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Neuer fester Zaun contra Schweinepest

Bundeswehr und Technisches Hilfswerk setzen die ersten Zäune bei Krauschwitz. Dabei gibt es viel zu beachten.

Technisches Hilfswerk Sachsen und Bundeswehr bauen an der S 126 zwischen Podrosche und Krauschwitz die Wildschweinzäune.
Technisches Hilfswerk Sachsen und Bundeswehr bauen an der S 126 zwischen Podrosche und Krauschwitz die Wildschweinzäune. © Sabine Larbig

Überall entlang der S 126 zwischen Podrosche und dem Krauschwitzer Ortsteil Sagar stehen die blauen Fahrzeuge des Technischen Hilfswerks (THW) Sachsen. Ihre blinkenden Blaulichter sowie am Straßenrand aufgestellte Hinweisschilder mit der Aufschrift „Vorsicht Einsatz“ warnen Kraftfahrer. Denn direkt neben der Straße setzen Arbeitsgruppen einen festen Zaun. Er soll die Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest (ASP) verhindern.

Hier gab es den ersten Fall

Dass gerade in der Gemeinde Krauschwitz damit begonnen wurde, hat seinen Grund. Hier, nahe des Truppenübungsplatzes Oberlausitz und des Truppenlagers in Werdeck, wurde das erste mit ASP infizierte Wildschwein in Sachsen erlegt. In der daraufhin eingerichteten Restriktionszone wird deshalb zuerst mit dem Aufbau des Schutzzauns begonnen. In den nächsten Wochen errichten THW sowie zivile Mitarbeiter der Bundeswehr, Reservisten und Soldaten gemeinsam Schulter an Schulter insgesamt 225 Kilometer Zaun. 

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Da, wo es landschaftlich und auf Grund der Wohnbebauung möglich ist, ersetzt der etwa ein Meter hohe Schutzwall – er ist für Rotwild passierbar, durch Wildschweine nicht zu unterwühlen – den seit Frühjahr 2020 stehenden mobilen Elektrozaun. Stellenweise werden aus baulichen Gründen im Bereich zwischen der sächsischen Grenze zu Brandenburg bis zum Süden des Landkreises Görlitz an die Autobahn 4 heran sogar beide Wildschweinbarrieren auf den etwa 65 Kilometern Strecke stehen.

Auf dem Gelände des Bundeswehr-Truppenlagers Werdeck lagert Baumaterial für 25 Kilometer Zaun.
Auf dem Gelände des Bundeswehr-Truppenlagers Werdeck lagert Baumaterial für 25 Kilometer Zaun. © Sabine Larbig

Andere Landkreise abschotten

„Wir unternehmen alles, um möglichst ein Vordringen der Afrikanischen Schweinepest in andere Landkreise zu verhindern. Auch wenn wir zeitgleich im Krisenmanagement der Corona-Pandemie eingebunden sind, wird es im Kampf gegen die Ausbreitung der Tierseuche keine Abstriche geben“, erklärte Sachsens Sozialministerin Petra Köpping gestern bei einem Vor-Ort-Besuch der Zaunbauer zwischen Podrosche und Sagar. In den erneuten Zaunbau investiert der Freistaat 670.000 Euro. „Ich bin dem THW, der Bundeswehr, dem Landkreis und der Landestalsperrenverwaltung äußerst dankbar, dass sie uns mit ihren Mitteln und Kapazitäten so flexibel und schnell unterstützen“, erklärte Köpping. Wie sie weiter sagte, habe der mobile Zaun mit elektrischer, visueller und geruchlicher Barriere bislang sehr gut gewirkt. Dass nicht gleich ein fester Zaun errichtet wurde habe daran gelegen, dass es erst zu einem Positivfund habe kommen müssen, um in der Abwägung von Aufwand, Nutzen und vertretbaren Eingriffen bis ins zivile Leben solche drastischen Maßnahmen einleiten zu können.

Was den nun erfolgenden Zaunaufbau betrifft, so arbeiten THW und Militär gemeinsam daran. Etwa 100 Bundeswehrangehörige sind laut Oberst Klaus Finck vom Landeskommando Sachsen vor Ort im Einsatz. Nicht nur als Bautrupp, sondern auch als Helfer bei der Suche nach toten und möglicherweise infizierten Wildschweinen (Fallwildsuche). Noch gibt es keinen weiteren Fall. Aber die Fallwildsuche, selbst in Pufferzonen, ist unverzichtbar. Ebenso die Arbeit des THW Sachsen, das aktuell mit 50 und bald mit 200 Leuten im Landkreis Görlitz beim Kampf gegen die Tierseuche hilft – zusätzlich zu Aufgaben bei der Bewältigung der Corona-Pandemie und der Bekämpfung der Borkenkäferplage.

Ohne freiwillige Helfer nicht zu schaffen

Eine, die beim Zaunbau bei Podrosche mit hilft, ist Marie Wiesner. Die 19-Jährige absolviert einen Bundesfreiwilligendienst beim THW-Ortsverband Pirna. „Ich habe mich freiwillig für den Einsatz gemeldet und kein Problem damit, so hart wie die Männer zu arbeiten“, erzählt Marie, während sie auf dem Waldboden kniet und immer wieder Erdnägel mit dem Vorschlaghammer einrammt. Wie die anderen Zaunbauer ist sie täglich acht Stunden damit beschäftigt, Pfähle aufzustellen, die je etwa 20 Kilo schweren Zaunrollen mit abzuladen und auszulegen, um sie dann Meter für Meter anhängen, fixieren und auf dem Boden befestigen zu können. „Das passt schon, ich packe gerne an und bin ja nur drei Tage dabei“, bekennt Marie.

Ohne freiwillige Helfer wie sie wäre der Zaunbau jedoch kaum so schnell möglich geworden. Und während im Truppenlager in Werdeck bereits Material für weitere 25 Kilometer Zaun auf den Abtransport wartet, obliegen der Landestalsperrenverwaltung (LTV) die tägliche Kontrolle und Instandhaltung des rund 130 Kilometer langen mobilen Zauns sowie die Koordinierung und fachliche Beratung beim Bau des neuen Wildschweinzauns. Denn durch ihn, so LTV-Vizegeschäftsführer Andreas Cramer, dürfe es nicht zur Gefährdung des Hochwasserschutzes entlang der Neiße kommen. „Es muss vermieden werden, dass Material aufschwemmt und Brückendurchlässe verstopft. Daher gibt es unterschiedliche Zaunvariationen.“

Sozialministerin Petra Köpping informierte sich vor Ort über den Stand des Zaunbaus.
Sozialministerin Petra Köpping informierte sich vor Ort über den Stand des Zaunbaus. © Sabine Larbig

Ministerinnen-Auto „entkeimt“

Und während entlang der S 126 in den nächsten Tagen weiter fleißig gebaut wird, zäunt die Bundeswehr parallel mit eigenem Material ihren Truppenübungsplatz Oberlausitz ein. Er umfasst 8.000 Hektar der insgesamt 13.500 Hektar großen Restriktionszone. Zudem setzt die Truppe auf eingeschränkten Übungs- und Schießbetrieb und Desinfektion, um den ASP-Virus nicht durch Autos oder Material zu verbreiten. Davon konnte sich Petra Köpping überzeugen: Ihr Dienstwagen musste im Truppenlager Werdeck ebenfalls durch eine Desinfektionsschleuse fahren, und wurde von oben und unten „entkeimt“.

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