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Mühlrose und kein Ende

Bauwillige legen am neuen Standort los. Gegner der Umsiedlung machen mobil. Nur Wenige sind aus dem Ort selbst.

Der Umsiedlungsstandort mit 41 Parzellen ist fertig erschlossen.
Der Umsiedlungsstandort mit 41 Parzellen ist fertig erschlossen. © Constanze Knappe

Ich erkenne mein Dorf Mühlrose nicht mehr. Mit dieser Feststellung eröffnete Waldemar Locke (CDU) am Mittwoch die Sitzung des Gemeinderats Trebendorf im Feuerwehrgerätehaus. In Bericht des Bürgermeisters brachte er die Ereignisse in der Ortschaft zur Sprache, die Mühlrose deutschlandweit in die Schlagzeilen brachten. Fernsehteams hätten die Menschen dort regelrecht belagert. Umweltverbände, allen voran die Grüne Liga-Umweltgruppe Cottbus sowie die Initiative „Alle Dörfer bleiben“, wollen bestärkt durch das Kohleausstiegsgesetz erzwingen, dass Mühlrose bleibt, wo es ist. Sie sehen in der Abbaggerung keine Notwendigkeit mehr. Mit diversen Protesten bis hin zu einem Spaziergang am Tagebau Nochten haben sie im September versucht, mobil zu machen. 

Einmischung hauptsächlich von außen

Die Aktionen riefen auch die sächsische Staatskanzlei auf den Plan und veranlassten Umwelt-, Energie- und Klimaschutzminister Wolfram Günther (Grüne), sich vor Ort ein Bild zu machen. Danach ließ er verlauten, dass Mühlrose aufgerieben wird „zwischen den unterschiedlichen Wünschen der Einwohner, dem gesellschaftlich breit verhandelten Kohleausstieg und den Interessen, die von außen auf den Ort einwirken“.

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Das sieht Bürgermeister Waldemar Locke ganz genauso. Doch während der Staatsminister die Lösung für Mühlrose darin sieht, für den Bergbau keine weiteren Flächen mehr abzusiedeln, lässt Waldemar Locke am geplanten Gang der Dinge keinen Zweifel. Im Gemeinderat erklärte er: „Die Umsiedlung der Ortschaft Mühlrose ist durch. Im vergangenen Jahr haben wir den Vertrag dazu unterzeichnet.“ Dieser sei rechtskräftig. Das habe er auch dem Staatsminister so gesagt. Wie sich mehrfach zeigte, seien die Proteste von außen gesteuert. Auch das habe er dem Umweltminister mitgeteilt. Nur vier bis fünf Haushalte würden die Umsiedlung ablehnen. Es sei „stockhässlich“, dass sich Leute von außerhalb einmischen. „Die Mühlroser werden aufgehetzt. Manche haben sich davon verleiten lassen. Das ärgert mich“, so Waldemar Locke weiter. Die Auseinandersetzungen würden sehr viel Nerven kosten.

Fast alle Einwohner wollen die Umsiedlung

Die Einwohner selber haben sich diese Einmischung ausdrücklich verbeten. „Wir wollen das nicht. Es ist so schon schwer genug“, hatte Ortsvorsteher Detlef Rölke (CDU) im September im Gemeinderat Trebendorf mit Nachdruck betont. Um die Umsiedlungsgegner „in die Schranken zu weisen“, hatten sich Bürger aus Mühlrose am Glockenturm getroffen. „Dass so viele daran teilnahmen, das zeigt doch, dass wir dazu stehen. Wir wollen die Umsiedlung“, bekräftigte er am Mittwoch noch einmal.

Am 11. September war an dem neuen Standort von Mühlrose am Nordrand von Schleife die Erschließung gefeiert worden. Bei der Gelegenheit konnten die Umsiedler auch mit dem Planer des neuen Dorfgemeinschaftshauses ins Gespräch kommen und ihm ihre Anregungen und Wünsche mitgeben. Straßen, Wege und Beschilderung sind fertig. Nach Aussage des Ortsvorstehers werde in diesem Jahr dort noch viel mehr passieren. So sollen in Kürze die Bodenplatten für die ersten zwei Häuser gegossen werden. Auch andere Bauwillige stehen bereits in den Startlöchern.

Detlef Rölke verwies auf den Fackelumzug am 2. Oktober in Mühlrose. Da sei so mancher erstaunt gewesen, wieviel Nachwuchs es im Ort gibt. „Vielleicht ist das ja für manche Familien ein Grund, ein Kinderzimmer mehr zu bauen“, sagte er.

Die Gemeinde Schleife wird sich über den Kindersegen der Umsiedler freuen. Die Gemeinde Trebendorf hingegen trifft es hart. Bürgermeister Waldemar Locke hätte es lieber gesehen, wenn möglichst viele Mühlroser nach Trebendorf ziehen. Sie haben sich jedoch mit großer Mehrheit für Schleife entschieden. Die Gemeinde Trebendorf verliert damit 200 ihrer aktuell noch etwa 800 Einwohner. Ob und wie der Freistaat da helfen wird, soll demnächst Inhalt eines Gesprächs in der Staatskanzlei sein, wie es hieß.

Mehr Rederecht im Rat

Für gut befand der Gemeinderat in der Sitzung am Mittwoch den Vorschlag des Bürgermeisters, künftig Anfragen der Bürger und der Räte in einem Punkt der Tagesordnung zusammenzufassen. Bisher war dies in zwei getrennten Punkten behandelt worden, was regelmäßig zu Unverständnis und Kritik bei den Bürgern führte, da sie bei Anfragen der Räte kein Rederecht bekamen. In der neuen Form sieht Carsten Heinz (Wir für Trebendorf) „eine saubere Lösung“, da sie sogar eine Diskussion zwischen Bürgern und Räten erlaube.

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