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Nach dem Schlamm folgt der Schotter

Die Internationale Lausitz-Rallye schreibt mit der 24. Auflage eine Erfolgsgeschichte fort. Ein alter Bekannter holt die Siegertrophäe.

Von Rolf Ullmann
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Durch die Tagebaulandschaft rund um Boxberg führte die 24. Internationale ADMV Lausitz-Rallye. Das polnische Duo Daniel Chwist und Kamil Heller auf einem Hyundai i20 R5 belegte in der Gesamtwertung den 3. Platz. Im Bild ist ihr Fahrzeug bei der knapp 17
Durch die Tagebaulandschaft rund um Boxberg führte die 24. Internationale ADMV Lausitz-Rallye. Das polnische Duo Daniel Chwist und Kamil Heller auf einem Hyundai i20 R5 belegte in der Gesamtwertung den 3. Platz. Im Bild ist ihr Fahrzeug bei der knapp 17 © Gernot Menzel

Die Akkreditierung und der Empfang der Unterlagen für die Medienvertreter im Pressezentrum in der Gemeindeverwaltung Boxberg verliefen im gewohnten Prozedere. Es gab aber eine Besonderheit: Wer seine grüne Warnweste abholen wollte, der musste sein Impfnachweis oder die Bestätigung einer überstandenen Coronaerkrankung vorweisen, ehe er sich an die Rennstrecke begeben darf. Überdies galt Maskenpflicht in allen geschlossenen Räumen. Zum Serviceareal an der Touristinformation am Bärwalder See hatten Zuschauer diesmal keinen Zugang. Das alles gehört zu den Besonderheiten der 24. Internationalen ADMV Lausitz-Rallye.

Martin Kasten, Sprecher während der Rallye, gewann diesen besonderen Umständen dennoch eine positiven Aspekt ab: „Nachdem wir im vergangenen Jahr die Rallye ganz ohne Zuschauer durchführen mussten, können sie diesmal dabei sein und die ganz besondere Atmosphäre dieser Veranstaltung miterleben.“ Salopp gesagt, gehört er, ebenso wie Joachim Jurke von Radio WSW, beinahe schon zum Inventar dieser großen motorsportlichen Veranstaltung . Beide sind sozusagen Männer der ersten Stunde, die von der Premiere an der Rallye die Treue halten. Radio WSW informiert aller 30 Minuten mit einem Programmblock alle diejenigen, die nicht vor Ort sein können. Der Sender steht damit in einer Reihe von mehr als 70 Medienvertreter, die aus mehreren Bundesländern nach Boxberg gekommen sind, um in Bild, Text und Film über die Rallye zu berichten.

Dieses große Medieninteresse freut natürlich auch Achim Junker, den Bürgermeister der Gemeinde Boxberg. Er kommt geradewegs von einer Pressekonferenz in Mühlrose, an der die Amtskollegen teilgenommen haben, die ebenfalls von Kohleausstieg betroffen sind. „Es ist ganz wichtig, das über eine solche Veranstaltung ausführlich berichtet wird. Man sieht, bei uns in Boxberg ist ganz schön was los“, sagt er.

Dann bricht die letzte Stunde vor dem Start zur Rallye an. Nacheinander fahren sechs Fahrzeuge vom Podest am Dorfgemeinschaftshaus in Boxberg hinaus auf die Rennstrecke. Die Aufgabe ihrer Insassen besteht darin, einen letzten Sicherheitscheck zu absolvieren. Sind auch alle Absperrungen geschlossen, befinden sich eventuell noch Personen auf der Fahrbahn und wird diese eventuell durch Hindernisse blockiert? Erst wenn alle Gefahrenpotenziale ausgeschlossen sind, gibt der Rennleiter den Start für das erste Fahrzeug frei. Darin lenkt erneut Matthias Kahle mit Beifahrer Christian Doerr seinen Skoda über die Rennstrecke. Bereits vier Mal stand Matthias Kahle als erfahrener Rallye-Pilot hier auf dem Siegertreppchen. Die guten Wünsche, der inzwischen zahlreich gewordenen Zuschauer begleiten ihn auf seinem Weg zum vielleicht fünften Sieg ...

Sicherheit entlang der Strecke

Nach den ersten Kilometern durch die Ortschaft Boxberg und noch ohne Zeitdruck erreichen die Rennpiloten den Startplatz für die erste Wertungsprüfung in der sogenannten Arena im Tagebauvorfeld Nochten. Trotz des kühlen, regnerischen Wetters hat sich hier eine beachtliche Zuschauerkulisse eingefunden. Für die Frauen und Männer, die für die Sicherheit entlang der Rennstrecke die Verantwortung tragen, eine Herausforderung. Denn ein Unfall mit einem der Rallye-Boliden wäre keine Bagatelle, sondern birgt Gefahr für Leib und Leben. Marcus Gahn gehört zu denjenigen, denen die Sorge für die Sicherheit an diesem Teil der Rennstrecke übertragen wurde. Gemeinsam mit 24 Mitgliedern des MC Grünhain ist er eigens dazu vom Erzgebirge in die Lausitz gereist. „Wir sind nicht nur hier in Boxberg, sondern auch bei anderen motorsportlichen Veranstaltungen seit Jahren immer wieder mit von der Partie. Für uns trifft daher gewiss auch die Bezeichnung Rallye-Touristen zu“, findet er.

Das Kraftwerk Boxberg bildete einmal mehr die eindrucksvolle Kulisse der Rallye.
Das Kraftwerk Boxberg bildete einmal mehr die eindrucksvolle Kulisse der Rallye. © Gernot Menzel
Diese gut gelaunten Streckenposten traf der Fotograf am Beobachtungspunkt bei Nochten an.
Diese gut gelaunten Streckenposten traf der Fotograf am Beobachtungspunkt bei Nochten an. © Rolf Ullmann
Matthias Kahle und Christian Doerr (vorn) vor dem Start: das Duo holte den Gesamtsieg.
Matthias Kahle und Christian Doerr (vorn) vor dem Start: das Duo holte den Gesamtsieg. © Rolf Ullmann

Getreu dem Motto „Wie die Verpflegung, so die Bewegung“ bereiten acht Frauen für sie und alle anderen, die an der Rennstrecke sowie den anderen Bereichen im Einsatz sind jeden Tag einen Verpflegungsbeutel vor. Über 850 sind es, die sie während der drei Tage zusammenstellen, erzählt Dagmar Rasper. Auch sie ist vom ersten Start der Rallye an mit dem Herzen dabei. „Wir sind ein eingespieltes Team, das unsere Männer während der Rallye tatkräftig unterstützt,“ sagt die Frau des Organisators der Lausitz-Rallye.

Am Sonnabendabend erfolgte im Dorfgemeinschaftshaus die Siegerehrung. Einmal mehr triumphiert Matthias Kahle mit seinem Beifahrer. Den zweiten Platz sicherten sich die beiden Norweger Anders Grondal und Magnus Fuglerud. Schließlich komplettierten Daniel Chwist und Kamil Heller aus Polen das Spitzentrio.

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