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Oft noch warten auf die Masken

Was die Bundespolitik für Dienstag versprach, war im Nordkreis nicht überall umsetzbar. Nachfrage und Frust sind groß.

Ab Donnerstag werden die FFP-2-Masken auch in der Flamingo-Apotheke im Kaufland in Weißwasser ausgegeben.
Ab Donnerstag werden die FFP-2-Masken auch in der Flamingo-Apotheke im Kaufland in Weißwasser ausgegeben. © Joachim Rehle

Sie waren der Bestseller am Dienstag in der Apotheke Boxberg: Die ersten 1.000 FFP2-Masken gingen weg wie warme Semmeln, Kunden gaben sich die sprichwörtliche Klinke in die Hand. Eigentlich, so sagt Apotheker Volker Müller, habe er reichlich Masken bestellt. Doch offenbar kämen die Lieferdienste mit dem Versand der Masken nicht hinterher. Also setzte er sich kurzerhand ins Auto und fuhr nach Senftenberg. „Dass die Masken noch am gleichen Abend restlos vergriffen waren, hat mich überrascht“, sagt Volker Müller am Mittwochvormittag. Da war es für wenige Minuten richtig ruhig in der Apotheke – zum ersten Mal seit Tagen. Volker Müller hat sich inzwischen ein zweites Mal auf den Weg nach Senftenberg gemacht und weitere 1.000 Masken nach Boxberg geholt. „Damit ist es aber gut“, sagt er. „Wenn die wieder so schnell alle sind, müssen sich die Kunden gedulden, bis die Lieferung da ist.“

Nicht-Stammkunden abgewiesen

Unproblematisch scheint die Verteilung aber nicht zu sein. „Wir wurden in der Apotheke Boxberg abgewiesen, weil wir dort keine Kunden sind“, erklärte Christine Lehmann am Tageblatt-Telefon. Die 65-Jährige und ihr schwerbehinderter Mann haben die Hausärztin in Niesky und gehen, um alles auf einen Ritt zu erledigen, dort meist auch in die Apotheke. Dass sie deswegen gestern in Boxberg unverrichteter Dinge weggeschickt wurden, ist für sie unverständlich. „Wir sind doch Bürger der Gemeinde Boxberg“, so die Reichwalderin. Die Landbevölkerung hätte es mit den Ausgangsbeschränkungen schon schwer genug. Dass sie nun wegen der FFP2-Masken noch einmal nach Niesky müssten, könne sie nicht verstehen. Am liebsten würde sie sich beim Apothekerverband beschweren.

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Erfolg würde das nicht bringen. Apotheken steht frei, wie sie die Masken – wenn sie welche haben – verteilen. In Krauschwitz hat Apothekerin Ute Müller-Karstädt schon Dienstag Masken verkauft, die sie online bei einem Anbieter bestellte und selbst dort abholte. Noch sind Masken da. Abgegeben werden sie vor allem an Stammkunden. „Wir haben zwar Nachschub geordert. Die Lieferung kann aber dauern, weil Paketdienste überfordert sind“, begründet die Apothekerin.

Apotheken sind auf sich gestellt

In der Markt-Apotheke in Bad Muskau werden Masken an jeden verteilt, der Anspruch hat. Momentan sind sie ausverkauft. Voraussichtlich Freitag sollen neue kommen, sagt Apotheker Rüdiger Halbauer. Er könne den Ärger von Berechtigten verstehen, die keine Maske bekommen. Aber dies liege nicht ursächlich an den Apotheken. „Wir wurden alle überrascht, hatten nur drei Tage Zeit, um uns auf die Situation einzustellen. Denn eine Verteilung aus dem Bundeskontingent, von dem wir ausgingen, gab es nicht. Wir mussten uns alle selbst kümmern.“

Und, so der Bad Muskauer Apotheker, erst in der Nacht vom 15. zum 16. Dezember sei klar gewesen, wie die Vergütung der Maskenabgabe erfolgt. Bei Rüdiger Halbauer werden 2.500 Masken von den Krankenkassen erstattet. Errechnet wurde die Zahl anhand der im III. Quartal verkauften Arzneimittelpackungen. Damit fallen auch Maskenzahlen von Apotheke zu Apotheke unterschiedlich aus, sind Bestände über den Erstattungsbetrag wirtschaftliches Risiko oder für den Freiverkauf. „Wir tun alle unser Bestes, um die Corona-Pandemie einzudämmen“, erklärt der Muskauer Apotheker.

In der Weißwasseraner Apotheke Am Eisstadion wartet Apotheker Martin Schüßler noch immer auf seine 4.000 bestellten Masken. „Ich hoffe, die kommen noch diese Woche. Die Leute rennen uns die Bude ein und stehen, obwohl wir schon überall Zettel ausgehangen haben, Schlange, um trotzdem nachzufragen.“ Allerdings, sagt Schüßler, sei es nachvollziehbar, dass Hersteller nicht ad hoc 24 Millionen Masken liefern und alle Apotheken zeitgleich abdecken könnten. „Und die genauen Regelungen sind ja leider erst seit Kurzem bekannt, obgleich die Medien seit Tagen dazu berichten und die Menschen deshalb bereits in der Vorwoche nach Masken fragten.“

Fahrplan für die Maskenverteilung

Gewartet auf Lieferung wird noch in der Linden-Apotheke Schleife. „Wir haben bestellt, müssen unsere Kunden aber leider vertrösten“, sagt Apotheker Fred Conrad. Die Lage zeigt: Gut gemeint bedeutet nicht gut gemacht. Wenn der Gesundheitsminister an einem Tag erkläre, dass es am nächsten Tag die Masken gäbe, so der Tenor der Apotheker, bedeutet es nicht, dass diese vorrätig seien. Je drei Stück sollen für Menschen, die mindestens 60 Jahre alt sind, kostenlos abgegeben werden. Voraussetzung ist die Vorlage des Personalausweises. Damit, gibt Rüdiger Halbauer zu bedenken, seien Mehrfachabholungen für Partner, Eltern oder Nachbarn und zusätzliche Engpässe aber nicht verhindert. Vom bürokratischen Aufwand durch die Aufnahme der Personalien ganz zu schweigen, was Mehraufwand für die Apotheken und Wartezeiten für alle Kunden mit sich bringe.Ein möglicher Grund, weshalb manche Apotheken nur an Stammkunden abgeben. Zumindest bis 6. Januar. Da greift die nächste Verteilstufe. Berechtigte erhalten dann für Januar und Februar fälschungssichere Coupons von ihren Krankenkassen oder privaten Krankenversicherungen. Die können gegen je sechs Masken in Apotheken eingelöst werden. Eigenanteil: zwei Euro je Coupon. So kommen Berechtigte fast ohne Kosten an 15 FFP-2-Masken im Wert von zwischen 45 und 90 Euro. Mit langen Schlangen ist aber weiter zu rechnen.

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