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Zum Stelldichein am weltberühmten Rakotz

Der Abschluss der Sanierung des Denkmal-Ensembles wurde jetzt gefeiert. Da warten aber schon neue Aufgaben.

Die Rakotzbrücke. Die Basaltbogenbrücke ist das Fotomotiv schlechthin für alle Besucher des Kromlauer Parks. Auch am Sonnabend fanden sich Ministerpräsident Michael Kretschmer (Mi.), der Gablenzer Bürgermeister Dietmar Noack (2.v.re.) und andere Gäs
Die Rakotzbrücke. Die Basaltbogenbrücke ist das Fotomotiv schlechthin für alle Besucher des Kromlauer Parks. Auch am Sonnabend fanden sich Ministerpräsident Michael Kretschmer (Mi.), der Gablenzer Bürgermeister Dietmar Noack (2.v.re.) und andere Gäs © Joachim Rehle

Ein Denkmal von nationaler Bedeutung – das ist das wiederhergestellte Rakotz-Ensemble im Kromlauer Park. In den sozialen Netzwerken Asiens findet sich die Rakotzbrücke bereits unter den zehn schönsten Brücken der Welt wieder. Im Frühjahr waren die dreijährigen Bauarbeiten zu Sanierung und Wiederaufbau des Ensembles beendet, doch an Feiern wegen der noch immer geltenden Einschränkungen in der Corona-Pandemie nicht zu denken. Am Sonnabend nun waren alle Beteiligten zu einer kleinen Feierstunde eingeladen. Man traf sich am Herkules – an jener Sandsteinfigur, deren Fragmente zur Überraschung von Bauarbeitern und Denkmalschützern im Sommer 2019 unter den Steinen der eingestürzten Grotte im abgelassenen Rakotzsee gefunden worden waren.

Großunternehmer Herrmann Friedrich Rötschke hatte 1842 die Ländereien erworben – mit der Vision, sie zu gestalten. 1860 begann der Bau der Teufelsbrücke, die so hieß, „weil der Teufel seine Hand im Spiel hatte“. Zehn Jahre und 50.000 Taler später wurde sie fertiggestellt. Als 1956 die durch Verwitterung stark geschädigte Grotte einstürzte, stellte man auch die Baufälligkeit der Basaltbogenbrücke fest. Dass das imposante Bauwerk einmal Touristen aus aller Welt anziehen würde, hätte sich damals wohl kaum jemand vorstellen können.

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Hochwertige Arbeit aller Firmen

Der Gablenzer Bürgermeister Dietmar Noack (CDU) sprach von „sehr viel Stolz auf das Erreichte“: Sanierung und Wiederaufbau des Rakotz-Ensembles, Abdichtung des Rakotz-Sees, Erneuerung des Parkplatzes, Wiederherstellung der asiatischen Brücke, des Wildwassers und von neun Kilometern Parkweg. „Bei alldem sind wir entgegen dem heutigen Trend im Kostenrahmen geblieben“, erklärte er.

Als Kind habe er viel Zeit im Park verbracht, später mit Sorge den Verfall der Bauwerke beobachtet. Mitte der 80er-Jahre war unter dem damaligen Bürgermeister Werner Kubo die Brücke schon einmal saniert worden. „Ohne sein Wirken wäre sie wohl nicht stehengeblieben“, würdigte Noack den einstigen Chef in der Gablenzer Bürgermeisterstube. Er selber stellte den Erhalt des Parks an die oberste Stelle seiner eigenen Aufgaben als Bürgermeister. Im 4. Quartal 2017 schaffte es die Gemeinde Gablenz, in das Förderprogramm „Städtebaulicher Denkmalschutz“ aufgenommen zu werden. Dass die kleine Gemeinde nur wenige Eigenmittel hatte, die eigentlich gerade so für Instandhaltungsarbeiten im Park reichten, machte es nicht leichter.

Kurz vor Weihnachten 2017 kam der ersehnte Zuwendungsbescheid über die Fördermittel zur Sanierung der Brücke, für den Wiederaufbau der Grotte und die Wiederherrichtung der Basaltstelengruppe. 2018 begannen die Bauarbeiten, die pünktlich zur Rhododendronblüte im Mai 2021 beendet waren. Einige der Beteiligten, so Dietmar Noack, seien in den drei Jahren „mehr im Park als zu Hause gewesen“. Froh sei er über „die qualitativ hochwertige Arbeit aller Firmen“. Und das waren so einige.

Auch Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) war die Freude über die gelungene Wiederherstellung des Ensembles anzumerken. „Hochzeitspaare werden sich hier fotografieren lassen, Besucher begeistert sein. Es gibt viele Gründe, sich an den Ort zu begeben“, sagte er. Aber auch, dass aus einem erfüllten Wunsch zumeist ein neuer entsteht. Etwa, was die Zukunft des Kavalierhauses im Park angeht.

Personal für die Pflege nötig

Kretschmer, der bis 2017 im Bundestag saß, kämpfte ab 2015 zusammen mit seinem Parlamentarierkollegen Thomas Jurk (SPD) dafür, dass Bundesgelder in den Kromlauer Park flossen. Als „ein Gemeinschaftswerk über Parteigrenzen hinweg“, wie er es jetzt nannte, wurde das Rakotz-Ensemble für beide Politiker der Oberlausitz zu einer Herzensangelegenheit.

Die Motivation für diese Mühen zog Thomas Jurk aus dem Engagement vieler Ehrenamtler, die sich bei den Parkseminaren und auch sonst an der Pflege des Parks beteiligen, sowie „aus dem Einsatz des Gemeinderats, der viele kostenintensive Entscheidungen treffen musste“. Angelehnt an den Nimbus Görliwood kann er sich ein „Kromliwood“ sehr gut vorstellen. Für allgemeine Erheiterung sorgte sein Vorschlag am Sonnabend schon mal – ehe es um eine weitaus ernstere Frage ging. „Wir brauchen eine Lösung, wie die Betreibung des Parks mit noch mehr Manpower gesichert werden kann“, erklärte Thomas Jurk.

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Das sieht auch Landeskonservator Alf Furkert so. Von den 172 Hektar des Kromlauer Parks befinden sich 150 Hektar in Trägerschaft der Kommune. Nachdem die Wiederherstellung des Ensembles schon eine große Aufgabe war, käme jetzt eine noch größere auf die Gemeinde zu. „Es ist kontinuierliche Pflege nötig, um den Park durch den Klima- und Strukturwandel zu bringen“, so der Landeskonservator. Er hält es „für unverzichtbar, eine oder am besten mehrere Gärtnerstellen dauerhaft einzurichten“. Im Kohleausstiegstopf sieht er eine Finanzierungsquelle dafür.

Mit dabei waren die Kromlauer Blütenkönigin Antonia Jahnke und das Teufelsmaskottchen. Der musikalische Part oblag der Jagdhornbläsergruppe Bad Muskau.

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