merken
PLUS Weißwasser

Neues Leben in alten Schrotholzhäusern

Am Wochenende feiert der Erlichthof Rietschen mit einem zweitägigen Fest sein 30-jähriges Jubiläum.

Blick zum Nähstübchen im Erlichthof Rietschen. Es gehört zu den kleineren Gebäuden im Ensemble der Schrotholzhäuser. Seit 2010 diente es als das Glasstübchen, als Klöppelstube und den Kunsthandwerkern als Werkstatt. Eine Weberei, eine Töpferei sow
Blick zum Nähstübchen im Erlichthof Rietschen. Es gehört zu den kleineren Gebäuden im Ensemble der Schrotholzhäuser. Seit 2010 diente es als das Glasstübchen, als Klöppelstube und den Kunsthandwerkern als Werkstatt. Eine Weberei, eine Töpferei sow © Rolf Ullmann

Auf den ersten Blick erscheinen die Schrotholzhäuser mit ihren aufeinanderliegenden bis zu 12 Meter langen Stämmen plump und ungefüg. Doch bei näherer Betrachtung offenbaren sie einen ganz besonderen Reiz, diese mit dem Schrotholzbeil bearbeiteten Balken. Von diesem Werkzeug leitet sich schließlich auch der Name als Schrotholzhaus ab.

Anfang des 21. Jahrhunderts zählte man in der Umgebung der Stadt Weißwasser noch 265 dieser, für die Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft, so typischen Gebäude. Die meisten von ihnen wurden und werden als Wohnhäuser oder Doppelwohnhäuser beziehungsweise als Wohnstallhäuser genutzt. Über 300 Jahre dienten manche der Schrotholzhäuser mehreren Generationen nicht nur als Wohnstätte, sondern boten auch Platz für eine Werkstatt und die Stallungen.

Anzeige
Foto schießen und gewinnen
Foto schießen und gewinnen

Was für ein Anblick! Wer das im Urlaub öfter gedacht und diesen Moment festgehalten hat, kann jetzt einen Reisegutschein von sz-Reisen gewinnen.

Rettung vor dem Tagebau

Anfang der 1990er erwachte allmählich das Bewusstsein, dass diese hölzernen Gebäude einen hohen Wert als Zeitzeugen vergangener Zeitläufe besitzen und deshalb auch für die Nachwelt erhalten bleiben sollten. Der an die Ortschaft Mochholz näher rückende Tagebau Reichwalde beschleunigte diesen Prozess des Umdenkens zusätzlich. Vier Schrotholzgebäude des Ensembles Mocholz 31 sollten nicht das Schicksal der Ortschaft teilen, sondern an einem anderen Standort originalgetreu wieder aufgebaut werden. Das Vorhaben „Umsetzung historischer Schrotholzhäuser“ wurde durch das Sächsische Staatsministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Forsten über das Staatliche Amt für Ländliche Neuordnung Kamenz umfänglich gefördert.

Der Bergbaubetreiber Lausitzer Braunkohle unterstützte dieses Vorhaben ebenso materiell und finanziell. Neben Rietschen hatten sich unter anderem auch Schleife und Weißwasser als Standorte für diese Zeugnisse der Baukunst vergangener Jahrhunderte beworben. Den Zuschlag erhielt letztendlich die Gemeinde Rietschen. Den Ausschlag gab sowohl die Tatsache, dass sich am Erlichtteich das geeignete Gelände befand, in dem der Charakter der Schrotholzhäuser voll zum Tragen kam, als auch dass sich viele Einwohner der abgebaggerten Ortschaften in der Gemeinde Rietschen eine neue Heimat schufen. Ab 1991 begann dann die Umsetzung und die Wiedererrichtung von Mocholz 31. 

Schrittweise folgten dem ersten Gehöft bis zum Jahr 2011 weitere 19 Gebäude und Einrichtungen. Von vornherein stellte dabei die Gemeinde Rietschen die Weichen, damit dieses Ensemble historischer Häuser nicht als ein reines Museum vergangener Zeitläufe wirke, sondern von Anfang an als ein lebendiger Ort für Handwerk und Kultur entwickelt werden konnten.Mit der offiziellen Eröffnung des Erlichthofes im Jahr 1997 nahmen die ersten Handwerker ihre neue Wirkungsstätte in Besitz. Sie lassen sich gern auch einmal über die Schulter schauen, wenn sie töpfern, Brot backen oder den Handwebstuhl bedienen. Die Familie Szonn eröffnete ein Jahr später die Gaststätte „Forsthaus“.

Das Gehöft „Erlichthof“ kurz nach seiner Umsetzung von Mocholz in den Erlichthof Rietschen.
Das Gehöft „Erlichthof“ kurz nach seiner Umsetzung von Mocholz in den Erlichthof Rietschen. © Repro: Rolf Ullmann

Es gibt ein paar Einschränkungen

In den folgenden Jahren entwickelte sich der Erlichthof nicht nur zu einem touristischen Anziehungspunkt, sondern auch zu einem Schauplatz für verschiedene kulturelle Aktivitäten. Dazu zählen neben dem Natur- und Fischerfest, das Wichtelfest, die Töpfer- und Trödelmärkte sowie eine Vielzahl weiterer Aktivitäten. Bekannt wurde der Erlichthof auch durch die Hunderten Auftritte der Erlichthofgaukler, die im letzten Jahr den 20. Jahrestag ihrer Gründung feierten.

Nun ist es soweit, das Jubiläum im Ensemble der Schrotholzhäuser gebührend zu feiern. Deshalb gehört das gesamte Wochenende am 26. und 27. September dem Erlichthof und seinen Gästen. Das traditionelle Natur- und Fischerfest, auch wenn diesmal der Erlichtteich nicht abgefischt werden kann, gibt dem Sonnabend sein Gepräge.Am Sonntag rückt die Wolfsscheune in den Focus der Aufmerksamkeit, wenn die Besucher die Gelegenheit nutzen und auf den Spuren der Lausitzer Wölfe wandeln. Ein Besuch des Erlichthofes lohnt sich an beiden Festtagen. Denn ein großer Bauern- und Naturmarkt öffnet seine Pforten jeweils von 10 bis 17 Uhr. Seifenblasenzaubern mit dem „Team Blubbery“ ein Streichelzoo der „Rollenden Arche“ sowie eine Pilzausstellung, Ponyreiten am Sonnabend und die Vorführungen historischer Lebensart sorgen für Spaß sowie Unterhaltung.

Programm am Wochenende

Sonnabend: Ab 10.30 Uhr offizielle Eröffnung des zweitägigen Festes im Erlichthof Rietschen durch Ralf Brehmer, Bürgermeister der Gemeinde Rietschen, auf der Freilichtbühne an der Theaterscheune. Ab 16 Uhr tritt der Geiger Farfarelloauf der Freilichtbühne mit seinem Programm „Solo zu 2`t“ auf. Die Erlichthofgaukler führen hier um 11 Uhr sowie um 15 Uhr ihr Stück „Die Bremer Stadtmusikanten“ auf. An beiden Tagen ist ein buntes Markttreiben angesagt.

Sonntag: Der Tag beginnt um 10 Uhr mit einem zünftigen Frühschoppen, den Dr. Taste gestaltet. Auf den Spuren der Wölfe kann man ganztägig vor der Wolfsscheune wandeln. Gegen 15 Uhr treten die Kinderfunken des Rietschener Karneval Clubs auf der Freilichtbühne auf.

Mehr Nachrichten aus Weißwasser und Umland lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Weißwasser