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Offenheit für „private“ Energiewende wächst

Stadtwerke und Bafa luden zum 1. Energieforum in Weißwasser ein. Das zog viele Interessierte und Ratsuchende an.

Die sechs Bafa-Mitarbeiter waren beim Energieforum in Weißwasser sehr gefragte Gesprächspartner.
Die sechs Bafa-Mitarbeiter waren beim Energieforum in Weißwasser sehr gefragte Gesprächspartner. © Joachim Rehle

Was in Leipzig bereits Tradition hat, fand erstmals in Weißwasser statt. Ein Energieforum. Dennoch gab es Unterschiede. Während sich in der sächsischen Großstadt beim 10. Ostdeutschen Energieforum Akteure der Energiebranche mit Vertretern von Politik, Energiewirtschaft, Wissenschaft und Mittelstand trafen, um über die Umsetzung der Energiewende und über die Klimapolitik zu diskutieren, wurden in Weißwasser die Bürger beraten. Denn hier wie anderswo wächst die Sorge vor steigenden Strompreisen. In Leipzig forderten Wirtschaft, Politik und Verbände deshalb einen grundlegenden Umbau der Strompreisgestaltung in Deutschland, damit die Energiewende gelingt. In Weißwasser gab es im E-Werk der Stadtwerke praktische Tipps von Experten, wie Hauseigentümer mit finanzieller Förderung und dem Einsatz erneuerbarer Energien langfristig Kosten minimieren und parallel Beiträge zum Klimaschutz leisten können.

Auftakt für eine Beratungsreihe

Das Angebot von Stadtwerken und Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle, Außenstelle Weißwasser (Bafa), kam an. Rund 40 Einwohner aus Weißwasser und dem Umland nutzten das Informationsangebot, das normalerweise nicht öffentlich durch die Bafa erfolgt. „Wir sind in Weißwasser angesiedelt und zuständig für Beratung und Bearbeitung deutschlandweiter Anträge im Rahmen der neuen Bundesförderung für effiziente Gebäude, einem Kernelement des nationalen Klimaschutzprogramms 2030, und anderer Anreizprogramme. Da lag es nahe, gemeinsam mit den Stadtwerken eine bürgernahe Beratung in Weißwasser anzubieten, die hier eine Veranstaltungsreihe werden soll“, begründet Bafa-Außenstellenleiterin Ina Bartmann den Hintergrund des Forums.

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Eine Fortführung der Beratungsform ist denkbar. Themen, für die die Bafa zuständig ist, gibt es viele. Ebenso Beratungsbedarf bei Themen von E-Mobilität über Heizen mit erneuerbaren Energien bis Hochwasserhilfe und Anpassungsgeld für ehemalige Kohlekumpel. Beim Startschuss in Weißwasser richtete man sich vorerst an Hauseigentümer wie Hans-Joachim Noack aus Gablenz. Er beabsichtigt, eine Photovoltaik-Anlage mit Energiespeicher und Ladestation für ein E-Auto im Haus zu errichten. Der Gablenzer wollte deshalb erfahren, was gefördert werde und was bei Antragstellung zu beachten sei.

Auch Frank Schubert aus Bad Muskau hat klare Vorstellungen, was die Umrüstung seiner Heizungsanlage und ihre Verlegung in ein Nebengebäude betrifft. Das dabei selbst Rohrleitungsbau, Schornsteinrückbau und Erdarbeiten mit gefördert werden, erfuhr er am Beratungsstand. „Noch haben wir bis 2026 Bestandsschutz. Aber ich werde schon jetzt den Antrag stellen und mir die Förderung sichern, da laut Auskunft der Experten der Antrag ja bis zu vier Jahren verlängert werden kann.“

Viele Fragen – viele Tipps

Eine moderne Heizungsanlage plant auch Martin Schautschick. „Man scheint ja wirklich bares Geld zu bekommen statt nur klassischer Kreditförderung. Und die Fördersätze sind attraktiv, obwohl ein hoher Eigenanteil bleibt. Gut ist aber, schon beantragen zu können, auch wenn man erst später umrüstet und auf das Geld zurückgreift “, so der junge Mann. Nur der bürokratische Aufwand stört ihn.. „Wenn man arbeitet, ist es schon eine Mammutaufgabe, alle Unterlagen und Publikationen rund um die Förderung zu lesen.“ „Schlau gemacht“ hat sich zudem Familie Lehmann. Die Umsiedler aus Mulkwitz kauften ein Haus in Rohne, wo sie nun viel sanieren müssen. Gerade bei Wärmedämmung und Heizung. „Das Geld, welches wir als Umsiedler vom Bergbaubetreiber als Entschädigung bekamen, reicht nicht für einen Neubau. Selbst bei der Sanierung müssen wir schauen, wie wir an zusätzliche finanzielle Unterstützung kommen“, begründen sie ihre Teilnahme.

Anträge ausschließlich online

Dass auch die Menschen in der Kohleregion immer mehr über neue Wege bei Energiegewinnung und -versorgung nachdenken und sich informieren, erlebt Bafa-Mitarbeiter Ronald Gärtner, zuständig für technische Beratungen und Antragsbearbeitung, täglich. „Die Anfragen steigen schneller als der Personalaufbau bei uns. Doch das beweist die zunehmende Akzeptanz der Menschen für den Wandel“, sagt er. Und sein Kollege Jens Lehnig unterstreicht, dass die Antragstellung „gar nicht so schwierig, wie es die Fülle der Papiere scheinen lässt“ sei. „Eigentlich muss man sich nur raussuchen und durchlesen, was einen interessiert. Für alles andere gibt es Experten, über die wir genauso beraten wie zu Förderprogrammen selbst.“Eine Einschränkung gibt es dennoch. Förderanträge können ausschließlich online und vor Baubeginn gestellt werden. Beratungen der Antragsteller durch Bafa-Mitarbeiter erfolgen hingegen per Mail, Telefon oder im persönlichen Gespräch.

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