein Verständnis. Stefan erinnert daran, dass das Konzept für den Betrieb der Eishalle für eine intensive Nutzung im Nachwuchs- und Breitensport aufgestellt worden ist. „Die Profiabteilung stellt den öffentlichkeitswirksamsten, aber eben nicht einzigen Teil des Eissports dar.“

„Eiszeit“ ab 1. Juni gewünscht

Stefan gibt den Denkanstoß, alle Möglichkeiten eines Abrufens von Fördermitteln zu prüfen, um zumindest einen Teil der zu erwartenden Kosten für die Stadt abfangen zu können. Der ESW hat inzwischen schriftlich einen Antrag gestellt, den ursprünglich geplanten Starttermin für die Eisbereitung auf den 1. Juni vorzuverlegen. Wolsch mahnt mit eindringlichen Worten: „Es handelt sich um eine einmalige Ausnahmesituation, aus der wir herauskommen müssen.“ Immerhin stehe „nicht weniger als die Zukunft des Eissportes in Weißwasser auf dem Spiel“. Und „dafür müssen alle an einem Strang ziehen“.

Text: Steffen Bistrosch

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